St.Gallen

Spitzenforscher Aguzzi baut Hirnforschung in St.Gallen auf

Spitzenforscher Aguzzi baut Hirnforschung in St.Gallen auf
Adriano Aguzzi
Lesezeit: 3 Minuten

Der Switzerland Innovation Park Ost erhält prominenten Zuwachs: Der international renommierte Neuropathologe Adriano Aguzzi hat in St.Gallen das «Institute for the Science of the Aging Brain» eröffnet. Das neue Institut erforscht Alzheimer, Parkinson und weitere neurodegenerative Erkrankungen. Der Kanton unterstützt den Aufbau mit 1,25 Millionen Franken – mittelfristig sollen 35 bis 40 hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen.

Text: stz.

Für den Forschungsstandort St.Gallen ist es eine gewichtige Ansiedlung: Im Switzerland Innovation Park Ost an der Lerchenfeldstrasse hat das Institute for the Science of the Aging Brain, kurz ISAB, seinen Betrieb aufgenommen. Das 2026 gegründete gemeinnützige Institut betreibt biomedizinische Grundlagenforschung und will daraus neue Ansätze für Prävention, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des alternden Gehirns entwickeln.

An der Spitze steht Adriano Aguzzi, langjähriger Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsspital Zürich und einer der profiliertesten Schweizer Forscher auf dem Gebiet der Neurodegeneration. Im Zentrum der Arbeit des ISAB stehen Alzheimer, Parkinson, Prionenerkrankungen und verwandte Krankheiten, bei denen unter anderem fehlgefaltete Proteine Nervenzellen schädigen.

Dabei verbindet das Institut Molekularbiologie, Neurowissenschaften und Genomforschung mit der Übertragung grundlegender Erkenntnisse in die Medizin. Zum Einsatz kommen unter anderem genomweite Gentests, menschliche Zellmodelle und Untersuchungen fehlgefalteter Proteine.

«Bei neurodegenerativen Erkrankungen gibt es keine Abkürzung von der Grundlagenforschung zur Therapie», sagt Aguzzi. Zunächst müssten die krankheitsauslösenden Mechanismen so genau verstanden werden, dass daraus überprüfbare und schliesslich klinisch nutzbare Ansätze entstehen könnten.

1,25 Millionen Franken Anschubfinanzierung

Den Anstoss für die Ansiedlung gab der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann, der Aguzzi vor rund eineinhalb Jahren persönlich kontaktierte. Auch Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner unterstützte das Projekt.

Der Kanton beteiligt sich für die Jahre 2026 bis 2030 mit insgesamt 1,25 Millionen Franken an Aufbau und Betrieb des Instituts. Mit der Förderung sind klare Verpflichtungen verbunden: Die ISAB-Stiftung muss regelmässig über ihre Fortschritte berichten und Beiträge zu Forschung, Kooperationen, Talentförderung und regionaler Innovation leisten.

«Damit investieren wir in wissenschaftliche Exzellenz und zugleich in die Wettbewerbsfähigkeit der Region», sagt Tinner.

Aktuell beschäftigt das ISAB rund 15 Mitarbeiter, mittelfristig soll das Team auf 35 bis 40 wachsen.

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Für den 2021 gegründeten Switzerland Innovation Park Ost ist das ISAB die bislang bedeutendste Ansiedlung im Gesundheitsbereich
Für den 2021 gegründeten Switzerland Innovation Park Ost ist das ISAB die bislang bedeutendste Ansiedlung im Gesundheitsbereich

500 Quadratmeter Hightechlabor

Auch infrastrukturell erhält das Institut eine starke Basis. Der Switzerland Innovation Park Ost und die Eigentümerin Gartenhof Immobilien haben in 500 Quadratmeter massgeschneiderte Labor- und Büroflächen nach BSL2-Standard investiert. Dieser Sicherheitsstandard ermöglicht den professionellen Umgang mit biologischem Material mit mässigem Risiko.

Als Teil des Instituts entsteht zudem ein «Co-Lab». Dort können Gastforscher und Start-ups Arbeitsplätze mieten und die Infrastruktur des ISAB mitnutzen. Für junge Unternehmen aus Molekularbiologie und Medtech entsteht damit ein direkter Zugang zu hoch spezialisierter Forschungsinfrastruktur.

Forschung, Medizin und Wirtschaft vernetzen

Das ISAB soll eng mit regionalen Partnern zusammenarbeiten. Organisatorisch besteht eine enge Verbindung zur Empa St.Gallen. Vorgesehen ist zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Spitalverbund HOCH Health Ostschweiz. Weitere Kooperationen mit Forschung, Medizin und Industrie sollen folgen.

Daraus soll ein Forschungsumfeld entstehen, in dem Grundlagenforschung, klinische Medizin und Wirtschaft enger zusammenspielen. Der Innovationspark erhofft sich davon nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch die Gründung von Spin-offs und Biotechnologieunternehmen.

«Das Institut zieht Fachkräfte an, schafft neue Verbindungen zwischen Forschung, Gesundheitswesen und Wirtschaft und erhöht die internationale Sichtbarkeit der Region», sagt Tinner.

Für Aguzzi liegt gerade in der überschaubaren Grösse des neuen Instituts eine Chance. Im Vergleich mit grossen Universitäten könne agiler und mit weniger Bürokratie gearbeitet werden. Seine Hoffnung ist, dass sich in der Ostschweiz neben den etablierten Forschungsräumen Zürich-Basel und Genf ein weiterer Pol für Spitzenforschung entwickelt.

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Forschung für eine alternde Gesellschaft

Die gesellschaftliche Bedeutung nimmt gleichzeitig zu. 2025 lebten in der Schweiz erstmals mehr Menschen ab 65 Jahren als unter 20 Jahren. Viele neurodegenerative Krankheiten lassen sich bis heute weder verhindern noch ursächlich behandeln. Genau hier will das ISAB ansetzen.

Welche internationale Strahlkraft das Projekt bereits entfaltet, zeigte sich auch bei der Eröffnung: Zu den Gästen gehörte Thomas C. Südhof, Neurowissenschaftler an der Stanford University und Medizin-Nobelpreisträger.

Für den 2021 gegründeten Switzerland Innovation Park Ost ist das ISAB die bislang bedeutendste Ansiedlung im Gesundheitsbereich. Zugleich ergänzt das Institut das bestehende Innovationsökosystem mit Startfeld und dem HSG START Accelerator um eine neue Kompetenz in der Molekularbiologie.

Mit dem ISAB erhält St.Gallen damit nicht nur ein neues Forschungsinstitut, sondern die Chance, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Unternehmertum auf internationalem Niveau miteinander zu verbinden.

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