Wirtschaftsraum Thurgau

Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft

Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft
Martin Feldmann, Daniel Bänziger
Lesezeit: 3 Minuten

Das Baustoff- und Bauunternehmen Kibag und die TIT-Imhof-Gruppe bauen in Weinfelden eine Aufbereitungsanlage für mineralische Baustoffe. Die «Baustoff-City» steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. Martin Feldmann, Leiter Entsorgung-Recycling bei TIT Imhof , und Daniel Bänziger, Regionalleiter der Kibag Baustoffe Ostschweiz, betonen, wie wichtig Recycling auch bei Baustoffen ist.

Daniel Bänziger, wann soll die Baustoff-City in Betrieb gehen und was wird dort dereinst gemacht?
DB: Das Bauvorhaben umfasst drei Hauptbereiche: den Ausbau des Recyclingplatzes für die Trockenaufbereitung von Kiesmaterial, den Bau einer nassmechanischen Anlage für die Aufbereitung von Aushubmaterialien sowie den Neubau eines Betonwerks zur Verwendung der anfallenden Materialien. Das Areal geht schrittweise in Betrieb. Während die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG in der Testphase steht, soll das Betonwerk bis Mitte 2024 betriebsbereit sein. Der Ausbau des Recyclingplatzes ist bereits abgeschlossen. Bis sämtliche Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird es noch etwa ein Jahr dauern. Während der ganzen Bauzeit läuft der Betrieb der bisherigen Anlagen übrigens weiter.

Martin Feldmann, für den Bau haben Sie zusammen mit der Kibag die BRT AG gegründet. Weshalb dieser Schritt?
MF: Die TIT-Imhof-Gruppe betreibt in der Region eine Deponie Typ B. Die BRT AG wird hauptsächlich Material mit diesem Verschmutzungsgrad aufbereiten. Durch den Zusammenschluss der beiden Unternehmen wollen wir die Auslastung der Aufbereitungsanlage gewährleisten sowie das Know-how beider Parteien bündeln. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft in der Region voranzutreiben.

Werden für die Baustoff-City auch rezyklierte Baustoffe verwendet?
DB: Wir verwenden für alle unsere Bauten fast ausschliesslich Recyclingbeton, in dem 50 Prozent der Gesteinskörnungen aus Rückbaumaterialien stammen. Nur vereinzelte Bauteile werden mit «herkömmlichen» Betonrezepturen hergestellt. Der Einsatz von Recyclingbeton ist bei diesem Bauvorhaben problemlos möglich; dieser steht herkömmlichem Beton bei Eigenschaften und Optik in nichts nach.

 

Konditionen  ReSeT  

«Wir verwenden für alle unsere Bauten Recyclingbeton.»

Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Umwelt?
DB: Durch die Aufbereitung von Rückbaumaterialien verleihen wir diesen ein «zweites Leben». Anstatt deponiert zu werden, können sie beim Neubau eines Gebäudes wiederverwendet werden. Durch diese Schliessung der Stoffkreisläufe begegnen wir der Ressourcenknappheit wirkungsvoll. Dadurch, dass Aufbereitung und Wiederverwendung in der Betonproduktion auf demselben Areal stattfinden, lassen sich auch Transporte reduzieren. Das Bauwerk Schweiz wächst weiter – umso wichtiger ist es, die vorhanden Primär- und Sekundärrohstoffe so effizient wie möglich zu nutzen. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten.

Kann eigentlich jegliche Art von Baustoffen rezykliert werden?
DB: Für die Betonproduktion verwenden wir drei Arten von Rückbaustoffen: Betonabbruch, Mischabbruch und die mineralischen Anteile, die wir aus verschmutztem, kiesigem Aushub rückgewinnen. Das sind die drei Materialkategorien, die auf einer Baustelle die grössten Stoffströme auslösen. Durch die moderne Aufbereitungstechnologie der BRT AG können wir eine viel breitere Palette an Rückbaumaterialien aufbereiten und den darin enthaltene Kies gewinnen, da das Verfahren auch Lehm von den Steinen lösen oder Fremdstoffe (Holz, Metall usw.) ausscheiden kann. Holz und Metall sind für die Wiederverwendung in Beton nicht geeignet, werden aber auch rezykliert.

 

«Wir verleihen Rückbaumaterialien ein ‹zweites Leben›.»

Entscheidend für die Qualität des Recyclingbetons ist wohl die Aufbereitung der Rückbaumaterialien?
DB: Ja. Für die Betonproduktion sind wir wie erwähnt darauf angewiesen, dass Fremdstoffe aus den wiederverwendeten Gesteinskörnungen entfernt werden; sonst finden sich diese im frisch produzierten Beton wieder. Die heutige Aufbereitungstechnik, insbesondere im Bereich Nassaufbereitung wie derjenigen der BRT AG, ist aber so weit, dass dies keine Probleme mehr verursacht. Auch im Bereich der Verarbeitung haben die Bauunternehmen genügend Erfahrung, dass die Unterschiede zum herkömmlichen Produkt kaum spürbar sind.

Wie stellen Sie sicher, dass Qualität und Haltbarkeit von recycelten Baustoffen den Anforderungen Ihrer Bauprojekte entsprechen?
DB: Als Betonproduzentin unterliegen wir einer schweiz- und europaweit gültigen Norm, welche die Qualitätskontrollen sowie die Produktqualität definiert. Diesbezüglich haben wir ein kontinuierliches Überwachungssystem, dessen Einhaltung jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle kontrolliert wird.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

Auch interessant

«In Pfandländern wird viel mehr gelittert als in der Schweiz»
Ostschweiz

«In Pfandländern wird viel mehr gelittert als in der Schweiz»

Kibag und Neustark speichern CO₂ im Beton
Thurgau

Kibag und Neustark speichern CO₂ im Beton

Canon setzt auf Solenthaler Recycling
St.Gallen

Canon setzt auf Solenthaler Recycling

Schwerpunkte