Mit Lehrlingen die Zukunft erfinden
29.10.2019

Mit Lehrlingen die Zukunft erfinden

Die Ems-Chemie setzt konsequent auf den Berufsnachwuchs. Deshalb ist das Bündner Unternehmen nun von der Heerbrugger Hans-Huber-Stiftung und der Zürcher Stiftung FH Schweiz für den Nationalen Bildungspreis 2019 nominiert worden. Der mit 20‘000 Franken dotierte Preis wird am 12. November in Biel verliehen.

«Die Berufsbildung ist ein Grundpfeiler der Ems-Chemie», betont Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher (Bildmitte). Das Unternehmen bewege sich in einem hochinnovativen Umfeld und sei auf einen «top ausgebildeten» Berufsnachwuchs angewiesen, um der Konkurrenz auch in Zukunft einen Schritt voraus zu sein.

Früh Interesse wecken
Martullo-Blocher unterstreicht den Innovationsdruck mit eindrücklichen Zahlen: «Zwei Drittel unserer Produkte sind jünger als zehn Jahre.» Häufig stammten die Ideen von Berufsleuten, die einst ihre Lehre im Unternehmen absolviert haben. Rainer Kirchhofer, Stiftungsrat und Geschäftsführer der Stiftung FH Schweiz, betont, dass Kompetenzen in den sogenannten «MINT-Fächern» Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik eine wichtige Voraussetzung für neue Ideen seien: Die Ems-Chemie habe das erkannt und fördere das Interesse an diesen Fächern schon früh.

Markus Büchi, Leiter Personal bei der Ems-Chemie, bestätigt: «Über 400 Kinder der 3. bis 6. Primarklassen besuchen pro Jahr unsere Ferienpass-Angebote und MINT-Camps, in denen sie experimentieren, eigene Werkstücke herstellen und so die Faszination für Naturwissenschaft und Technik entdecken können.» Vor drei Jahren sei zudem in Domat/Ems das Emsorama eröffnet worden – das erste Wissenschafts-Zentrum im Kanton Graubünden. Als weiteres Pionierprojekt gebe es seit diesem Jahr das Emsorama Mobil, das MINT-Experimente in die abgelegenen Bündner Bergtäler bringt.

Verfechterin der Berufsbildung
Seit 2003 führt Magdalena Martullo-Blocher die Ems-Chemie. In dieser Funktion und als Nationalrätin habe sie sich als starke Förderin der dualen Berufsbildung hervorgetan, betont Christian Fiechter, Präsident der Hans-Huber-Stiftung. «Und zwar immer praxisnah und mit einem Blick für Schwächere.» So habe sie bei der Ems-Chemie auch ein Programm für Personen ohne Ausbildung eingeführt, darunter Flüchtlinge.

Fiechter freut sich, dass Martullo-Blocher den Preis am Dienstag, 12. November 2019 um 18.15 Uhr, in der Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Biel persönlich entgegennehmen wird. Den Preis wird ihr Nationalrat Christian Wasserfallen überreichen: Der Präsident der Stiftung FH Schweiz wird auch die Laudatio halten.

Andere Betriebe profitieren
Als Unternehmen in einem Randkanton wie Graubünden sei die Ems-Chemie bei der Rekrutierung von Fachkräften besonders herausgefordert, betont Christian Fiechter. Seit es 1943 den ersten Chemielaborantenlehrling ausgebildet habe, gehöre das Unternehmen aber auch bei der Rekrutierung zu den Vorreitern. Mehr noch: Es trage durch die Ausbildung von jährlich rund 40 neuen Lehrlingen in 15 Lehrberufen zum Fortschritt der ganzen Region bei.

Einen wesentlichen Beitrag leiste die Ems-Chemie in dieser Hinsicht mit dem Betrieb des überbetrieblichen Kurszentrums «emax» am Standort Domat/Ems. Hier erfahren Lehrlinge von Ems-Chemie und von anderen Betrieben die Grundausbildung in den Berufen Chemielaborant, Anlagen- und Apparatebauer, Anlagenführer und Automatiker.

Erstmals auf eigenen Füssen
Wie vielfältig die Ausbildung bei der Ems-Chemie sei, verdeutliche das Beispiel einer angehenden Laborantin, sagt Personalleiter Markus Büchi: «Sie arbeitet während den drei Lehrjahren in sechs verschiedenen Labors.» Das sei mit ein Grund dafür, weshalb die Ems-Chemie auch von der Organisation «Great Place to Work» kürzlich als zertifizierter Lehrbetrieb ausgezeichnet wurde. Besonders hoch im Kurs stehe bei den Lehrlingen der Mobilitätsaustausch: Bis zu zwölf Lehrlinge pro Jahr erhalten die Chance, drei Monate lang an einem der insgesamt 26 Auslandstandorte von Ems-Chemie zu arbeiten – von Brasilien bis China.

«Für die Lehrlinge ist es eine einmalige Gelegenheit, erstmals auf den eigenen Füssen zu stehen und eine ganz andere Kultur kennenzulernen», betont Büchi und ergänzt: «Es kommt vor, dass sie dank ihres Know-hows vor Ort selber zu ‹Ausbildenden› werden.»

Keine Grenzen gesetzt
Die Ems-Chemie verfolgt bei der Berufsbildung eine klare Philosophie: «Im Vordergrund steht die Ausbildung von gut qualifizierten Berufsleuten in den Betrieben und Abteilungen. Wer sich bewährt, soll aber auch in Führungsrollen hineinwachsen und die Berufsmatur und später vielleicht ein Ingenieurstudium machen», erklärt Conrad Gericke, Leiter Strategische Personalentwicklung bei der Ems-Chemie. Denn gut ausgebildete Mitarbeiter brauche es auf allen Stufen.

Dass im oberen Kader der Ems-Chemie gleich mehrere ehemalige Lehrlinge arbeiten, zeige, dass den jungen Berufsleuten alle Möglichkeiten offenstehen. Diese Durchlässigkeit ist gemäss Rainer Kirchhofer ein weiterer Grund dafür, weshalb die Ems-Chemie für den Nationalen Bildungspreis nominiert worden ist.

Weitere Informationen: www.nationalerbildungspreis.ch