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Mit Schrauben zum Erfolg

Mit Schrauben zum Erfolg
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Die Abkürzung stand einst für «Stadler für Schrauben»: Die Rede ist von SFS, dem grössten Rheintaler Unternehmen. Seine Geschichte nahm 1928 in der damaligen Eisenwarenhandlung Stadler in Altstätten ihren Anfang. 1949 eröffnete Partner Hans Huber eine Filiale in Heerbrugg.

Während des grossen Baubooms Ende der 1950er Jahre konnte der Schraubenhändler wegen Lieferproblemen seine Kunden nicht mehr zeitgerecht beliefern. Kurzerhand entschieden Josef Stadler und Hans Huber, insbesondere die Schrauben für die Doppelverglasung von Fenstern selbst herzustellen. Daraus entstand 1960 die SFS Presswerk Heerbrugg AG mit drei Mitarbeitern. Mit weltweit über 10 000 Angestellten ist die Gruppe heute ein weltweit agierendes Technologieunternehmen für mechanische Befestigungssysteme, Präzisionsteile, Baugruppen und Logistiksysteme. SFS-CEO Jens Breu ist überzeugt, dass der Kurs seines Unternehmens weiterhin nur eine Richtung kennt: nach oben.

«Wir sehen unsere mittelfristigen Wachstumsziele bei drei bis sechs Prozent.»

Jens Breu, die Erfolgsgeschichte der SFS ist geprägt von Josef Stadler und Hans Huber, eines der erfolgreichsten Unternehmerduos der Rheintaler Industriegeschichte. Was machte aus Ihrer Sicht den aussergewöhnlichen Pioniergeist der beiden Unternehmer aus?
Beide haben konsequent den Kunden und seine Bedürfnisse ins Zentrum ihres unternehmerischen Handels gestellt. Kundennutzen schaffen war ihr Credo! Dies in einem starken Kollektiv, auf Basis von Innovation und technologischer Kompetenz.

Dieses Credo hat unverändert seine Gültigkeit?
Aber ja! Es wurde zur DNA unseres Unternehmens. SFS hat sich entlang dieser Denkweise entwickelt. Wir haben neue Kunden und Märkte erschlossen, neue Lösungen und Geschäftsmodelle entwickelt, das Technologiespektrum erweitert. Aber unserer DNA – unserem Leistungsversprechen, für den Kunden Mehrwert zu schaffen – sind wir treu geblieben. Es bildet den gemeinsamen Nenner unserer Aktivitäten.

SFS wagte ab den 1970er-Jahren die Expansion ins europäische Ausland. War das der Grundstein des heutigen Erfolgs?
Unser Leistungsversprechen bedingt enge Partnerschaften mit und damit auch die Nähe zu unseren Kunden. Das war unser Antrieb für die Internationalisierung, schrittweise sind wir unseren Kunden ins Ausland gefolgt. Daran hat sich nichts geändert.

Für Hans Huber, langjähriger SFS-Chef und Verwaltungsratspräsident, war «jeder Mitarbeiter ein Unternehmer». In den 60er-Jahren führte er denn auch eine Mitarbeiterbeteiligung an der AG ein und 1984 eine Gewinnbeteiligung aller Mitarbeiter.
Unsere Unternehmenskultur ist ein wichtiger Pfeiler unserer erfolgreichen Entwicklung. Die Mitarbeiter- und Erfolgsbeteiligungen sind wiederum wichtige Aspekte der Kultur und haben die Identifikation mit dem Unternehmen gestärkt. Sie haben zudem auch eine hohe Transparenz und verantwortungsvolle Führung gefördert.

2014 ging die SFS Group an die Börse und wurde auf An-hieb mit 2,5 Milliarden Franken bewertet. Wie sieht es heute aus?
Der Wert ist heute deutlich höher und auch Ausdruck der insgesamt guten Leistung der SFS Group. Wichtig ist uns eine nachhaltige, langfristig erfolgreiche Unternehmensentwicklung – kein kurzfristig orientiertes Denken und Handeln, um den Aktienkurs zu treiben.

Sie selbst sind auch an der SFS beteiligt. Haben Sie aktuell Aktien beim derzeitigen Kurshoch verkauft?
Nein, ich habe keine Aktien verkauft, im Gegenteil, ich habe meine Beteiligung kontinuierlich ausgebaut und glaube an die Fortsetzung der erfolgreichen Entwicklung von SFS. Nachdem Covid-bedingten Einbruch der Nachfrage im ersten Semester 2020 sehen wir seit dem dritten Quartal 2020 eine zusehends breit abgestützte Erholung. Teil dieser Entwicklung sind auch Nachholeffekte. Entsprechend dürfte sich die wirtschaftliche Entwicklung auch wieder etwas abschwächen. Wir sehen unsere mittelfristigen Wachstumsziele bei drei bis sechs Prozent.

Die beiden Gründerfamilien Huber und Stadler sind bis heute Mehrheitsaktionäre mit rund 55 Prozent. Was sind die Vorteile?
Das starke Ankeraktionariat unterstützt uns bei der erwähnten langfristigen und nachhaltigen Ausrichtung. Und es gibt SFS Stabilität, falls der Kurs der zyklischen SFS-Aktie auch mal eine Delle erfährt.

Die Corona-Krise ist aber auch an der SFS Group nicht spurlos vorbeigegangen?
Die Covid-19-Pandemie stellte jede Geschäftsstrategie hinsichtlich ihrer Effektivität auf den Prüfstand. Unsere strategische Ausrichtung hat sich dabei als robust und richtig erwiesen. Denn die Nähe zum Kunden ist für SFS zur erfolgreichen Umsetzung der Value Proposition essenziell. Wir verfolgen im Sinne der «Local-for-Local»-Strategie den kontinuierlichen Aufbau einer globalen Entwicklungs- und Produktionsplattform. SFS und ihre Kunden profitierten in diesem Zusammenhang von einer erhöhten Liefersicherheit, die aufgrund von kurzen und robusten lokalen Lieferketten realisiert werden konnte. Dank der balancierten Ausrichtung auf unterschiedliche Regionen, Endmärkte und Vertriebskanäle federte SFS die Folgen des Nachfrageeinbruchs erfolgreich ab. Mit dem verstärkten Fokus auf die Medizinaltechnik – einen weltweit wachsenden Markt – positioniert sich SFS zudem attraktiv für die Zukunft. Und schlussendlich hat das Unternehmen dank der guten Ertragskraft und der soliden Bilanz die Kraft, auch in der Krise eine langfristig ausgerichtete Strategie zu verfolgen und die damit verbundenen Investitionen zu tätigen. Aufgrund dieser Erkenntnisse sieht sich SFS bestärkt, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen.

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«SFS hat die Kraft, auch in der Krise eine langfristig ausgerichtete Strategie zu verfolgen.»

Apropos Medizinaltechnik: Sie implementieren unter der Marke Tegra Medical eine globale Fertigungsplattform für Medizinaltechnik-Anwendungen. Warum ein neuer Name, hätte sich nicht SFS Medical angeboten?
Die Marke Tegra Medical ist ja nicht neu; Tegra Medical haben wir 2016 übernommen. Sie war und ist attraktiv im Medizinaltechnikmarkt positioniert, und dank ihr hat SFS einen breiten Zugang zu namhaften OEMs der Branche erhalten. Diese Kunden sind international tätig und suchen Partner, mit denen sie global zusammenarbeiten können. Die Erweiterung der Produktionsplattform um europäische und asiatische Aktivitäten unter der Nutzung der Marke Tegra Medical war daher der logische Weg. 

Kürzlich ging SFS auch eine Kooperation mit der Oberrieter Jansen AG im Bereich Fensterbau ein. Sind auch weitere Kooperationen geplant?
Während sich Jansen auf das Product Management konzentriert, agiert SFS als direkter Ansprechpartner für die Kunden. Die Kunden profitieren vom starken SFS-Vertriebsnetzwerk und von unserer umfassenden Kundenbetreuung. Zusätzlich bietet SFS den Kunden die Konfektionierung der Produkte und die Nutzung der bekannten Logistiksysteme an. Neben organischem Wachstum waren Kooperationen wie diese, aber auch Firmenübernahmen schon immer Teil unserer Wachstumsstrategie. Ziel ist insbesondere die Erschliessung neuer Marktsegmente und Kunden – was wiederum die Basis für zusätzliches organisches Wachstum schafft.

Sie bauen in Heerbrugg eine neue Produktionshalle für gegen 30 Millionen Franken, in der rund 100 Arbeitsplätze entstehen sollen. Was wird dort produziert?
Insbesondere Präzisionskomponenten und Baugruppen für elektrische Bremssysteme. Die fortschreitende Elektrifizierung der gesamten Fahrzeuge, nicht nur der Antriebe, ist ein wichtiger Innovations- und Wachstumstreiber für SFS.

Auch die neue Halle zeigt: Sie setzen aufs Rheintal.
Unternehmerischer Pioniergeist und eine Macher-Mentalität kombiniert mit hoher Innovationskraft, Verlässlichkeit und Loyalität prägen das Rheintal. Wir haben unsere Aktivitäten in den letzten Jahren konsequent auf Leistungen konzentriert, die einen hohen Innovationsgehalt haben, einen hohen Automatisierungsgrad erlauben und kapitalintensiv sind. Und die Erbringung solcher Leistungen gelingt nur mit gut ausgebildeten Fachkräften. Diese Spezialisten finden wir hier im Rheintal –sowohl auf der Schweizer als auch auf der österreichischen Seite. Aber es wird beidseits des Rheins zunehmend schwieriger. Entsprechend müssen wir die Jugendlichen fördern und für technische Berufe begeistern.

Wirtschaftliche Entwicklung und Investitionstätigkeit profitieren von stabilen Rahmenbedingungen. Das geplatzte Rahmenabkommen schafft jedoch Unsicherheit.
Das ist so. Rund 25 Prozent der SFS-Mitarbeiter in der Schweiz sind Grenzgänger. Über 95 Prozent der in der Schweiz produzierten SFS-Produkte werden exportiert, davon der Grossteil in die EU. Der freie Zugang zu den europäischen Absatz- und Arbeitsmärkten ist für die erfolgreiche Entwicklung von SFS in der Schweiz zentral. Wir erwarten von der Politik, dass sie stabile und attraktive Rahmenbedingungen schafft und den freien Zugang zu den europäischen Absatz- und Arbeitsmärkten sicherstellt.

 

Text: Tanja Millius

Bild: SFS

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