Elf Schweizer Namen in Russlands Waffen
Text: stz.
Auch neue russische Waffensysteme enthalten nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR Elektronik von Unternehmen mit Schweizer Bezug. Dokumentiert sind entsprechende Bauteile unter anderem in der Geran-4-Drohne und im Marschflugkörper «Filin». Die öffentlich zugängliche Datenbank «War & Sanctions» weist unter dem Hauptsitzland Schweiz insgesamt 407 Komponenteneinträge aus.
Den grössten Anteil hat STMicroelectronics mit operativer Konzernzentrale in Plan-les-Ouates GE: Dem Halbleiterkonzern werden 292 Einträge zugeordnet. Es folgen der Navigationsspezialist U-blox aus Thalwil ZH mit 58 und der Stromversorgungsspezialist Traco Power aus Baar ZG mit 36 Einträgen. Die Zahlen bezeichnen dokumentierte Komponenten, keine gelieferten Stückzahlen oder Liefermengen.
Daneben nennt die Datenbank Axicom, QuartzCom, LEM International, Numonyx, Schaffner, Axsem, Sensirion und Micro Crystal. Das Spektrum reicht von Signalrelais und Stromsensoren über Speicherchips bis zu Frequenzgeneratoren.
Die Funde betreffen unterschiedliche Waffensysteme
Einen Sensirion-Sensor ordnet HUR einer Supercam-S150-Drohne zu, einen Traco-Spannungswandler einer Iskander-M-Rakete. In einer nordkoreanischen KN-24-Rakete dokumentiert die Datenbank ein Axicom-Signalrelais. Bei einem U-blox-Navigationsmodul aus einer Geran-4 nennt sie Dezember 2025 als Produktionsdatum.
Ein historischer Ostschweizer Bezug führt zu TE Connectivity. Der Konzern führt Axicom als Relaismarke und hat auch den Solothurner Elektronikspezialisten Schaffner übernommen. In Steinach SG betrieb TE ein Werk für Komponenten der Autoindustrie. 2020 beschloss das Unternehmen dessen Schliessung und den Abbau von 259 Stellen. Die Produktion sollte bis Sommer 2021 eingestellt werden. Die TE Connectivity Solutions GmbH ist heute in Schaffhausen eingetragen.
Dass die in der Ukraine dokumentierten Axicom- oder Schaffner-Bauteile in Steinach hergestellt oder von dort geliefert wurden, lässt sich aus den ausgewerteten Quellen nicht belegen. Unter den elf Herstellerbezeichnungen wurde kein heutiger Firmensitz in St.Gallen, Thurgau oder den beiden Appenzell nachgewiesen.
Auch die Zahl elf braucht eine Einordnung: Sie umfasst frühere Unternehmen und heutige Konzernmarken. Numonyx wurde bereits 2010 von Micron übernommen, Axsem ist inzwischen in Onsemi integriert. Zudem enthält die Datenbank ältere Funde aus Funkgeräten und Panzern. Der einzige Micro-Crystal-Eintrag betrifft beispielsweise einen T-72B3-Panzer und wurde schon im Juni 2024 veröffentlicht.
Die Herstellerzuordnung durch HUR zeigt, welche Elektronik in den untersuchten Waffen gefunden wurde. Sie erklärt für sich allein jedoch weder den Beschaffungsweg noch belegt sie eine direkte Lieferung nach Russland oder einen Sanktionsverstoss des jeweiligen Herstellers.