Erneuerungskraft von KMU sichtbar machen
«Uns ging es nicht darum, noch einen Start-up-Preis zu schaffen. Die gibt es bereits», sagt Nayla Stössel, Co-Präsidentin von Wirtschaft Region St.Gallen (WISG). Aus Sicht des Verbands, der sich die Entwicklung des Wirtschaftszentrums St.Gallen zum Ziel gesetzt hat, fehlte eine Plattform, die Innovation als Haltung versteht: Weiterdenken, Verantwortung übernehmen, Bestehendes transformieren – unabhängig von Branche oder Unternehmensalter. Solche Innovation werde in der Ostschweiz jeden Tag vorangetrieben – «oft leise, oft in bestehenden KMU, oft in Familienunternehmen mit jahrzehntelanger Tradition. Genau diese unternehmerische Erneuerungskraft wollten wir sichtbarer machen.»
«Diese unternehmerische Erneuerungskraft wollten wir sichtbarer machen.»
Beitrag zur Entwicklung der Region
Weil gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten Innovationskraft kein «Nice to have», sondern die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit und Standortstärke sei, soll der Prix WISG diese Kultur stärken und Vorbilder sichtbar machen. Ausgezeichnet werden Unternehmen aus der Region St.Gallen, die einen aussergewöhnlichen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Region leisten – etwa durch Innovationen bei Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen. Die Jury, bestehend aus dem WISG-Vorstand, orientiert sich dabei an Kriterien wie Innovation, Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, nachhaltigem Beitrag zur Region und Vorbildwirkung.
Kontinuierliche Verbesserung
«Die Ostschweiz lebt von ihren KMU. Viele von ihnen sind hochinnovativ – aber nicht laut», hält Nayla Stössel fest. Mit dem Prix WISG gibt der Verband nun genau solchen Unternehmen eine Bühne. «Wir wollen Mut machen, unternehmerische Exzellenz anerkennen und zeigen, dass Innovation nicht nur digital oder disruptiv sein muss, sondern oft aus kontinuierlicher Verbesserung entsteht.»
An der Generalversammlung der WISG vor wenigen Tagen wurde im Sitter Valley der Prix WISG zum ersten Mal vergeben: Ausgezeichnet wurde die Meteomatics AG, Anbieterin hochpräziser Wetterdaten. Damit wurde nicht unbedingt ein unbekanntes KMU, sondern ein Unternehmen gewählt, das durchaus schon öffentliche Aufmerksamkeit geniesst. Doch das spektakuläre einstige St.Galler Start-up hat sich eben auch längst zu einem etablierten Unternehmen entwickelt, wie WISG-Co-Präsident Alexander Morant festhielt. Mit der Auszeichnung von Meteomatics will die WISG «Innovationskraft sichtbar machen.»
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Meteomatics-Gründer Martin Fengler wies darauf hin, dass für sein Unternehmen gerade «dunkle Wolken» am Horizont aufziehen, denn die Dienstleistungen und Produkte seines Unternehmens könnten als Dual-Use-Güter unter dem Kriegsmaterialgesetz gelten. Meteomatics erwirtschaftet 95 Prozent seines Umsatzes im Ausland, einen guten Anteil davon in den USA. Die Freude über die Auszeichnung liess er sich dennoch nicht trüben, Martin Fengler dankte der Stadt und dem Kanton St.Gallen für die bisherige Unterstützung und gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco in der Frage der Ausfuhrgenehmigungen seine unternehmensfreundliche Linie beibehält.
Der Prix WISG soll künftig jährlich vergeben werden, alle WISG-Mitglieder können Vorschläge einreichen.
Text: Philipp Landmark
Bild: Gian Kaufmann