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Von Herisau in die ganze Welt

Von Herisau in die ganze Welt
Aleksandar Agatonovic
Lesezeit: 3 Minuten

Die Rico Sicherheitstechnik AG verlegt ihren Standort ins ehemalige Cilander-Gebäude in Herisau. CEO Aleksandar Agatonovic erklärt, warum der Entscheid gegen einen Neubau fiel, welche Herausforderungen der Umbau mit sich brachte und welche Rolle der Standort künftig spielt.

Aleksandar Agatonovic, was war der Grund, den bestehenden Cilander-Standort zu übernehmen, statt den geplanten Neubau weiterzuverfolgen?
Das Cilander-Areal kam für uns zur richtigen Zeit auf den Markt. Es ist deutlich grösser als die ursprünglich gekaufte Parzelle in der Nordhalde und bietet zudem genügend Bauland-Reserve für künftige Ausbauschritte.

Was genau macht den Standort aus unternehmerischer Sicht so passend?
Die Grösse des Gebäudes. Es ist gross genug für uns und auch, um Flächen vermieten zu können. Wir haben dadurch die Möglichkeit, schrittweise im Gebäude zu wachsen, bevor wir an die Landreserven müssen.

Wie stark mussten Sie in die bestehende Infrastruktur eingreifen, um den Standort auf den heutigen technischen Stand zu bringen?
Das Gebäude wurde komplett saniert und mehr oder weniger bis auf den Rohbau zurückgebaut. Unter anderem haben wir eine neue Heizung installiert, da Cilander mit Dampf aus den eigenen Prozessen geheizt hat, sowie Lüftung, Gebäudeautomation, Sanitäreinrichtungen, die gesamte Elektroverteilung und Beleuchtung vollständig erneuert. Auch die Büros wurden zurückgebaut und komplett auf unsere Bedürfnisse angepasst. Einzelbüros wurden durch eine grosse offene Fläche mit Shared Desk ersetzt. Zusätzlich haben wir akustische Rückzugsmöglichkeiten wie Telefon- und Meetingboxen geschaffen.

«Wir können im bestehenden Gebäude schrittweise wachsen.»

Wo liegen die grössten Unterschiede zwischen einer Umnutzung wie in Herisau und einem klassischen Neubauprojekt?
Beim Umbau kommen öfter Überraschungen auf einen zu, etwa wenn etwas freigelegt oder abgerissen wird. Man muss situativ auf veränderte Umstände reagieren und kreative Lösungen finden. Bei einem Neubau kann man zumindest in der Theorie vieles von Anfang an genau planen und nahezu jeden Wunsch umsetzen.

Welche strategische Rolle übernimmt der Standort Herisau künftig innerhalb Ihres Unternehmens?
Herisau und der Kanton Appenzell Ausserrhoden sind für uns ein äusserst attraktiver Standort und zugleich unser einziger. Einem Umzug aus der Gemeinde oder gar in einen anderen Kanton können wir aktuell keine Vorteile abgewinnen. Von Herisau aus entwickeln, produzieren und verkaufen wir unsere Produkte weltweit, mit einem Exportanteil von über 90 Prozent. Auch bei der Gründung eines weiteren Unternehmens, der Indonex AG, stand für mich persönlich nie zur Diskussion, dies ausserhalb von Herisau zu tun.

Inwiefern verändert der neue Standort Ihre Produktions-, Entwicklungs- oder Logistikprozesse konkret?
Wir konnten die Prozesse komplett neu denken und optimieren und tun das während der Umzugsphase weiterhin. Die sichtbarste Veränderung betrifft die Struktur über mehrere Geschosse. Während früher alles auf einer Ebene organisiert war, befindet sich das Lager nun auf einem anderen Geschoss. Das verändert die internen Transportwege, wird aber durch den Warenaufzug mit entsprechender Nutzlast gut aufgefangen.

BOOM  

Die Umnutzung eines ehemaligen Industrieareals gilt oft als komplex. Was waren in diesem Projekt die grössten Herausforderungen?
Eine zentrale Herausforderung war, den geänderten Vorschriften und Gesetzen gerecht zu werden. So mussten wir beispielsweise erheblich in den Schutz vor Wassergefahren investieren, da sich das Gebäude in der Nähe der Glatt befindet. Insgesamt passen Gebäude und Areal aber gut zu unseren Anforderungen.

Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Bedeutung dieses Projekts für den Standort Herisau und die Region?
Insgesamt ist die Wirkung positiv, da wieder Bewegung ins Areal kommt. Mit der raschen und qualitativ hochstehenden Umnutzung und Renovation konnten wir das Erscheinungsbild deutlich aufwerten. Zudem ist es uns gelungen, mit unserem Mieter, der E-Q GmbH, ein Unternehmen aus Gossau beziehungsweise dem Kanton St.Gallen nach Herisau zu holen. Auch unser alter Standort hat mit der Chromtech AG einen ausserkantonalen Eigentümer und Nutzer erhalten.

Welche Rolle spielte das Thema Zeitgewinn bei Ihrer Entscheidung für die Umnutzung gegenüber einem Neubau?
Das war ein zweitrangiger Faktor. In erster Linie hat uns der Standort überzeugt, auch wenn er mit Unbekannten verbunden war. Wir waren jedoch bereit, schnell und pragmatisch Entscheidungen zu treffen, was bei einem Umbau entscheidend ist. 

Sehen Sie in diesem Projekt auch ein Modell für den Umgang mit bestehenden Industrieflächen in der Schweiz?
Jede bestehende Industriefläche bringt ihre eigenen Herausforderungen und Chancen mit sich. Entscheidend ist die Bereitschaft, schnell zu entscheiden und Ideen bei Bedarf anzupassen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Resultat. Am Tag der offenen Tür am 6. Juni 2026 kann sich die Bevölkerung selbst ein Bild machen und Einblick in unsere Produkte gewinnen.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Rebekka Grossglauser

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