Spitzenforscher Aguzzi baut Hirnforschung in St.Gallen auf
Text: stz.
Für den Forschungsstandort St.Gallen ist es eine gewichtige Ansiedlung: Im Switzerland Innovation Park Ost an der Lerchenfeldstrasse hat das Institute for the Science of the Aging Brain, kurz ISAB, seinen Betrieb aufgenommen. Das 2026 gegründete gemeinnützige Institut betreibt biomedizinische Grundlagenforschung und will daraus neue Ansätze für Prävention, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des alternden Gehirns entwickeln.
An der Spitze steht Adriano Aguzzi, langjähriger Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsspital Zürich und einer der profiliertesten Schweizer Forscher auf dem Gebiet der Neurodegeneration. Im Zentrum der Arbeit des ISAB stehen Alzheimer, Parkinson, Prionenerkrankungen und verwandte Krankheiten, bei denen unter anderem fehlgefaltete Proteine Nervenzellen schädigen.
Dabei verbindet das Institut Molekularbiologie, Neurowissenschaften und Genomforschung mit der Übertragung grundlegender Erkenntnisse in die Medizin. Zum Einsatz kommen unter anderem genomweite Gentests, menschliche Zellmodelle und Untersuchungen fehlgefalteter Proteine.
«Bei neurodegenerativen Erkrankungen gibt es keine Abkürzung von der Grundlagenforschung zur Therapie», sagt Aguzzi. Zunächst müssten die krankheitsauslösenden Mechanismen so genau verstanden werden, dass daraus überprüfbare und schliesslich klinisch nutzbare Ansätze entstehen könnten.
1,25 Millionen Franken Anschubfinanzierung
Den Anstoss für die Ansiedlung gab der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann, der Aguzzi vor rund eineinhalb Jahren persönlich kontaktierte. Auch Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner unterstützte das Projekt.
Der Kanton beteiligt sich für die Jahre 2026 bis 2030 mit insgesamt 1,25 Millionen Franken an Aufbau und Betrieb des Instituts. Mit der Förderung sind klare Verpflichtungen verbunden: Die ISAB-Stiftung muss regelmässig über ihre Fortschritte berichten und Beiträge zu Forschung, Kooperationen, Talentförderung und regionaler Innovation leisten.
«Damit investieren wir in wissenschaftliche Exzellenz und zugleich in die Wettbewerbsfähigkeit der Region», sagt Tinner.
Aktuell beschäftigt das ISAB rund 15 Mitarbeiter, mittelfristig soll das Team auf 35 bis 40 wachsen.
500 Quadratmeter Hightechlabor
Auch infrastrukturell erhält das Institut eine starke Basis. Der Switzerland Innovation Park Ost und die Eigentümerin Gartenhof Immobilien haben in 500 Quadratmeter massgeschneiderte Labor- und Büroflächen nach BSL2-Standard investiert. Dieser Sicherheitsstandard ermöglicht den professionellen Umgang mit biologischem Material mit mässigem Risiko.
Als Teil des Instituts entsteht zudem ein «Co-Lab». Dort können Gastforscher und Start-ups Arbeitsplätze mieten und die Infrastruktur des ISAB mitnutzen. Für junge Unternehmen aus Molekularbiologie und Medtech entsteht damit ein direkter Zugang zu hoch spezialisierter Forschungsinfrastruktur.