«Technologie kann global sein, die Nähe zum Kunden bleibt zentral»
Martin Egeli, 40 Jahre sind in der Informatik beinahe eine Ewigkeit. Was ist über all diese technologischen Umbrüche hinweg konstant geblieben?
Technologisch hat sich fast alles verändert: 1986 gab es weder Internet noch Smartphones oder Cloud-Dienste, heute sind Systeme permanent vernetzt. Gleich geblieben ist aber die Aufgabe: Unternehmen wollen Informationen sinnvoll nutzen, Abläufe vereinfachen und Routinearbeiten automatisieren. Darum ging es schon bei unserem ersten Projekt vor 40 Jahren. Technologie ist für uns deshalb nie Selbstzweck. Sie muss den Arbeitsalltag des Kunden konkret verbessern. Sonst ist sie unternehmerisch nicht relevant.
Was genau macht Egeli Informatik heute?
Wir haben uns bewusst auf Bereiche konzentriert, in denen wir über viele Jahre tiefes Fachwissen aufgebaut haben. Heute gehören wir zu den führenden Anbietern von Software für Forderungsmanagement sowie Transport und Logistik, entwickeln anspruchsvolle Individualsoftware und übernehmen für Ostschweizer KMU den ICT-Betrieb. Rund 90 Angestellte betreuen heute 1500 Kunden. Wir wollen nicht alles für alle machen – aber in den Bereichen, in denen wir tätig sind, zu den Besten gehören.
«Outsourcing muss nicht alles oder nichts bedeuten.»
Was bedeutet ICT-Outsourcing für ein Ostschweizer KMU konkret?
Wir übernehmen Verantwortung für eine sichere und zuverlässige IT – vom Arbeitsplatz über die Cloud bis zum laufenden Betrieb. Für ein KMU bedeutet das: Es braucht intern nicht für jedes Thema eigene Spezialisten und hat einen Ansprechpartner, der die gesamte Umgebung kennt. Je nach Anforderung betreiben wir die Systeme auf Microsoft Azure oder in unserer «Egeli Cloud» in einem Schweizer Rechenzentrum und kümmern uns auch um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter. Entscheidend ist aber nicht die einzelne Technologie, sondern dass alles zuverlässig zusammenspielt.
Viele KMU haben ihre IT über Jahre selbst aufgebaut. Wann ist der Punkt erreicht, an dem ICT-Outsourcing sinnvoll wird?
Das ist nicht primär eine Frage der Unternehmensgrösse. Entscheidend ist, wie komplex die IT geworden ist und wie viel Know-how intern vorhanden sein muss, um sie zuverlässig und sicher zu betreiben. Gerade bei gewachsenen Umgebungen sehen wir oft, dass viel Wissen an einzelnen Personen hängt oder Mitarbeiter IT-Aufgaben neben ihrer eigentlichen Funktion übernehmen. Spätestens wenn Themen wie Cybersecurity, Cloud, Arbeitsplätze und laufender Betrieb immer mehr Spezialwissen verlangen, lohnt es sich, die Aufgaben neu zu verteilen. Outsourcing muss dabei nicht alles oder nichts bedeuten. Wichtig ist, dass Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und sich das Unternehmen auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann.
Warum braucht es bei globalen Technologien überhaupt noch einen regionalen IT-Partner?
Technologie kann global sein, die Nähe zum Kunden bleibt zentral. Gerade für KMU ist wichtig, dass ihr IT-Partner das Unternehmen und seine IT-Umgebung kennt, verschiedene Technologien sinnvoll zusammenführt und bei Bedarf persönlich erreichbar ist. Darin liegt unsere Stärke: Wir sind gross genug, um die nötigen Spezialisten und professionellen Strukturen bereitzustellen, und gleichzeitig nahe genug, um unsere Kunden und ihre Bedürfnisse wirklich zu kennen.
Datenschutz, Cybersecurity und digitale Souveränität werden wichtiger. Wird «Swissness» in der IT wieder wertvoller?
Ja, gerade bei geschäftskritischer IT wird Vertrauen wichtiger. Kunden wollen wissen, wo ihre Daten liegen, wer ihre Systeme betreibt und wer im Ernstfall Verantwortung übernimmt. «Swissness» allein ist aber noch kein Qualitätsmerkmal. Nähe muss mit professionellen Prozessen und überprüfbaren Standards verbunden sein. Wir haben deshalb gezielt in Qualitäts- und Informationssicherheitsmanagement investiert und sind unter anderem nach ISO 9001 und ISO 27001 zertifiziert. Gleichzeitig hilft uns die Nähe zum Schweizer Markt, regulatorische und kulturelle Besonderheiten zu verstehen.
«Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern dass alles zuverlässig zusammenspielt.»
Mit rund 90 Mitarbeitern sind Sie inzwischen auch ein bedeutender IT-Arbeitgeber in der Region. Ist Egeli Informatik noch ein klassisches Familienunternehmen?
Auf jeden Fall. Familienunternehmen bedeutet für mich nicht, möglichst klein zu bleiben. Wir sind inhabergeführt, denken langfristig und setzen auf persönliche Verantwortung und Partnerschaften auf Augenhöhe. Gleichzeitig haben wir heute professionelle Strukturen und eine breite Fachkompetenz. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt sich auch in unseren Kundenbeziehungen: Mehr als die Hälfte unserer Kunden arbeitet seit zehn Jahren oder länger mit uns zusammen, rund ein Drittel sogar seit über 20 Jahren. Und wir sehen es als Teil unserer Verantwortung, attraktive Informatik-Arbeitsplätze in der Ostschweiz zu schaffen. Wir wollen zeigen, dass man auch ausserhalb der grossen Zentren an anspruchsvollen Software- und IT-Themen arbeiten und sich fachlich weiterentwickeln kann. Dazu gehört für uns auch, jungen Menschen den Einstieg in die Informatik zu ermöglichen.
Sie haben 2022 die Funktion als CEO von Ihrer Mutter Eliane Egeli übernommen. Wie schwierig ist es, ein Familienunternehmen in die nächste Generation zu führen?
Die Verantwortung ist gross, aber die Nachfolge kam nicht plötzlich. Ich habe das Unternehmen drei Jahre gemeinsam mit meiner Mutter geführt, bevor ich 2022 die CEO-Rolle übernommen habe. Werte wie Verlässlichkeit, Unternehmertum und langfristiges Denken möchte ich bewahren. Gleichzeitig wäre es falsch, alles genauso zu machen wie früher. Jede Generation muss eigene Akzente setzen.
Künstliche Intelligenz verändert die Softwarebranche. Wird KI Teile Ihres Geschäfts überflüssig machen?
KI wird viele Tätigkeiten verändern, auch in der Softwareentwicklung. Je einfacher technische Arbeitsschritte werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, das richtige Problem zu lösen. Unternehmen brauchen nicht mehr Code, sondern bessere Prozesse. Für uns ist KI deshalb gleichzeitig Werkzeug und Bestandteil künftiger Lösungen: Sie kann die Entwicklung beschleunigen und Routinearbeiten automatisieren. Entscheidend bleibt aber, dass Qualität, Datenschutz und Verantwortung gewährleistet sind.
Wo sehen Sie Egeli Informatik in den kommenden Jahren?
Wenn 2036 jemand unser 50. Jubiläum vorbereitet, wünsche ich mir, dass man sagen kann: Egeli Informatik ist sich treu geblieben, ohne stehenzubleiben. Technologien werden sich weiter verändern, vielleicht grundlegender als in den vergangenen Jahrzehnten. Unser Anspruch bleibt aber derselbe: relevante Lösungen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und für Kunden und Angestellte ein verlässlicher Partner zu sein. Wenn das Unternehmen 2036 technologisch völlig anders aussieht, Menschen ihm aber aus denselben Gründen vertrauen wie heute, wäre das ein sehr gutes Zeichen.
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer