Wie cool ist das Arbeiten zuhause?
16.11.2020

Wie cool ist das Arbeiten zuhause?

«Home Office» setzt nicht nur moderne Technologien voraus, sondern erfordert neue Arbeitsmodelle und eine Vertrauenskultur. So die Erkenntnis der jüngsten Sonderveranstaltung des Thurgauer Technologieforums.

Das Forum, getragen vom Amt für Wirtschaft und Arbeit, vom Amt für Mittel- und Hochschulen sowie von der Industrie- und Handelskammer Thurgau und dem Thurgauer Gewerbeverband, stand vor einer Herausforderung: Wie kann es die Netzwerkveranstaltungen im aktuellen Umfeld der Corona-Massnahmen fortführen? Die jüngste Sonderveranstaltung vom 12. November verzichtete deshalb auf eine physische Präsenz und setzte auf Streaming.

Dass diese Technologie und auch die Durchführungsart noch mit Tücken behaftet sein können, zeigte sich bald. Bild und Ton waren nur mit Einschränkungen abrufbar. Doch nach dem Anlass konnten sich die Teilnehmenden und auch weitere Kreise anhand einer einwandfreien Videoaufzeichnung und mittels Dokumenten in die Thematik vertiefen.

Tantau: «Digitaler Führerausweis»
Die modernen Informations- und Kommunikations-Technologien seien zwar eine wichtige Grundlage für moderne Arbeitsplätze, doch die Möglichkeiten reichten über das «Home Office» hinaus. Sie verlangten vor allem nach neuen Modellen der Zusammenarbeit, skizzierte Michael Tantau (rechts im Bild), Produkt-Manager bei der Swisscom, die Ausgangslage.

«Man muss die neuen Arbeitsformen lernen und mit Mitarbeitenden einen Weg finden», schilderte er die Herausforderungen für Unternehmen. Führungsfragen seien ebenso bedeutend wie die Notwendigkeit, eine digitale Kultur zu entwickeln. Neben Technologielösungen und Sicherheitsfragen sei die Schulung der Mitarbeitenden ein entscheidender Faktor, sprach Tantau vom «digitalen Führerausweis».

Schweingruber: Vertrauenskultur
Seit 20 Jahren praktiziert Danny Schweingruber (links) das mobile und flexible Arbeiten. Der Leiter der Office Akademie bei der Thurgauer Witzig The Office Company AG, Frauenfeld, der unter anderem als Co-Präsident der Work Smart Initiative engagiert ist, bekräftigte die Sicht seines Co-Referenten. Die Transformation des modernen Arbeitsplatzes sei weniger eine Frage der Technologie als der Führungs- und Vertrauenskultur innerhalb eines Unternehmens.

Das verbreitet genutzte «Home Office» sei bereits vor zehn Jahren vom Bund propagiert worden, erinnerte Schweingruber. Den Vorzügen des flexiblen, selbstbestimmten Arbeitens und der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf stünden aber auch Nachteile gegenüber, so eine geringere Identifikation mit dem Unternehmen oder ein Verlust von informellen Kontakten. Damit müsse sich die Unternehmenswelt künftig noch verstärkt auseinandersetzen.