Fokus Golden Ager

Erfahrung ist Gold wert

Erfahrung ist Gold wert
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Sie verfügen über jahrzehntelanges Wissen, ein dichtes Beziehungsnetz und grosse Kaufkraft: Die «Golden Ager» sind für die Schweizer Wirtschaft keine demografische Randgrösse. Als Mitarbeiter, Unternehmer und Konsumenten sichern sie Know-how, lindern den Fachkräftemangel und lassen Märkte wachsen.

Wer Alter vor allem mit Rückzug verbindet, übersieht eine wirtschaftliche Kraft: Unsere Generation 50plus ist so gut ausgebildet, gesund und aktiv wie keine vor ihr. Sie hat Umbrüche und Krisen erlebt, Kundenbeziehungen gepflegt und Wissen erworben, das sich nicht in Handbüchern speichern lässt. Wo Erfahrung, Urteilsvermögen und Verlässlichkeit gefragt sind, ist dieses Wissen ein Wettbewerbsvorteil.

«Wo Erfahrung, Urteilsvermögen und Verlässlichkeit gefragt sind, ist dieses Wissen ein Wettbewerbsvorteil.»

Laufbahnen neu denken

2024 lag die Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik bei 77,8 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren ist sie um 6,1 Prozentpunkte gestiegen. Viele Ältere wollen und können länger arbeiten. Wer sie im Unternehmen hält, flexible Pensen ermöglicht und Wissen an jüngere Kollegen weitergibt, bewahrt Fachkompetenz und stärkt Teams, in denen frische Ideen auf langjährige Praxis treffen.

Ende 2024 lebten in der Schweiz 1,8 Millionen Menschen ab 65 Jahren. Bis 2055 dürften es 2,7 Millionen sein, rund 50 Prozent mehr. Heute kommen auf 100 Erwerbspersonen zwischen 20 und 64 Jahren 38 Menschen im Rentenalter, 2055 werden es voraussichtlich 51 sein. Die Antwort kann nicht lauten, Erfahrung früh aus dem Arbeitsmarkt zu verabschieden. Vielmehr gilt es, Laufbahnen neu zu denken und Übergänge in die Pensionierung flexibler zu gestalten.

Mehr als Lückenfüller

Auch im Rentenalter bleibt das Potenzial sichtbar: 2024 waren 18,8 Prozent der 65- bis 74-Jährigen am Arbeitsmarkt aktiv, 1,4 Prozentpunkte mehr als zehn Jahre zuvor. Dahinter stehen neben finanziellen Motiven oft Freude an der Aufgabe und der Wunsch, Wissen weiterzugeben. Unternehmen können dieses Engagement mit individueller Teilzeit, Jahresarbeitszeit, Projektmandaten oder Mentorenrollen nutzen. Dabei gilt, ältere Angestellte nicht bloss als Lückenfüller zu sehen: Sie können Nachwuchskräfte begleiten, Kundenbeziehungen auf Augenhöhe sichern und in Veränderungsprozessen Orientierung geben. Gerade KMU profitieren, wenn Erfahrungswissen dokumentiert und im Tandem weitergegeben wird. So entsteht ein produktiver Austausch: Die Jüngeren bringen neue Technologien und Perspektiven ein, die Älteren Kontext, Gelassenheit und ein Gespür für Risiken.

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Wachsender Kernmarkt

Ebenso gross ist die Bedeutung der «Generation Erfahrung» als Kundschaft. Ältere Menschen sind keine Randgruppe, sondern ein wachsender Kernmarkt. Laut einer Swiss-Life-Studie geben Haushalte der 65- bis 74-Jährigen nach Steuern, Sozialabgaben und Sparbeträgen nur knapp zehn Prozent weniger aus als jene der 50- bis 61-Jährigen. Zwei Drittel können sich mindestens gleich viel leisten wie vor der Pensionierung. Die Hälfte der pensionierten Steuerpflichtigen verfügt neben dem Renteneinkommen über Vermögenswerte von mehr als 300'000 Franken, oft in Form von Wohneigentum.

Ihre Nachfrage verschiebt Märkte. Gesundheit, Wohnen, Finanzdienstleistungen, Reisen, Mobilität, Ernährung, Kultur und Freizeit profitieren von einer zahlungskräftigen Kundschaft. Deloitte rechnet damit, dass Menschen ab 50 im Jahr 2050 für 61 Rappen jedes in der Schweiz ausgegebenen Konsumfrankens stehen werden. Wer Produkte, Kommunikation und Service weiterhin fast ausschliesslich auf Junge ausrichtet, lässt enormes Potenzial liegen.

«Menschen ab 50 werden 2050 für 61 Rappen jedes Konsumfrankens stehen.»

Erfahrung als Kapital

«Golden Ager» wollen weder auf ihr Geburtsjahr reduziert noch mit Seniorenklischees angesprochen werden. Sie erwarten Qualität, Glaubwürdigkeit und persönliche Relevanz. Wer sie ernst nimmt, gewinnt loyale Kunden und wertvolle Mitarbeiter.

Die Zukunft gehört deshalb nicht Jung oder Alt. Sie gehört Unternehmen, die beides verbinden und Erfahrung als das behandeln, was sie ist: Kapital.

Text: Stephan Ziegler

Bild: KI/Michelle Hadur

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