Wilhelm Tell schlägt asiatische Exoten
24.05.2019

Wilhelm Tell schlägt asiatische Exoten

An der Münzenauktion am 23. Mai im Auktionshaus Rapp in Wil erzielten asiatische Münzen Höchstpreise von mehreren tausend Franken. Schon am Vortag hatten asiatische Sammler bei der Briefmarkenauktion zugeschlagen. An beiden Auktionstagen wurde ein Verkaufsumsatz von rund sieben Millionen Schweizer Franken erzielt. Schweizerisch und doch exotisch wirken zwei «skandalöse», offiziell nie herausgegebene Schweizer Goldmünzen aus der Zeit des Kalten Krieges, die für 97‘600 Franken versteigert wurden.

«Nummerierte und limitierte Sets mit exotischen Münzen aus dem asiatischen Raum waren am zweiten Auktionstag besonders gefragt», sagt Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsführerin des Auktionshauses Rapp. Insgesamt wurden rund 400 Lose mit Münzen, Medaillen, Banknoten, Aktien und Orden versteigert. Nachdem am Vortag bereits asiatische Sammler an der Briefmarkenauktion – insbesondere aus China – zugeschlagen hatten, doppelten sie an der Münzenauktion nach.

Auktion als Netzwerkforum
Für Furore sorgte ein Set der Republik Indonesien aus dem Jahr 1970: Die fünf Gold- und fünf Silbermünzen, die von der Bank of Indonesia herausgegeben wurden, erzielten einen Preis von 20‘740 Franken. Damit waren sie rund sechsmal so teuer wie der Schätzwert. Es habe einen regelrechten Bieterkampf gegeben, kommentiert Rapp: «Die Beteiligung von Bietenden aus dem asiatischen Raum war riesig. Geboten wurde nicht nur im Saal, sondern auch per Telefon und über das Internet. Jene Kunden, die vor Ort sind, nutzen den Aufenthalt an der Auktion auch, um die Schweiz touristisch zu entdecken und wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen.»

Teuer, weil nie herausgegeben
Trotz des Trends hin zu exotischen Raritäten, sorgte ein Schweizer Goldmünzenpaar für den Tages-Rekordpreis bei den Münzen. Die 25- und die 50-Franken-Münze in Gold der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit der Prägezahl 1959 wurden für 97‘600 Franken versteigert. Pikant: Die beiden Goldmünzen wurden gar nie offiziell herausgegeben und waren damals schon umstritten: Sie zeigen Sujets, die im Zeichen des Kalten Krieges sogar in den Medien als militant betrachtet wurden. Nicht ganz unbegründet: Das 25-Franken-Stück zeigt Wilhelm Tell mit kampfbereiter Armbrust und abwehrender Hand und enthält den Text «In den Waffen Freiheit und Friede». «Damit wurden sämtliche Erwartungen übertroffen. Weil die Münzen noch nie an einer Auktion öffentlich angeboten wurden, hatten wir keinen Referenzwert. Alle glaubten, diese Münzen seien auf dem Sammlermarkt gar nicht zu haben», sagte Geschäftsführerin Marianne Rapp Ohmann.

Amerika und Junge buhlen um Uhren und Schmuck
Nachdem Firmengründer Peter Rapp die Briefmarken- und Münzenauktion an den ersten beiden Versteigerungstagen leitete, kommen am Freitagnachmittag, 24. Mai, Uhren, Schmuck und Luxushandtaschen unter den Hammer. Am Auktionspult wird dann Geschäftsführerin und Gründertochter Marianne Rapp Ohmann sitzen. Sie zeigt sich schon im Vorfeld überwältigt vom grossen Interesse: Obwohl es erst ihre zweite Auktion für derartige Luxusgüter ist, rechnet Rapp nochmals mit einem Millionenumsatz. «Besonders auf das 60-karätige Diamantencollier sind Fachleute und Liebhaber gespannt. Es dürfte um die 50‘000 Franken wert sein.»

Im Trend lägen auch «Pre-owned-Uhren», die hohe Preise erzielen dürften: Das sind begehrte Luxusuhren, die von Erstbesitzenden wieder verkauft werden, zum Teil teurer sind als gleichartige neue Modelle und deren Wert auf bis zu mehrere zehntausend Franken geschätzt wird. «Die internationale Ausrichtung des Auktionsgeschäfts für Luxusgüter zeigt sich gerade in diesem aufstrebenden Nischenmarkt. Unsere Präsenz auf den internationalen Auktionsmärkten hat enorm viele Bietende animiert, im Internet mitzubieten. Vor allem Amerikaner buhlen um edlen Schmuck und insbesondere um handgefertigte, gebrauchte Schweizer Luxus-Präzisionsuhren. Diese Chronometer haben den besonderen Touch des Einzigartigen. Gerade Rolex-Uhren erleben einen bislang ungeahnten Schub. Das hat ja auch dazu geführt, dass selbst Uhrenhersteller auf die Vermarktung von älteren und gebrauchten Modellen setzen.»