St.Gallen

Sicherheit im Kontext des Aussenhandels

Sicherheit im Kontext des Aussenhandels
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Die Pandemie, der Ukrainekrieg, aber auch handelsrechtliche Entwicklungen stellen die globalisierte Weltwirtschaftsordnung auf die Probe. Die Schweiz ist als Exportnation auf den Zugang zu Absatzmärkten und eine regelbasierte Weltordnung angewiesen. Am IHK Business Outlook vom 23. März diskutierte die IHK St.Gallen-Appenzell mit Gästen, wie Schweizer Unternehmen in diesem Kontext noch wirtschaften können. Korpskommandant Thomas Süssli hielt eine Keynote zum Engagement der Armee zur Sicherheit.

Text: IHK St.Gallen-Appenzell

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Der Ukrainekrieg ist für die ukrainische Bevölkerung verheerend, für den Staat existenzbedrohend und für Europa ein Rückschlag in den jahrzehntelangen Friedens- und Stabilitätsbestrebungen. Auch Schweizer Unternehmen sind unmittelbar, aber auch mittelbar betroffen. Fehlende Rohstoffe wie Getreide und Ton aus der Ukraine beinflussen den Marktpreis und die Lieferketten weltweit.

Während der Westen sicherheitspolitisch geschlossen hinter der Ukraine steht, zeigen sich in transatlantischen Handelsfragen erste Risse. Die EU sieht sich aufgrund des Inflation Reduction Act gepaart mit den hohen Energiekosten als Industriestandort von den USA bedroht. Der multilaterale Abbau von Handelshemmnissen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO stockt.

Auch in Asien steigen die geopolitischen Spannungen. China will Taiwan wieder in sein Hoheitsgebiet eingliedern und verleiht seinem Machtanspruch im Südchinesischen Meer Nachdruck. Dabei wäre ein Konflikt zwischen Taiwan und China nicht nur folgenreich für die Weltwirtschaft, sondern könnte gar eine militärische Eskalation zwischen den Supermächten USA und China zur Folge haben.

Exportnation Schweiz gefordert

Die wirtschafts-, handels- und sicherheitspolitischen Entwicklungen wirken sich direkt auf die Schweiz aus. Unser Land profitiert von einer globalisierten Welt. Das Welthandelsvolumen hat sich seit der Jahrtausendwende trotz Wirtschaftskrisen von 8 auf rund 28 Billionen Dollar verdreifacht. Der Anteil Schweizer Waren- und Dienstleistungsexporten am BIP stieg per 2021 auf 70 Prozent.

In seinem Referat gab IHK-Chefökonom Jan Riss einen Einblick in die Einbettung der Schweiz ins internationale Handelssystem und aktuelle Entwicklungen. Die geopolitischen Risiken steigen und die Handelshemmnisse nehmen weltweit zu. Aufgrund einer zunehmenden sicherheitspolitischen Blockbildung und Multipolarisierung flachte die wirtschaftliche Globalisierung in den vergangenen Jahren ab.

Von einer Deglobalisierung zu sprechen, wäre allerdings verfehlt. Doch geopolitische Spannungen, protektionistische Handelspolitik und Systemkritik veranlassen Unternehmen ihre Standorte und Lieferketten zu hinterfragen. Sie reagieren mit einer Glokalisierung: Die Zusammenarbeit erfolgt verstärkt regional verankert und innerhalb von Wertegemeinschaften.

  

Sicherheit als Grundlage von wirtschaftlichem Handeln

Die Welt wird volatiler, unsicherer, komplexer und mehrdeutiger. Auch die sicherheitspolitischen Bedrohungenszenarien für die Schweiz werden diffuser und vielfältiger.

In seiner Keynote gab der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, einen Einblick in die Bestrebungen der Schweizer Armee um die Schweiz auch im veränderten Kontext zu schützen. Er hob die Wichtigkeit des Schweizer Milizsystems hervor und dankte den anwesenden Wirtschaftsvertretern für die anhaltende Unterstützung und die Bereitschaft Mitarbeitenden für die Wiederholungskurse zur Verfügung zu stellen.

Unternehmen zeigen sich anpassungsfähig

Im Podium mit Franziska Tschudi Sauber, CEO und Delegierte des Verwaltungsrates der Weidmann Holding AG, Dr. Mirko Lehmann, Managing Director bei Endress+Hauser Flow, Prof. Dr. Christoph Frei, Staatswissenschafter an der Universität St.Gallen, und Korpskommandant Thomas Süssli erörterte IHK-Direktor Markus Bänziger die Einflüsse der zunehmenden geopolitischen Spannungen auf Schweizer Unternehmen.

Die Weidmann Holding war mit ihrem Werk nahe Kiew mit 600 Mitarbeitenden unmittelbar von der russischen Invasion betroffen. Endress+Hauser Flow sistierte den Aufbau eines Standorts in Russland. Korpskommandant Süssli machte auf die sicherheitspolitische Blockbildung zwischen West und Ost aufmerksam.

Prof. Dr. Christoph Frei hielt dem entgegen, dass die wirtschaftlichen Verflechtungen gerade zwischen China und dem Westen derart ausgeprägt seien, dass eine wirtschaftliche Abkapselung verheerende Schäden verursachen würde. Die aktuellen Tendenzen gilt es dennoch ernst zunehmen, gerade der exportorientierte Kleinstaat Schweiz würde bei einer sicherheits- wie wirtschaftspolitischen Blockbildungen Schaden nehmen und die Neutralität würde weiter unter Druck geraten.

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