LEADER-Hauptausgabe

Mit einer Stimme Vorsprung an die Weltspitze

Mit einer Stimme Vorsprung an die Weltspitze
Alexander Ospelt
Lesezeit: 5 Minuten

Alexander Ospelt ist der neue Präsident des Internationalen Ski- und Snowboardverbands. Mit dem LEADER spricht der Liechtensteiner über seinen knappen Wahlsieg, den Umbau der Verbandsführung, die finanzielle Zukunft der FIS und seine Pläne, den internationalen Schneesport langfristig zu stärken.

Alexander Ospelt, Sie wurden mit 65 zu 64 Stimmen gewählt. Wie wollen Sie das Vertrauen jener gewinnen, die Sie nicht gewählt haben?
Wir sind gegen einen amtierenden Präsidenten angetreten, welcher naturgemäss über ein Netzwerk und langjährige Beziehungen zu den Mitgliedsverbänden aufgebaut hatte. Umso mehr hat es mich gefreut, dass nach der Wahl zahlreiche Verbände am Empfang des Liechtensteinischen Skiverbands teilgenommen und mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Entscheidend ist nun aber, mit allen Verbänden im Gespräch zu bleiben, ihre Anliegen ernst zu nehmen und auch das Vertrauen jener zu gewinnen, die mich nicht gewählt haben.

Sie haben angekündigt, Präsident «für alle» sein zu wollen. Welche Prioritäten setzen Sie in den ersten 100 Tagen?
Von den ersten 100 Tagen ist inzwischen beinahe die Hälfte vergangen. Zunächst war es mir wichtig, die Organisation der FIS neu aufzustellen. Im Einklang mit den Statuten haben wir wieder einen Generalsekretär eingesetzt und verzichten auf die bisherige CEO-Struktur. Zusätzlich arbeiten wir intensiv daran, die Corporate Governance und die Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Zudem habe ich die im Wahlprogramm angekündigte NSA-Connector-Plattform initiiert. Sie soll den Mitgliedsverbänden ermöglichen, sich unkompliziert über Trainingsangebote, Ausbildungsmöglichkeiten, Coach-to-Coach-Programme und mögliche Marketingkooperationen auszutauschen. Gleichzeitig führen wir intensive Gespräche mit unseren Partnern, um auch die Einnahmenseite der FIS nachhaltig zu stärken. In diesem Zusammenhang prüfen wir unter anderem, ob Weltmeisterschaften, mit Ausnahme der Olympiajahre, künftig jährlich durchgeführt werden könnten. Dies könnte zusätzliche Einnahmen für die FIS schaffen.

ZbW  

«Wir prüfen, ob Weltmeisterschaften künftig jährlich durchgeführt werden könnten.»

Die FIS war zuletzt von Konflikten geprägt. Wo sehen Sie den grössten Reformbedarf: bei den Strukturen, der Führungskultur oder der Transparenz?
In allen drei Bereichen, denn sie können nicht isoliert betrachtet werden. Wir haben bereits damit begonnen, die Organisationsstrukturen neu zu ordnen. Dadurch schaffen wir die Grundlage für eine neue Führungskultur, klare Verantwortlichkeiten und ein geordnetes Reporting. Ebenso wichtig ist es, diese Entscheidungen transparent zu kommunizieren und nachvollziehbar zu erklären. 

Die finanzielle Situation der FIS war im Wahlkampf ein zentrales Thema. Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf, um den Verband finanziell nachhaltig aufzustellen?
Die bisherigen Sponsoringvereinbarungen sollen zu umfassenderen Partnerschaften weiterentwickelt werden. Die FIS kann ihren Sponsoren deutlich mehr bieten, als dies bislang der Fall war. Das Potenzial der Freestyle-Disziplinen etwa wurde bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Mit unserem breiten Disziplinenmix können wir sehr unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Bereits die ersten Gespräche mit unseren Partnern haben gezeigt, dass wir unsere Einnahmenseite wesentlich verbessern können.

Die FIS vereint grosse Skinationen und kleine Verbände mit ganz unterschiedlichen Interessen. Wie schaffen Sie es, dass sich beide Seiten vertreten fühlen?
Was uns alle verbindet, ist die Begeisterung für den Schneesport. Unabhängig von der Grösse eines Verbands wollen wir den Athleten bestmögliche Bedingungen bieten und unsere Wettkämpfe für sie, für das Publikum und für unsere Partner attraktiv gestalten. Diese gemeinsame Leidenschaft bildet eine starke Grundlage für die Zusammenarbeit innerhalb der FIS.

Prematic  

Sie sind Rechtsanwalt und Unternehmer. Welche Führungsprinzipien aus der Wirtschaft wollen Sie in die FIS einbringen und welche bewusst nicht?
Die FIS ist ein Verband und kein gewöhnliches Wirtschaftsunternehmen. Wir sind unseren Mitgliedsverbänden und letztlich dem Sport verpflichtet. Dennoch muss auch ein internationaler Verband professionell geführt werden. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, verlässliche Abläufe und transparente Entscheidungsprozesse. Good Governance bedeutet für mich, dass Entscheidungen nachvollziehbar begründet und transparent kommuniziert werden. Selbstverständlich werden nicht immer alle mit einem Entscheid einverstanden sein. Umso wichtiger ist es, dass dieser auch für jene nachvollziehbar bleibt, die eine andere Meinung vertreten. Neben wirtschaftlichen Kriterien müssen bei einem Verband stets auch die Interessen des Sports, der Athleten und der Mitgliedsverbände berücksichtigt werden.

Der Wintersport steht vor grossen Herausforderungen, vom Klimawandel bis zum veränderten Medienkonsum. Welche Entwicklung wird die FIS in den kommenden Jahren am stärksten beschäftigen?
Zu den grössten Herausforderungen gehören sicherlich der Klimawandel und das veränderte Medienverhalten. Wir müssen sicherstellen, dass der Schneesport langfristig und nachhaltig ausgeübt und organisiert werden kann. Gleichzeitig müssen wir neue Wege finden, insbesondere jüngere Menschen für unsere Sportarten zu begeistern. Technologien wie künstliche Intelligenz können uns dabei sicher unterstützen. Wichtig ist jedoch, dass sie ein Werkzeug bleiben und nicht die Lösung für alle Herausforderungen sein sollte.

DCONO 2026  KMU-Tag 2026  

«Das Potenzial der Freestyle-Disziplinen etwa wurde noch nicht ausgeschöpft.»

Der alpine Skisport muss wirtschaftlich erfolgreich sein und gleichzeitig seine sportliche Glaubwürdigkeit bewahren. Wo sehen Sie die grösste Gefahr, dass dieses Gleichgewicht verloren geht?
Ich sehe darin grundsätzlich keinen Widerspruch. Langfristiger wirtschaftlicher Erfolg ist nur auf der Grundlage einer integren und glaubwürdigen Wettkampfkultur möglich. Unsere Partner sollen sich ganz mit unserem Sport und unseren Athleten identifizieren können. Dies betrifft alle Disziplinen und die lokalen Athleten genauso wie die Superstars.

Und woran möchten Sie am Ende Ihrer ersten Amtszeit gemessen werden?
Wichtig für mich ist, die FIS finanziell nachhaltig aufzustellen, die Zusammenarbeit mit den Mitgliedsverbänden weiterzuentwickeln und die Athleten noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Unsere Wettkämpfe und Formate sollen für die Aktiven, das Publikum und unsere Partner attraktiv sein. Wenn sich die FIS in diesen Bereichen positiv weiterentwickelt, wäre damit viel erreicht.

Sie kommen aus Liechtenstein, einem kleinen Land mit einer bemerkenswerten Skitradition. Hat dieser Hintergrund Ihren Führungsstil und Ihren Blick auf internationale Verbände geprägt?
Die grosse Skitradition Liechtensteins hat mich sicherlich geprägt und mir viele Türen im internationalen Schneesport geöffnet. Diese Herkunft lehrt einen vielleicht auch, pragmatisch zu handeln, gut zuzuhören und mit begrenzten Mitteln möglichst viel zu erreichen. Liechtenstein geniesst einen sehr guten Ruf bei der FIS und ich möchte dazu beitragen, dass das «Ländle» auch weiterhin als engagierter Partner des internationalen Schneesports wahrgenommen wird.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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