Im Westen der Stadt nichts Neues
26.06.2019

Im Westen der Stadt nichts Neues

Der HEV Stadt St.Gallen stellt bei der Fahrplangestaltung 2020 kaum Verbesserungen fest. Insbesondere die S-Bahn St.Gallen steht für ein Treten an Ort. Auch die mangelhafte Abstimmung zwischen dem Fernverkehr und den städtischen Verkehrsbetrieben in den Randstunden bleibt bestehen. Der HEV fordert deshalb eine Forcierung der Anstrengungen bei Stadt und Kanton.

Die Kantonshauptstadt St.Gallen stagniert sowohl bei der Bevölkerungsentwicklung wie auch bei der Arbeitsplatzentwicklung im privaten Sektor, v. a. bei den unternehmensnahen Dienstleistungen. Gerade qualifizierte Arbeitskräfte im Dienstleistungssektor schätzen eine gute öV-Erschliessung ihres Arbeitsortes. Entsprechend wären attraktive öV-Verbindungen auch ein Wachstumstreiber für die Entwicklung des Dienstleistungs- und Wohnstandorts St.Gallen.

Quartiere ausgebremst
Die Bürde des Fahrplanwechsels 2019 wiegt nach wie vor schwer. Verbesserungen beim Fernverkehr werden massiv getrübt durch die mangelhafte innerstädtische Abstimmung zwischen Fern- und S-Bahnverkehr sowie den städtischen Verkehrsbetrieben (VBSG). Das S-Bahn-Konzept ist in Bezug auf die Versorgungslage der städtischen Quartiere Winkeln, Bruggen und Haggen nach wie vor unbefriedigend. Dass einzelne Stadtbahnhöfe im Westen der Stadt über weite Tagesabschnitte im Stundentakt bedient werden und das Gros dieser Verbindungen mit erheblichen Wartezeiten beim Umstieg auf den Fernverkehr verbunden ist, muss aus Sicht des HEV rascher behoben werden.

Weniger Bus, mehr Passagierfrequenzen auf S-Bahn
Der HEV St.Gallen kritisiert auch das Überangebot an Buslinien im Talboden als nicht zukunftstauglich. Die Fahrzeiten von Bussen sind keine Alternative zu schnellen S-Bahnen. Buslinien der VBSG, regionalen Anbietern und Postautos blockieren gerade zu Stosszeiten die Ein- bzw. Ausfallstrassen der Kantonshauptstadt und reduzieren so die Erreichbarkeit der Stadt. Ein Indikator hierfür ist der im schweizweiten Vergleich hohe Anteil an Haltestellen mit einer tiefen Taktfrequenz (vgl. Studie Wohnstandort St.Gallen des HEV). Dies führt auch zu einer Fehlallokation von städtischen und kantonalen Investitionen, etwa durch einen zu hohen Fahrzeugbestand, unnötige Investitionen in Bushaltestellen und Fahrleitungssysteme sowie Depots.

Vorhandene Infrastrukturen besser nutzen
Der HEV St.Gallen fordert in seiner Vernehmlassungsantwort an das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons, dass die vorhandenen Infrastrukturen (v. a. Stadtbahnhöfe) über ein funktionierendes S-Bahn-Netz besser an den Fernverkehr gekoppelt werden. Das kantonale Amt soll zusammen mit den zuständigen Planungsbehörden der Stadt St.Gallen über die Fahrplan-Gestaltung hinaus alle notwendigen Massnahmen einleiten, damit sämtliche Stadtbahnhöfe von St.Gallen durchgängiger bedient werden.

Stellungnahme vom Vorjahr erneut eingereicht
Da mit dem Fahrplan 2020 aus Sicht des HEV St.Gallen keine erkennbaren Verbesserungen erreicht werden, wurden die Anträge vom Vorjahr (Fahrplanentwurf 2019) beim Kanton erneut eingereicht, da sie unverändert Gültigkeit haben. Der Verband schliesst in der Zwischenzeit nicht mehr aus, mit eigenen Gutachten und Studien die Fehlentwicklungen beim öffentlichen Verkehr von St.Gallen sichtbar zu machen, um die Diskussionen zu beschleunigen.