Wirtschaft

800 Betten für Grindelwald

800 Betten für Grindelwald
Remo und Philipp Bienz
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Die Zwillingsbrüder Remo und Philipp Bienz sind mit ihrer Fortimo-Gruppe auf Erfolgskurs: Nicht nur halten sie aktuell Immobilien für fast 1,5 Milliarden Franken, sondern sie expandieren auch stark im Bereich Hotellerie. Wird die Fortimo damit zum Hotelier?

Immobilientreuhänder Remo Bienz und Architekt Philipp Bienz führen die im Jahr 2000 gegründete Fortimo Group AG als executive Verwaltungsräte und Inhaber. Fortimo entwickelt, hält und betreibt Immobilien in der Schweiz und teilweise im Ausland. Sie beschäftigt gruppenweit über 450 Mitarbeiter und erbringt eine jährliche Wertschöpfung von weit über 250 Millionen Franken.

Das Familienunternehmen mit Sitz in St.Gallen hat in den letzten Jahren rund 5600 Miet- und Eigentumswohnungen auf eigene Rechnung entwickelt und realisiert. Aktuell sind Immobilien im Wert von fast anderthalb Milliarden Franken im Bestand der Gesellschaft.

Im Bereich des Tourismus expandiert Fortimo mit neuen Hotelkonzepten: So sind zahlreiche neue Projekte der Eigenmarke Revier in Planung oder in Bau. Jüngst konnte zudem das Hotel Säntispark in Abtwil gekauft und das ehemalige Grandhotel Regina in Grindelwald samt Erweiterungsprojekt ersteigert werden. Dazu sind die Zwillinge Aktionäre beim FC St.Gallen 1879 und in über 40 Start-ups investiert.

Remo und Philipp Bienz, soeben haben Sie nicht nur das Hotel Säntispark übernommen, sondern auch das Hotel Regina ersteigert. Was planen Sie in Abtwil und in Grindelwald?
Das Hotel Säntispark gilt es fortzuführen und wo möglich im positiven Sinne weiterzuentwickeln. In Grindelwald besteht eine Überbauungsplanung für drei verschiedene Hotelkonzepte mit insgesamt über 800 Betten. Diese Projekte werden nun erarbeitet und baldmöglichst umgesetzt.

Mit dem Säntispark führt die Fortimo bereits sechs Hotels (Adelboden, Lenzerheide 2x, Montafon, Dubai), weitere sind in Planung oder im Bau. Wird die Fortimo nun zum Hotelier?
Im Vordergrund steht bei uns immer die Immobilie – und wir haben natürlich immer noch eine grosse Leidenschaft für das Entwickeln von Wohnliegenschaften. Aber mit funktionierenden Hotelkonzepten können wir einen Mehrwert für die Liegenschaft schaffen. Am besten geht dies, wenn wir die Betriebe inhouse führen.

Nach welchen Kriterien übernehmen Sie bestehende Hotels oder planen neue?
Das Hotel Säntispark ist eine Opportunität, da Migros einen starken Partner gesucht hat, der das Hotel weiterbringt. Ein etabliertes Hotel mit Potenzial in unserer Nähe ist doch toll! Ansonsten suchen wir Topstandorte in entwickelten Destinationen im Alpenraum.

Mit «Revier» und «PRIVÀ» haben Sie zwei Hotelmarken laufen, dazu kommt mit «PRIVÀ Living» noch ein drittes Label für möblierte Appartements hinzu. Warum nicht einfach «Fortimo-Hotels und -Appartements»?
Revier und PRIVÀ sind zwei in sich stringente Hotelkonzepte mit klar definierten Zielgruppen und unterschiedlichem Profil. Somit sind sie auch in der Vermarktung eigenständig, aber in der Fortimo Group AG eingebettet.

Ebenfalls diversifiziert haben Sie in Pflege und Wohnen im Alter. Wo sehen Sie hier Potenzial?
Bei den Pflegebetrieben sehen wir insbesondere Ergänzungsmöglichkeiten mit servicierten Wohnungen für eine ältere Wohnbevölkerung.

Sie investieren nicht nur in Immobilien. Seit 2018 ist Fortimo auch zweitgrösste Aktionärin des FC St.Gallen 1879. Das dürfte aber kaum ein Investment der Rendite Willen sein?
Stimmt, der FC St.Gallen ist eine Herzensangelegenheit. Die Führungscrew leistet hervorragende Arbeit, die wir estimieren wollten. Zudem stehen wir für ähnliche Werte ein.

«Wir verstehen nicht immer alles, aber investieren primär in die Menschen dahinter.»

Sie sind mit der Fortyone AG auch in viele Ostschweizer Start-ups investiert – Kaspar&, CollectID, Deskbird oder OnlineDoctor, um nur ein paar zu nennen. Was ist hier Ihre Motivation – und nach welchen Kriterien wählen Sie aus?
In der Ostschweiz gibt es viele kreative Jungunternehmer mit grossartigen Ideen. Wir verstehen nicht immer alles, aber investieren primär in die Menschen dahinter. Wir unterstützen vorab finanziell, teilweise aber auch mit unserer eigenen Businessexperience oder können Verbindungen aufbauen. Es ist auch für uns bereichernd, über den Tellerrand zu schauen und neue Geschäftsmodelle, Prozesse, Branchen kennenzulernen.

Immobilienentwicklung, Hotellerie, Alterswohnen, Fussball und Start-ups: Läuft man da als Unternehmer und Investor nicht Gefahr, sich zu verzetteln?
Nein. Wir werden begleitet von sehr vielen wunderbaren Personen, die unsere Ideen mittragen und helfen, die einzelnen Projekte erfolgreich umzusetzen. Unsere Mitarbeiter sind top ausgebildet und unterstützen uns mit viel Kreativität und Engagement.

Zum Schluss: Was dürfen wir in nächster Zukunft von der Fortimo noch erwarten?
Wir haben weiterhin sehr viel Freude an unseren Aufgabengebieten und wir sind bestrebt, weiter eine aktive Rolle in der hiesigen Immobilienentwicklung zu spielen. D.h. «more of the same». Zudem sind Hotelprojekte u.a. am Rheinfall, in Saas Fee, Laax, Celerina, Engelberg und drei Standorten in Österreich in Planung oder in Bau.

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