31.05.2018

Appenzeller Firma recycelt Plastik zu Öl

Die Enespa AG hat den Prototypen ihrer Spatrol-Thermolyse-Recyclinganlage erfolgreich getestet. Damit können aus 1'000 kg Plastikabfall 700 l Rohöl gewonnen werden. Nun suchen die Appenzeller Investoren für eine leistungsfähigere Anlage und versprechen 6.25 % Jahreszins.

Trotz weltweiten Bemühungen landen Plastikabfälle auf Müllhalden, schwimmen in den Meeren oder werden unter Freisetzung von CO2 verbrannt. Die Zukunft liegt in der Pyrolysetechnologie, dem Spatrol-Pyrolyse-Verfahren: Aus 1 000 kg Plastik werden 700 kg Rohöl. Hinter dieser Technologie und seiner Start-up-Firma Enespa AG steht Cyrill Hugi (Bild), aufgewachsen in Schwamendingen.

Saubere Entsorgung, neues Öl
Hugi (60), Inhaber und Geschäftsführer der Enespa AG mit Sitz in Appenzell, löst mit seiner innovativen Technologie gleich zwei grosse Probleme der Gegenwart: sauberes Entsorgen von Kunststoff und Rohölgewinnung. Mittels dem Spatrol-Pyrolyse-Verfahren können enorme Mengen von Kunststoff sauber zu hochwertigem Rohöl umgewandelt werden.

Auf die Idee dazu kam der gelernte Schmied- und Landmaschinenmechaniker sowie Betriebsingenieur vor sechs Jahren bei einem Projekt in Italien. Ziel war es, modulare Blockheizkraftwerke zu konstruieren und mit Rapsöl zu betreiben. Für den verantwortungsbewussten Vater von vier Söhnen war dies eine ökologische Unsinnigkeit: «Lebensmittel verbrennen für die Energiegewinnung ist für mich ein absolutes No-go.»

Pyrolyse - bewährte Technologie
Die ältesten Kunststoffe in der Geschichte der Menschen sind Teer und Pech, entstanden aus der Pyrolyse von Holz. Bei der späteren industriellen Anwendung dieses Prinzips - den Ausschluss von Sauerstoff und Temperaturen über 300 °C - wurden auch andere Materialien verwendet. Erfolgreich war bis anhin nur das Recycling von Autoreifen.

Für das Recycling von Kunststoffen hat die Enespa jetzt das Spatrol-Pyrolyse-Verfahren entwickelt. Damit wurden die Vorteile der Pyrolyse in einem modularen System vereint. Unterschiedliche Kunststoffarten werden zu wertvollem Rohöl umgewandelt, ohne dass dabei CO2 entsteht. Die finale Testanlage von 150 kg pro Stunde - gebaut in Sofia (Bulgarien) - produzierte stabil und kontinuierlich. Nach diesem zweijährigen Testverfahren steht nun alles bereit für den Bau des ersten produktiven Moduls von zweimal 500 kg/h. Später sollen 1 000 kg Plastik 700 Liter Rohöl pro Stunde liefern.

Vier Freunde von Cyrill Hugi sorgten für das notwendige Startkapital für die Testanlage. Für die produktive Anlage, welche in Deutschland gebaut wird, werden jetzt insgesamt 2,5 Millionen Franken mittels der Lancierung einer Schweizer Obligationenanleihe gesucht – mit einem Jahreszins von 6.25 %. Abnahmeverträge für Endprodukte, Standortverträge und Lieferverträge für Kunststoffmüll sind unterzeichnet, ebenso der Vertrag mit dem Anlagebauer für das Modul mit zweimal 500 kg/h. Cyrill Hugi ist zuversichtlich und ambitioniert: «Noch 2018 wird die erste modulare Anlage den Betrieb aufnehmen.» Weitere Informationen: www.enespa.eu