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Gewinner und Verlierer unter Ostschweizer Exporteuren

Gewinner und Verlierer unter Ostschweizer Exporteuren
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Die Ostschweizer Exportwirtschaft zeigt ein zwiespältiges Bild. Im letzten Jahr lag die Summe der Exporte zwar deutlich über dem Wert von vor zehn Jahren – aber eben auch klar unter dem Rekordniveau von 2022. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Die schwächelnde deutsche Wirtschaft und der unberechenbare US-Präsident.

Die Ostschweizer Exportwirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren gewachsen – aber nicht geradlinig und nicht überall gleich. St.Gallen und Thurgau haben ihre Exportvolumen gegenüber 2016 ausgebaut, wie Statistiken des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) zeigen. Appenzell Ausserrhoden hat demnach an Exportvolumen verloren, Appenzell Innerrhoden hat auf tiefem Niveau leicht gewonnen.

Gleichzeitig hat sich die geografische Ausrichtung der Ostschweizer Exporteure verändert: Die USA sind deutlich wichtiger geworden, ebenso China – und Österreich. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass sich die einzelnen Exportbranchen unterschiedlich entwickeln. Pharma und Hightech legen zu, während die klassische Maschinenindustrie zwar weiterhin die wichtigste Exportbranche ist, aber kaum gewachsen ist.

Addiert man die Exporte im konjunkturellen Total – also ohne Edelmetalle, Edel- und Schmucksteine, Kunstgegenstände und Antiquitäten –, kommen die vier Kantone 2025 auf rund 15,7 Milliarden Franken. 2016 waren es rund 14,0 Milliarden. Das entspricht einem Wachstum von knapp zwölf Prozent. Der Weg dorthin verlief allerdings alles andere als gleichmässig: 2022 erreichten die Exporte mit rund 17,2 Milliarden Franken ihren bisherigen Höchststand. Seither ist das gemeinsame Volumen um rund neun Prozent zurückgegangen.

Pharma und Hightech treiben die Exporte.

Neue Export-Treiber in St.Gallen

St.Gallen als grösster Kanton trägt am meisten zu den Ausschlägen einer gemeinsamen Exportstatistik der Ostschweiz bei. Das Exportvolumen des Kantons stieg im konjunkturellen Total von 9,48 Milliarden Franken 2016 auf 10,87 Milliarden 2025. Thurgau legte von 3,52 auf 3,87 Milliarden zu. In Appenzell Ausserrhoden sank das Volumen von 906 auf 813 Millionen Franken, in Appenzell Innerrhoden stieg es von 120 auf 127 Millionen.

In St.Gallen hat sich die Exportstruktur deutlich verändert. Maschinen sind zwar nach wie vor die wichtigste Warengruppe, 2025 entfielen darauf rund 3,1 Milliarden Franken oder 28 Prozent der Exporte. Doch dahinter folgen Elektronik und Optik mit 1,22 Milliarden, Metallerzeugnisse mit 1,11 Milliarden und Pharma mit gut einer Milliarde Franken.

Während die klassische Maschinenindustrie 2025 praktisch auf dem Niveau von 2016 liegt, legten Elektronik und Optik um gut 21 Prozent deutlich zu. Eine ganze Reihe von St.Galler Technologieunternehmen stellt mit grossem Erfolg High-Tech-Produkte her, die weltweit gefragt sind.

Die Pharmaexporte wiederum haben sich seit 2016 mehr als verdoppelt. Ein wesentlicher Treiber dafür ist CSL Vifor, die frühere Vifor Pharma. Das für seine Eisenpräparate bekannte Unternehmen hat nach 2021 die Wirkstoffproduktion in St.Gallen ausgebaut. In den letzten Jahren hat sich in St.Gallen zudem ein Cluster aus Pharma-, Biotech- und Life-Science-Unternehmen entwickelt.

Camion Transport  Thurgauer Lehrlingstag  

Neue Märkte erschlossen

Deutschland bleibt mit 4,6 Milliarden Franken mit Abstand wichtigster Absatzmarkt für St.Gallen, ist seit 2016 aber nur um 3,5 Prozent gewachsen. Deutlich dynamischer entwickelten sich die USA: Die Exporte stiegen von 1,48 auf 2,19 Milliarden Franken, ein Plus von knapp 48 Prozent. Auch Österreich gewann stark an Bedeutung und legte von 711 Millionen auf 1,11 Milliarden Franken zu. China wuchs um 31 Prozent auf 809 Millionen Franken. Rückläufig waren dagegen unter anderem die Exporte nach Frankreich, Tschechien, Japan und Singapur.

Damit unterscheidet sich St.Gallen deutlich von den anderen Ostschweizer Kantonen: Der Kanton hat nicht nur seine Exportstruktur verbreitert, sondern auch neue Absatzmärkte erschlossen. Besonders auffällig ist die Entwicklung in den USA, die inzwischen fast 14 Prozent der Exporte ausmachen.

Thurgau exportiert Eisenbahnen

Im Thurgau erzielen in der Exportstatistik Maschinen 572 Millionen und Metallerzeugnisse 376 Millionen Franken. Chemische Erzeugnisse kamen auf 318 Millionen, elektrische Ausrüstungen auf 261 Millionen Franken.

Die grösste Warengruppe nennt sich «sonstige Fahrzeuge», diese Position unterliegt erheblichen Schwankungen: Sie lag 2016 bei 491 Millionen Franken, erreichte 2019 und 2020 mehr als 825 Millionen, fiel 2024 auf 326 Millionen und sprang 2025 wieder auf 681 Millionen. Es liegt auf der Hand, dass sich in diesen Zahlen vor allem spiegelt, was der Zugbauer Stadler von seinem Werk am Hauptsitz Bussnang aus exportiert.

Daneben gibt es im Thurgau weitere Wachstumsfelder. Elektronik und Optik legten seit 2016 um rund 105 Prozent zu, chemische Erzeugnisse um 23 Prozent. Auch Kraftwagen und Kraftwagenteile entwickelten sich deutlich positiv. Gleichzeitig gingen Metalle und elektrische Ausrüstungen zurück.

Bei den Absatzmärkten unterscheidet sich der Thurgau von St.Gallen. Deutschland bleibt wichtigster Markt. Die USA haben zwischen 2016 und 2024 praktisch nicht zugelegt – von 281 auf 274 Millionen Franken. Dafür haben sich die Exporte nach China mehr als verdoppelt, von 85 auf 178 Millionen Franken. Noch auffälliger ist Rumänien: Dort stiegen die Exporte von 74 auf 171 Millionen Franken.

OD  

Ausserrhoder Textil-Export bricht ein

In Appenzell Ausserrhoden sank das Exportvolumen, besonders markant ist der Rückgang bei Textilien: Deren Exporte fielen von 172 auf 80 Millionen Franken. Auch die Chemie und Elektronik/Optik lagen unter dem früheren Niveau. Gleichzeitig konnten Maschinen und elektrische Ausrüstungen zulegen.

Auch geografisch hat sich die Struktur verändert. Deutschland, das 2016 noch fast ein Drittel der Ausfuhren ausmachte, verlor deutlich an Bedeutung: Die Exporte gingen von 294 auf 181 Millionen Franken zurück. Die USA legten dagegen leicht zu, von 78 auf 85 Millionen Franken. Hongkong gewann ebenfalls an Gewicht.

Gefragte Optik aus Innerrhoden

Das Exportvolumen von Appenzell Innerrhoden ist klein, weshalb einzelne Entwicklungen schon erhebliche statistische Ausschläge erzeugen können. 2025 dominieren elektrische Ausrüstungen, Maschinen sowie Elektronik, auch Bekleidung gewann deutlich an Gewicht. Der Bereich Optik hat sich mit 18,4 Millionen Franken seit 2016 verzehnfacht.

Bei den Absatzmärkten zeigt sich ebenfalls eine markante Verschiebung. Die Exporte nach Deutschland stiegen zwischen 2016 und 2024 von 21,4 auf 67,1 Millionen Franken, jene in die USA von 5,5 auf 17,5 Millionen. Gleichzeitig gingen die Ausfuhren nach Österreich, Australien und Frankreich zurück. Die hohen Wachstumsraten müssen wegen der geringen Ausgangswerte allerdings mit Vorsicht interpretiert werden.

Text: Philipp Landmark

Bild: KI/Michelle Hadur

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