Wachstum beginnt mit Verantwortung
Text: stz.
Als Daniele Schiro und Florian Mäder 2016 zur damaligen IFP Versicherungstreuhand AG stiessen, schien die Aufgabe klar: Die Nachfolge sollte langfristig geregelt werden. Beide wollten Verantwortung übernehmen und die Zukunft des Unternehmens mitprägen. Rund 15 Mitarbeiter zählte der St.Galler Versicherungsbroker damals. Die bisherigen Eigentümer hatten ein etabliertes Unternehmen mit langjährigen Kundenbeziehungen aufgebaut; mit der frühzeitig angestossenen Nachfolge schufen sie die Grundlage für die nächste Entwicklungsphase. «Das Ziel war gesetzt, doch der Weg dorthin liess sich nicht einfach auf einem Organigramm abbilden», erinnert sich Florian Mäder.
«Eine Nachfolge braucht Zeit, Vertrauen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.»
Mehr als Zahlen und Rollen
Denn eine Nachfolge erschöpft sich nicht darin, Funktionen oder Aktienpakete zu übertragen. Sie betrifft Menschen, gewachsene Beziehungen, die Kultur, die Organisation und das Vertrauen der Kunden. Wer übernimmt welche Rolle? Was soll bewahrt werden, was muss sich verändern? Und wie gelingt der Übergang, wenn die Vorstellungen der bisherigen und der künftigen Eigentümer nicht in jedem Punkt übereinstimmen?
Schiro und Mäder erkannten früh, dass organisatorische Anpassungen nötig waren. Über deren Reichweite und Tempo bestand nicht von Anfang an Einigkeit, was die erste Phase anspruchsvoll machte. Rückblickend ordnet Mäder diese Erfahrung mit Respekt vor allen Beteiligten ein: «Eine Nachfolge braucht Zeit, Vertrauen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.»
Statt vor den Schwierigkeiten zurückzuweichen, verbanden Schiro und Mäder ihre unterschiedlichen Stärken. Aus zwei Personen innerhalb einer geplanten Nachfolge wurden Mitunternehmer, die Entscheidungen gemeinsam trugen und das Unternehmen aktiv weiterentwickelten.
Erst das Fundament, dann das Wachstum
Schiro initiierte einen Change-Management-Prozess, Mäder unterstützte ihn und half mit, die Veränderungen auf Führungsebene zu verankern. Im Zentrum stand nicht möglichst schnelles Wachstum, sondern die Arbeit am Fundament: Rollen mussten geklärt, Verantwortlichkeiten geregelt, Prozesse aufgebaut und Führungsstrukturen geschaffen werden. «Dazu gehörten auch unliebsame Entscheide», sagt Florian Mäder.
Diese Aufbauarbeit produziert keine schnellen Erfolgsmeldungen. Gerade in einem KMU ist sie dennoch entscheidend. Wenn Zuständigkeiten unklar bleiben oder Abläufe nur in einzelnen Köpfen gespeichert sind, stösst Wachstum rasch an Grenzen. «Wachstum entsteht nicht durch eine Vision allein», sagt Daniele Schiro. «Ein Unternehmen muss diese auch im Alltag leben können und wollen.»
Für Verso bedeutete das auch, die Führungsstruktur weiterzuentwickeln. 2022 erweiterten die beiden Mitinhaber die Geschäftsleitung und setzten mit Marco Keel einen Geschäftsführer ein, der nicht aus der Versicherungsbranche kam. Der Entscheid war ungewöhnlich, aber bewusst getroffen. «Wer wachsen will, muss bereit sein, andere Sichtweisen zuzulassen», sagt Schiro. Versicherungsexpertise war im bestehenden Team bereits breit vorhanden; gesucht war eine zusätzliche Perspektive auf Führung, Organisation, Strategie und Unternehmensentwicklung.
Damit schufen Schiro und Mäder Raum für einen neuen Blick und konnten ihre eigenen Stärken wieder gezielter einbringen: in Kundenbetreuung, Mandatsführung, Geschäftsentwicklung und unternehmerischer Verantwortung.
Aus Veränderung wird eine neue Marke
Die heutige Unternehmensgeschichte von Verso begann 2004 unter dem Namen IFP. Der Wechsel zu Verso im Jahr 2022 war nicht der Beginn der Veränderung, sondern ihr sichtbares Ergebnis. Der neue Name brachte nach aussen zum Ausdruck, was intern über Jahre gewachsen war: klarere Strukturen, eine breitere Führungsbasis, ein geschärftes Selbstverständnis und eine eigenständigere Positionierung.
Als unabhängiger Versicherungsbroker begleitet Verso seine Mandanten über den gesamten Versicherungszyklus. Das Unternehmen analysiert Risiken und bestehende Policen, entwickelt Versicherungsstrategien, holt Angebote ein, prüft Deckungen und Wirtschaftlichkeit und koordiniert die Unterstützung im Schadenfall. Das Angebot reicht von Sach-, Vermögens- und Personenversicherungen bis zur beruflichen und privaten Vorsorge. Florian Mäder beschreibt die Rolle nicht als einseitige Interessenvertretung: Verso wägt die Interessen der Mandanten und der Versicherungsgesellschaften ab, ordnet sie sachgerecht ein und vertritt die jeweiligen Positionen gegenüber der anderen Seite. Ziel sind tragfähige Lösungen für beide Seiten aus der Sicht des Kunden.
Am Hauptsitz in St.Gallen und an acht weiteren Standorten betreut Verso vorwiegend Geschäftskunden, vom Handwerksbetrieb bis zum grösseren Unternehmen. Persönliche Mandatsführung und kurze Entscheidungswege prägen die Zusammenarbeit. «Gerade im Schadenfall müssen unsere Kunden wissen, an wen sie sich wenden können und wer den Prozess verlässlich für sie koordiniert», sagt Daniele Schiro.
Unabhängigkeit verlangt eine Entscheidung
2025 prüften Schiro und Mäder angesichts der Konsolidierung im Brokermarkt eine Übernahme durch einen Grossbroker. Nach sorgfältiger Abwägung entschieden sie sich dagegen: Verso sollte unabhängig, inhabergeführt und in Schweizer Hand bleiben. «Werte zeigen sich nicht in Leitbildern, sondern in Entscheidungen», sagt Florian Mäder. Die gewählte Lösung sichert kurze Wege, persönliche Verantwortung und Empfehlungen ohne Bindung an eine einzelne Versicherungsgesellschaft oder einen übergeordneten Konzern.
«Wer wachsen will, muss bereit sein, andere Sichtweisen zuzulassen.»
Die Entwicklung gehört dem ganzen Team
So sehr die vergangenen zehn Jahre mit den Namen Daniele Schiro und Florian Mäder verbunden sind, so wenig verstehen sie das Erreichte als Geschichte zweier Einzelpersonen. «Die Entwicklung wurde von vielen Mitarbeitern getragen. Ohne ihre Offenheit, ihren Einsatz und ihr Vertrauen wären neue Strukturen Papier geblieben», bilanziert Mäder.
Anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums luden Schiro und Mäder deshalb die gesamte Belegschaft zu einem Abendessen ein. Im Mittelpunkt stand nicht das Menü, sondern die miteinander verbrachte Zeit: Sie war das eigentliche Zeichen der Wertschätzung für jene Menschen, die den langen Weg mitgegangen sind.
Das gemeinsame Essen steht sinnbildlich für ihr Verständnis von Unternehmertum. «Das Jubiläum gehört nicht nur uns», sagt Daniele Schiro. «Es gehört genauso dem Team, das Vertrauen in den gemeinsamen Weg hatte und Verso jeden Tag mitgestaltet.»
Text: Stephan Ziegler
Bild: Rebekka Grossglauser