Innerrhoden beschäftigt Kurzarbeit besonders stark
28.04.2020

Innerrhoden beschäftigt Kurzarbeit besonders stark

Gut 1,85 Millionen Anträge auf Kurzarbeit sind in der Corona-Krise bislang gestellt worden. Die Kantone Appenzell Innerrhoden, Uri und Nidwalden beschäftigt das Thema besonders stark; St.Gallen, Zürich und Bern liegen im Mittelfeld.

Das zeigt eine Auswertung der Zugriffszahlen auf den Kurzarbeitsrechner von comparis.ch durch die Universität Basel. In Basel-Stadt und Graubünden wurde der Rechner relativ wenig genutzt. «In Basel-Stadt sind wegen der grossen Bedeutung der Pharmabranche und des Gesundheitswesens wenig Berufe in ihrer aktuellen Tätigkeit eingeschränkt. Demgegenüber sind Uri und Appenzell Innerrhoden am stärksten durch den Lockdown eingeschränkt», erklärt Kurt Schmidheiny (Bild), Professor für Ökonomie und Angewandte Ökonometrie an der Universität Basel.

Nutzung von Rechner deutet auf unterschiedlich starke Kurzarbeit in den Kantonen hin
Der Onlinevergleichsdienst comparis.ch hat im Zug der Corona-Krise Ende März einen Kurzarbeitsrechner lanciert. Bis zum 20. April haben 90'000 Nutzer darauf zugegriffen. Eine Auswertung der Abteilung für angewandte Ökonometrie der Universität Basel zeigt: In den einzelnen Kantonen variiert die Beschäftigung mit dem Thema stark. Gemessen wurde dazu der Anteil der Nutzer des Kurzarbeitsrechners in Prozent aller comparis.ch-Nutzer des jeweiligen Kantons.

«Die grossen regionalen Unterschiede in der Nutzung des Kurzarbeitsrechners deuten darauf hin, dass die Kantone unterschiedlich schwer von Kurzarbeit betroffen sind», sagen die Autoren der Studie, Marius Faber, Andrea Ghisletta und Kurt Schmidheiny.

Zürich, Bern und St.Gallen im Mittelfeld
Die höchste Zugriffsrate auf den Kurzarbeitsrechner weist mit über 7 Prozent der Kanton Uri auf. Auch Appenzell Innerrhoden und Nidwalden haben mit über 6 Prozent hohe Anteile. Die Kantone Graubünden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Zug mit unter 4,5 Prozent verzeichnen demgegenüber die niedrigste Nutzung.

Mit einem Anteil von 5,1 Prozent befindet sich die Wirtschaftsmetropole Zürich im Mittelfeld. Bern und St.Gallen liegen mit einer Abfragequote von je 5,4 Prozent leicht höher.

Je nach Berufshäufigkeit sind die Kantone unterschiedlich stark eingeschränkt
Die lokal unterschiedlichen Zugriffszahlen auf comparis.ch korrelieren stark mit dem Lockdown-Index der Universität Basel. Dieser misst, wie sehr ein Kanton auf Berufe angewiesen ist, die eine grosse physische Nähe erfordern und somit aktuell in der Tätigkeit eingeschränkt sind. Das deckt sich nur teilweise mit der Möglichkeit einer Homeoffice-Ausübung. So ist etwa die Tätigkeit für Lastwagenfahrer, Landwirte oder Reinigungskräfte nicht durch den Lockdown eingeschränkt. Ausserdem berücksichtigt der Index, dass einige Branchen explizit von den Corona-Massnahmen ausgenommen sind (z. B. das Gesundheitswesen).

«In Basel-Stadt sind wegen der grossen Bedeutung der Pharmabranche und des Gesundheitswesens wenig Berufe in ihrer aktuellen Tätigkeit eingeschränkt», erklärt Schmidheiny. Dasselbe gelte für den Kanton Zug, in dem Finanzdienstleistungen und Grosshandel überwiegen. «Demgegenüber sind Uri und Appenzell Innerrhoden am stärksten durch den Lockdown eingeschränkt».

Fast jeder dritte Job vom Lockdown betroffen
Der Index zeigt auch: Im Durchschnitt sind schweizweit 31 Prozent aller Jobs direkt vom Lockdown tangiert. Am stärksten betroffen sind die Kantone Obwalden (39 Prozent), Appenzell Innerrhoden (38 Prozent), Uri (37 Prozent) sowie das Wallis (35 Prozent).

Verhältnismässig wenig betroffen sind die Kantone Jura (27 Prozent), Zug (28 Prozent) und Genf (28 Prozent) sowie Zürich (29 Prozent) und Basel-Stadt (29 Prozent).