Trump trifft die Ostschweiz empfindlich
Während Deutschland mit Abstand wichtigster Einzelmarkt für die Ostschweizer Exporteure bleibt, aber mit einer Entwicklung von 4,44 auf 4,60 Milliarden Franken mehr oder weniger auf der Stelle tritt, verzeichnen die USA ein Plus von 48 Prozent. 2016 gingen Waren im Wert von rund 1,48 Milliarden Franken aus den vier Kantonen in die USA. 2025 waren es 2,19 Milliarden.
Donald Trumps Geschenk zum Schweizer Nationalfeiertag 2025 trat sieben Tage später in Kraft: Zusätzliche US-Zölle auf Schweizer Waren von 39 Prozent. Erst ab 14. November 2025 wurde der pauschale Zusatzzoll rückwirkend auf maximal 15 Prozent reduziert.
Dass der Einbruch nicht noch grösser ausfiel, ist vor allem der Pharma-Branche zu verdanken.
Unmittelbarer Einbruch
Nach Angaben des SECO waren rund 60 Prozent der Schweizer Exporte in die USA davon betroffen. Bereits im August brachen die Schweizer Exporte in die USA um mehr als 20 Prozent ein. Im September folgte allerdings ein kräftiger Rebound von 43 Prozent – ausgehend vom tiefen August-Niveau. Im gesamten dritten Quartal lagen die USA-Exporte trotzdem noch gut 8 Prozent unter dem zweiten Quartal.
Der Verband Swissmem hat die Entwicklung der Schweizer Tech-Industrie untersucht. Im dritten Quartal 2025 lagen deren Exporte in die USA 14,2 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Bei den Maschinen betrug der Rückgang sogar 24,8 Prozent. Das bedeutet: Donald Trump hat insbesondere die Ostschweizer Wirtschaft getroffen, denn die Zölle trafen hier traditionell wichtige Bereiche wie Maschinen, Elektronik, Optik, Fahrzeuge und Präzisionsinstrumente. Die IHK St.Gallen-Appenzell und die IHK Thurgau hielten fest, dass zwei Drittel der Ostschweizer Unternehmen negative Auswirkungen der US-Zölle erwarteten, jeder zehnte Ostschweizer Exportfranken sei direkt von den 39-Prozent-Zöllen betroffen.
Besonders deutliche Spuren hinterlassen die US-Zölle in der St.Galler Aussenhandelsstatistik. Denn die Exporte stiegen zuerst von 2016 bis 2024 von 1,114 Milliarden auf 2 Milliarden Franken, somit um satte 80 Prozent. Von 2024 zu 2025 wird hingegen ein Rückgang auf 1.84 Milliarden Franken oder 8,2 Prozent verzeichnet. Das trübt die Freude, dass die US-Exporte innert zehn Jahren von 2016 bis 2025 um 65 Prozent gewachsen sind, dann eben doch.
Ausnahme Pharma
Dass der Einbruch nicht noch grösser ausfiel, ist vor allem der Pharma-Branche zu verdanken. Denn Pharma-Produkte waren 2025 von den pauschalen Zusatzzöllen ausgenommen, gleichzeitig gewann diese Branche im Kanton St.Gallen an Bedeutung.
Exporte aus dem Kanton Thurgau in die USA gingen von 2024 zu 2025 von 273.5 Millionen Franken auf 254.3 Millionen Franken, somit um 7 Prozent, zurück. Auf deutlich tieferem Niveau verzeichnet Appenzell Innerrhoden sogar einen Rückgang von 15 Prozent.
Deutschland-Blues ohne Turnaround
Die tiefschürfende Krise des einstigen europäischen Wirtschaftsmotors Deutschland bekommt die Ostschweiz besonders zu spüren, denn Deutschland ist nach wie vor der klar wichtigste Absatzmarkt für die hiesige Wirtschaft. Von 2016 bis 2022 stiegen die Exporte ins nördliche Nachbarland noch von 4,4 Milliarden auf über 5 Milliarden Franken an, seither sanken die Exporte aber wieder auf 4.6 Milliarden Franken im Jahr 2025. Sinnbildlich für die Krise ist der Blues der einst so stolzen deutschen Autoindustrie. Musikalisch gesehen käme im Blues im zwölften Takt ein Turnaround, die wirtschaftliche Realität zeigt aber eher eine disharmonische Orientierungslosigkeit. In der Ostschweiz gibt es gut zwei Dutzend Unternehmen, die stark auf den Bereich Automotive fokussiert sind, für über 100 Firmen ist die Automobil-Industrie zumindest ein wichtiger Kunde. Zu diesen gehört auch die Wagner AG in Waldstatt, das Familienunternehmen hat gerade beschlossen, seine Aktivitäten einzustellen, da sie nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind. Rund 70 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Im Bereich Automotive haben sich in den letzten zwei Jahren solche Nachrichten gehäuft, verschiedene Unternehmen haben den Betrieb eingestellt oder stark reduziert, darunter etwa die Mubea (Arbon und Oberriet), die DGS Druckguss Systeme AG (St.Gallen), SFS (Standort Flawil), Brusa Hypower AG (Buchs und Sennwald). Vorsichtig gezählt dürften in dieser Sparte gut 500 Arbeitsplätze verschwunden sein.
Text: Philipp Landmark
Bild: KI/Michelle Hadur