04.06.2018

Wunsch nach sauberer Luft

Zum 8. Mal erscheint das jährliche Kundenbarometer erneuerbare Energien des HSG-Instituts für Wirtschaft und Ökologie. Die Befragung zeigt, dass Schweizer Konsumenten zunehmend besorgt sind über Klimawandel und Verkehrsemissionen.

68 % geben an, dass sie ein Verbot der umweltschädlichsten Dieselfahrzeuge in den Städten befürworten. 57 % sagen, dass das Fliegen zu billig sei. Gleichzeitig wächst das Interesse an neuen Energietechnologien und damit verbundenen Finanzierungslösungen.

Rund ein Drittel der Schweizer CO2-Emissionen stammt aus dem Verkehr. Neben der Eindämmung des Verkehrswachstums kann der Umstieg auf Elektromobilität die Emissionen senken. Für 42% der potenziellen Autokäufer ist ein Elektroauto die erste oder zweite Wahl. Rund ein Drittel der Befragten, die sich für den Kauf eines Elektroautos interessieren, besitzen aktuell ein Dieselfahrzeug. Dies deutet auf ein erhebliches Potenzial für den Umstieg von Diesel- auf Elektroautos hin.

Schweizer Konsumenten sind «Weltmeister im Fliegen»
Der Flugverkehr ist nach wie vor das Problemkind der Schweizer Klimapolitik. Tatsächlich machen Flugtreibstoffe bis zu 18% der gesamten CO2-Bilanz der Schweiz aus, wobei mehr als 80% der Flüge ab der Schweiz ein europäisches Ziel haben. Während der Flugverkehr auch in anderen Teilen der Welt zunimmt, liegen die Schweizer Konsumenten bei den Flugmeilen pro Kopf an zweiter Stelle. Norwegen liegt an erster Stelle. Eine Umweltsteuer auf Flugreisen könnte diesem Trend entgegenwirken: Rund ein Drittel der Befragten gibt an, dass sie ihre Reisepläne ändern würden, wenn ein Zuschlag von 50 Franken auf europäischen Flügen eingeführt würde.

Interesse an Investitionen in erneuerbare Energien
Erstmals sind in diesem Jahr mehr Hausbesitzer daran interessiert, in Solarmodule mit Batteriespeicher (64%) zu investieren als in Solarmodule ohne Speicher (36%). In Bezug auf finanzielle Innovationen geben 29% der Hausbesitzer an, dass sie sehr an einem Dienstleistungspaket interessiert wären, bei dem ihre Bank ihnen neben einer Hypothek Zugang zu einem Netzwerk von Partnern zur Verbesserung der Energieeffizienz ihres Gebäudes verschaffen würde. Weitere 49% wären eher interessiert an einem solchen Angebot. 64% der Befragten, drei Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr, bekunden ein Interesse an der Teilnahme an Community-Solar-Projekten, die es ihnen ermöglichen, auch ohne eigenes Dach oder Haus in Solarmodule zu investieren. Zudem wären 46% der jungen Menschen unter 30 Jahren interessiert, einen Teil ihrer privaten Altersvorsorge (Säule 3a) in erneuerbare Energieprojekte zu investieren.

Strommix «made in Switzerland» ist beliebt
Mehrere Ergebnisse spiegeln Präferenzen wider, die mit den Zielen der Schweizer Energiestrategie 2050 übereinstimmen, welche 2017 von 58% der Stimmberechtigten angenommen wurde. Im Rahmen der Energiestrategie, die einen Ausbau der regenerativen Stromerzeugung vorsieht, wünschen sich die Konsumenten einheimische erneuerbare Energien. Ihr bevorzugter Strommix ist zu 88% «made in Switzerland». In Übereinstimmung mit der aktuellen politischen Diskussion befürworten 70% der Befragten eine Liberalisierung des Strommarktes, die es den Konsumenten erlauben würde, ihren Lieferanten frei zu wählen.

Soziale Akzeptanz der Windenergie
Einer der Bereiche, in denen bei der Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050 nur langsam Fortschritte erzielt werden, ist die Realisierung von Windenergieprojekten. Die Ergebnisse der Studie geben Aufschluss über einige Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz. Während oft über ökologische Auswirkungen gesprochen wird, scheinen die Meinungen eher bezüglich der ästhetischen Präferenzen auseinander zu gehen: Während 75% der Befragten Windkraftanlage für umweltfreundlich halten, finden sie nur 28% schön. 78% derjenigen, die bereits in der Nähe eines Windparks waren, würden dem Bau von Windkraftanlagen in der Nähe ihrer Gemeinde (eher) zustimmen, während dieser Anteil bei denjenigen ohne eigene Erfahrung auf 65% sinkt.

Lückenhaftes Energiewissen
Trotz der breiten Diskussion über die Energiestrategie 2050 im vergangenen Jahr ist der Kenntnisstand der Konsumenten in Energiefragen lückenhaft. Nur 7% der Befragten wissen, dass 75% des Schweizer Energiebedarfs (Wärme, Strom und Treibstoffe) durch Importe gedeckt werden, während die Mehrheit die Auslandsabhängigkeit der Schweiz deutlich unterschätzt. Der Wissensstand zu diesem Thema ist gegenüber dem Vorjahr um drei Prozentpunkte gestiegen. Weiterhin geben 87% der Befragten einen Mangel an Ladestationen als Hauptgrund an, kein Elektroauto zu kaufen – jedoch unterschätzt fast die Hälfte von ihnen die Anzahl der derzeit in der Schweiz vorhandenen Ladestationen deutlich.

Für die repräsentative Studie wurden 1019 Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz im April 2018 befragt.

Die detaillierten Studienergebnisse finden Sie im Internet auf Deutsch, Englisch und Französisch unter: www.iwoe.unisg.ch/kundenbarometer