Standeskommission hält an Spitalbau fest
11.02.2020

Standeskommission hält an Spitalbau fest

Wegen der unbefriedigenden betrieblichen Entwicklung des Spitals Appenzell in den letzten zwei Jahren hat die Standeskommission eine Situationsanalyse durchgeführt und darüber einen Bericht an den Grossen Rat verfasst. Sie ist zum Schluss gelangt, das Spital-Neubauprojekt für das AVZ+ gemäss Terminplan fortzuführen.

Der Betrieb des Spitals Appenzell hat sich nach dem Landsgemeindeentscheid über den Kredit für den Neubau eines Ambulanten Versorgungszentrums Plus (AVZ+) nicht wie erwartet entwickelt. Dies teilt die Standeskommission mit.

«Während die Fallzahlen im ambulanten Bereich stabil sind, hat sich im stationären Bereich ein Rückgang um rund 10% ergeben», hält die Standeskommission fest. Die Spitalverantwortlichen hätten Gegenmassnahmen beschlossen, die teilweise unmittelbar greifen, teilweise aber auch erst nach einer gewissen Laufzeit wirksam werden, sagt die Regierung. So wurde insbesondere zusammen mit dem Spitalverbund Appenzell A.Rh. ein neues Konzept für die Allgemeine Innere Medizin etabliert, welches Gewähr biete für eine nachhaltige Qualitätssicherung auf einem hohen medizinischen Stand. Die Umsetzung des Konzepts habe Anfang 2020 begonnen.

Festhalten am Fahrplan
Die Standeskommission habe die Sachlage nochmals eingehend überprüft. Nach dem schwachen Jahr 2019 erwarte sie nun beim Spital eine betriebliche Stabilisierung und Erholung, so die Standeskommission. Dabei setze sie insbesondere auf das neue Konzept für die Allgemeine Innere Medizin. «Sie ist überzeugt, dass das AVZ+ mit seinen Stärken das bestehende Marktpotenzial mittel- bis langfristig besser nutzen kann, als dies heute der Fall ist», sagt die Standeskommission.

Sie sei sich gleichzeitig bewusst, dass in den nächsten Jahren ein höherer Betriebsbeitrag zu leisten sein werde als ursprünglich angenommen wurde. Nach den neusten Prognosen werde das jährliche Defizit - abzüglich der Kosten für den Rettungsdienst, die auch ohne ein eigenes Spital anfallen würden - mit knapp Fr. 3 Mio. um Fr. 1 Mio. bis Fr. 1.5 Mio. höher liegen als dies im Zusammenhang mit dem Baukredit prognostiziert wurde.

Das könne vorübergehend akzeptiert werden, zumal man mit dem Aufrechterhalten des Spitalbetriebs dem Wunsch der Bevölkerung nach einer wohnortsnahen Grundversorgung sowie einem rasch und jederzeit erreichbaren Notfalldienst nachkommen könne. «Gleichzeitig bleiben dadurch wichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze im Kanton erhalten», sagt die Standeskommission

Entwicklung genau beobachten
«Die Standeskommission ist überzeugt davon, dass es dem Spital mit einer neuen Infrastruktur besser gelingen wird, die gesteckten betrieblichen Ziele zu erreichen. Sie hat daher beschlossen, mit dem Neubauprojekt gemäss dem vorgesehenen Terminplan fortzufahren und somit den Landsgemeindeentscheid von 2018 umzusetzen», hält die Standeskommission fest.

Sie werde aber die betriebliche Entwicklung am Spital weiterhin genau beobachten. Diese müsse sich rasch erholen und insgesamt eine positive Perspektive erkennen lassen. Das neue Konzept mit der Allgemeinen Inneren Medizin müsse sich etablieren. Als Folge davon erwarte die Standeskommission ein Ansteigen der stationären Fallzahlen. Sollten diese Indikatoren für eine positive Entwicklung im nächsten halben Jahr wider Erwarten nicht deutlich erkennbar sein, bestehe die Möglichkeit, das Projekt vor der Vergabe der ersten Bauaufträge im Oktober 2020 zu stoppen.