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Zehn Jahre, die mehr waren als ein Logo am Dach

Zehn Jahre, die mehr waren als ein Logo am Dach
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Seit 2016 prägt Kybun als Namensgeber das Stadion des FC St.Gallen 1879. Wenn im Juni 2026 die Ära des Kybunpark endet, schliesst sich ein bedeutendes Kapitel der Ostschweizer Sportgeschichte. Im Gespräch blicken Beat Kronenberg (CEO FC St.Gallen Event AG), Karl Müller und Claudio Minder (CEOs Kybun Joya Retail AG) auf eine Zusammenarbeit zurück, die weit über klassisches Sponsoring hinausgeht, und sprechen über gemeinsame Werte, Führung und die aktuelle Entwicklung der Partnerschaft.

Zehn Jahre Kybun und der FCSG: Wenn Sie heute auf diese Partnerschaft zurückblicken,was geht Ihnen spontan durch den Kopf?
Beat Kronenberg: Ich denke an eine sehr verlässliche Partnerschaft. Ich erlebe Kybun als offenen, professionellen und engagierten Partner. Der konstante Support für den FC St.Gallen 1879, die spürbare Leidenschaft für den Club und die hohe Kreativität in der Zusammenarbeit prägen die Partnerschaft bis heute. Das trägt dazu bei, dass wir Projekte unkompliziert, zielgerichtet und auf Augenhöhe umsetzen können.

Karl Müller: Bei mir überwiegen Dankbarkeit und Stolz. Diese Partnerschaft ging von Anfang an weit über klassische Sichtbarkeit hinaus. Sie war geprägt von gegenseitigem Vertrauen, gemeinsamen Werten und dem klaren Willen, langfristig etwas aufzubauen, auch in Phasen, die nicht einfach waren. Als wir 2016 das Naming Right übernommen haben, stand es sportlich und wirtschaftlich nicht besonders gut um den Club. Umso eindrücklicher ist die Entwicklung, die seither möglich wurde und die unsere Überzeugung bestätigt, langfristig und partnerschaftlich zu denken.

Gab es in diesen zehn Jahren einen Moment, der für Sie sinnbildlich für diese Verbindung steht?
KM: Der Cupfinal 2022! Wir waren mit dem gesamten Kybun-Joya-Team im Stadion und haben intensiv mitgefiebert. Auch wenn es am Schluss nicht zum Cupsieg gereicht hat, war der Stolz auf die Mannschaft und den Club sehr gross. Gleichzeitig war da natürlich auch eine gewisse Enttäuschung. Genau diese Mischung aus Emotion, Verbundenheit und Mitgefühl steht für mich exemplarisch für diese Partnerschaft.

«Die Partnerschaft war von echter Überzeugung getragen.»

Was hat diese Partnerschaft aus Sicht des Clubs über die Jahre geprägt?
BK: Uns verbindet die Leidenschaft für den Sport, für die Region und für unser tägliches Handeln. Diese gemeinsame Haltung hat die Zusammenarbeit geprägt und über Jahre hinweg verlässlich gemacht. Sie hat dem FC St.Gallen 1879 geholfen, Projekte mit Überzeugung und Kontinuität zu verfolgen. Persönlich besonders in Erinnerung geblieben ist mir der gemeinsam lancierte Schuh - ein Projekt, das zeigt, wie viel Wirkung entsteht, wenn man gemeinsam Neues wagt. 

Das Stadion-Namenssponsoring läuft per Ende Juni 2026 aus, die Beziehung besteht weiter. Wie würden Sie die Partnerschaft heute beschreiben?
BK: Die Basis der Partnerschaft ist stark. Auf beiden Seiten besteht Interesse an einer weiterführenden Zusammenarbeit, und der gegenseitige Mehrwert ist spürbar. Entsprechend stehen wir in einem laufenden Austausch und beschäftigen uns gemeinsam mit der Frage, wie sich diese Partnerschaft sinnvoll weiterentwickeln kann. Ich bin überzeugt, dass sie auch künftig Raum für spannende Ansätze bietet.

Claudio Minder: Die Partnerschaft ist heute reifer, professioneller und weniger volatil als noch vor einigen Jahren, ohne dabei an Verbindlichkeit verloren zu haben. Das Sponsoring des Clubs ist breiter abgestützt und lastet nicht mehr auf einzelnen Partnern. Das stärkt den Verein strukturell und ermöglicht auch ein souveräneres Auftreten nach aussen.

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Was hat sich mit dem Ende des Namenssponsorings verändert?
BK: Das Naming Right läuft Ende Juni 2026 aus, entsprechend ist die Partnerschaft aktuell unverändert aktiv. Für uns steht im Vordergrund, die verbleibende Zeit zu nutzen, um diese Zusammenarbeit nochmals sichtbar zu machen und Danke zu sagen für viele gemeinsame Jahre, die den Club geprägt haben.

Warum war für Sie klar, dass diese Partnerschaft nicht einfach mit einem Vertragsende aufhört?
KM: Weil sie über Jahre hinweg gewachsen ist und von gegenseitigem Vertrauen getragen wird. Wir prüfen derzeit, in welcher Form unser Engagement weitergeführt werden kann. Klar ist für uns, dass wir kein klassisches 08/15-Sponsoring fortsetzen wollen. Unser Anspruch ist es, eine kreative und glaubwürdige Lösung zu finden, mit der wir unsere Marke spürbar vermitteln und gleichzeitig einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.

«Spitzenleistung entsteht durch Kontinuität, nicht durch Zufall.»

Welche gemeinsamen Werte verbinden Kybun und den FCSG auch über den Fussball hinaus?
BK: Uns verbindet die Leidenschaft für das, was wir tun, für die Region, den Sport und die Menschen, die sich täglich für den FC St.Gallen 1879 engagieren. Offenheit, Vertrauen und Verlässlichkeit prägen die Zusammenarbeit seit Jahren. Diese Werte geben der Partnerschaft Stabilität und bilden auch über den Fussball hinaus eine sichere Grundlage für den gemeinsamen Weg.

KM: Bodenständigkeit, Leistungsbereitschaft, Entwicklung und regionale Verantwortung stehen im Zentrum. Beide Organisationen sind tief in der Ostschweiz verwurzelt und denken langfristig. Diese Haltung prägt auch heute unsere Zusammenarbeit und schafft Stabilität und Vertrauen.

Wo zeigt sich diese Werteverbindung konkret im unternehmerischen Alltag von Kybun?
CM: In der Konsequenz, mit der wir unseren Weg verfolgen, und im Umgang mit Rückschlägen. Wie im Sport geht es auch im Unternehmen darum, sich kontinuierlich zu verbessern, nicht nur im Resultat, sondern im Prozess. Gleichzeitig wollen wir die Schuhproduktion in der Ostschweiz stärken und dennoch international erfolgreich agieren. Diese Kombination ist anspruchsvoll, aber zentral für unsere Identität.

Gesundheit und Bewegung sind zentrale Themen bei Kybun. Wie gut lassen sich diese Werte mit dem Leistungsdruck im Profisport vereinbaren?
KM: Sehr gut, wenn man Leistung ganzheitlich versteht. Nachhaltige Leistungsfähigkeit basiert auf Gesundheit, Regeneration und Performance. Kurzfristiger Erfolg auf Kosten der Gesundheit ist weder im Sport noch im Unternehmertum tragfähig. Unsere Produkte kommen unter anderem in der Rehabilitation verletzter Spieler zum Einsatz und leisten dort einen konkreten Beitrag.

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«Regionale Verankerung ist für uns ein Differenzierungsfaktor.»

Wo sehen Sie Parallelen zwischen sportlicher Leistungsfähigkeit und unternehmerischer Performance?
CM: In Kontinuität und Ausdauer. Spitzenleistung entsteht nicht zufällig, sondern durch konsequente Arbeit, Disziplin und die Fähigkeit, mit Druck umzugehen. Entscheidend ist dabei immer die Teamleistung. Es braucht nicht nur diejenigen, die im Vordergrund stehen, sondern auch viele, die im Hintergrund ihren Beitrag leisten und so den Erfolg mittragen.

Zum Schluss: Wenn Sie Unternehmertum in einem Satz beschreiben müssten, wie würde dieser lauten?
BK: Unternehmertum bedeutet für mich, Chancen zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und langfristig Wert zu schaffen.

KM: Und für mich, Verantwortung zu tragen für Entscheidungen, für Menschen und für die Region und mit Leidenschaft und Ausdauer auch dann dranzubleiben, wenn der Weg anspruchsvoll ist.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Rebekka Grossglauser

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