Trophäen für Innovation und Exzellenz
Die Ostschweizer Wirtschaftsagenda besteht aus vielen liebgewonnenen Anlässen. Gerade im Frühling stehen häufig feierliche Verleihungen von Auszeichnungen und Preisen auf dem Programm. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: An jedem Event lernt man neben den gefeierten Siegern einige weitere Unternehmen kennen, die ohne Weiteres auch als Erstplatzierte hätten gewürdigt werden können.
So unterschiedlich die Motivation der Ausrichter der verschiedenen Preise sein mag, einen grossen gemeinsamen Nenner gibt es: Ein unverzichtbares Kriterium für jede Jury ist Innovation. Doch schon in der Auslegung, was Innovation denn ist, zeigen sich markante Unterschiede. Werden bei Preisen wie etwa dem Startfeld Diamant Start-ups und damit fast per se neue Technologien gewürdigt, will beispielsweise der Verband Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) mit dem in diesen Tagen erstmals verliehenen Prix WISG bewusst bestehende, oft traditionsreiche KMU ins Rampenlicht rücken, die ebenfalls erfolgreich Innovation betreiben – bloss weniger laut, wie die Initianten meinen.
Ein unverzichtbares Kriterium für jede Jury ist Innovation.
Schwer messbare Kriterien
Landesweit würdigt der Swiss Venture Club (SVC) herausragende Klein- und Mittelunternehmen, die durch ihre Produkte und Innovationen, ihre Firmenkultur, die Qualität der Mitarbeiter und des Managements sowie durch einen nachhaltigen Erfolgsausweis überzeugen. Alles Kriterien, die oft nicht eindeutig messbar sind. Die SVC-Jury wie auch jede andere Jury ist deshalb durchwegs mit bestandenen Wirtschaftsprofis besetzt und betreibt viel Aufwand, um sich einen möglichst vertieften Eindruck der potenziellen Preisträger zu erarbeiten.
Meistens werden beim Prix SVC gut etablierte KMU mit nachhaltiger Geschäftsentwicklung als Finalisten ausgewählt, und zwar in neun Regionen der Schweiz. Graubünden gehört in dieser Sortierung zur Ostschweiz, sodass bei der Verleihung des Prix SVC Ostschweiz im Olma-Areal beim Netzwerken mehr Dialektvarianten als üblich zu vernehmen sind.
Networking ist denn auch bei all diesen Anlässen ein zentrales Element. Die Preisverleihungen bringen stets viele wichtige Köpfe einer bestimmten Bubble zusammen. Gut möglich, dass da bei einem Bier erste neue Ideen gesponnen werden, die einige Jahre später als clevere Geschäftsidee oder sinnstiftende Innovation ausgezeichnet werden.
Preis bringt Aufmerksamkeit
Landesweite Auszeichnungen wie etwa Entrepreneur of the Year des Beratungskonzerns EY (Ernst & Young AG) zeichnen sich auch dadurch aus, dass die Sieger als Teil des Preises neue Zugänge zu wertvollen Netzwerken erhalten. Darüber hinaus bringt ein solcher Preis schlicht sehr viel Aufmerksamkeit mit sich.
Bei Start-ups kann dies dazu führen, dass mögliche Investoren ein junges Unternehmen überhaupt erst auf dem Radar haben. Ob es dann zu einem Investment kommt, entscheiden aber nicht die polierten Trophäen auf dem Ikea-Sideboard der Gründer, sondern ein überzeugendes Team und ein überzeugendes Geschäftsmodell.
Auch bei arrivierten, oft hochspezialisierten Unternehmen schlägt sich eine glanzvolle Auszeichnung kaum je direkt in den Büchern nieder. Kunden in Asien oder Amerika erfahren davon höchstens beiläufig. Für sie zählt einzig der konkrete Nutzen eines Produkts.
In Zeiten des Fachkräftemangels zählt aber auch, dass ein Preis von potenziellen künftigen Mitarbeitern wahrgenommen wird und der Eindruck nicht mehr der einer langweiligen Traditionsbude, sondern der eines dynamischen Hightech-Unternehmens ist. Eine Auszeichnung ist deshalb stets auch bestes Employer-Branding.
Text: Philipp Landmark
Bild: 123rf.com