«Das Alter spielt keine entscheidende Rolle»

«Das Alter spielt keine entscheidende Rolle»
Selina Gemperli
Lesezeit: 2 Minuten

Bei Rekrutierungen sind für Selina Gemperli als Vorgesetzte die fachlichen und persönlichen Qualifikationen sowie die Passung zum Anforderungsprofil entscheidend.

Canon ist ein moderner Arbeitgeber. Über 180’000 Menschen arbeiten weltweit für den japanischen Technologiekonzern. In der Schweiz sind 520 Mitarbeiter am Hauptsitz in Wallisellen und an sieben weiteren Standorten, darunter St.Gallen, im Einsatz. Es gilt eine Flexdesk-Policy: Die Mitarbeiter haben keinen festen Sitzplatz, sondern arbeiten oft im Wechsel an unterschiedlichen Standorten.

Als Sales Manager SME East betreut Selina Gemperli-Wehrmann Firmenkunden in der Ostschweiz, die Canon-Produkte einsetzen. Dafür braucht sie ein kompetentes und schlagkräftiges Team. «Bei der Besetzung von Stellen ist es für mich in erster Linie wichtig, die richtige Person für die Aufgabe und das bestehende Team zu finden», sagt Selina Gemperli und betont: «Das Alter spielt dabei keine entscheidende Rolle.» Je nach Funktion könne die berufliche Erfahrung ein wichtiger Faktor sein. «Doch diese ist nicht ausschliesslich an ein bestimmtes Lebensalter gebunden.»

«Entscheidend sind die Kompetenzen, die Motivation und die Passung zur Rolle, nicht das Geburtsdatum.»

Gehalt muss zur Position passen

Ein höheres Lohnniveau von Bewerbern könne in einzelnen Fällen eine Herausforderung darstellen, insbesondere dann, wenn die Gehaltsvorstellungen der Kandidaten nicht mit dem für die ausgeschriebene Position vorgesehenen Lohnband übereinstimmen. «Dieses Thema ist jedoch keineswegs auf Bewerber ab 55 Jahren beschränkt.»

In einem Rekrutierungsprozess könnten ältere Mitarbeiter vor allem mit wertvoller Erfahrung punkten. «Sie verfügen oft über einen breiten beruflichen Hintergrund, begegnen Herausforderungen mit Gelassenheit und bringen eine gewisse Ruhe ins Team», erklärt Selina Gemperli. «Zudem haben viele eine klare Vorstellung davon, was sie von einer Rolle erwarten, und schätzen Stabilität und langfristige Perspektiven, was für mich als Vorgesetzte sehr wertvoll sein kann.»

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Falsche Klischees

Selina Gemperli kennt die gängigen Vorurteile und Klischees, wonach ältere Arbeitnehmer weniger flexibel, weniger anpassungsfähig oder weniger digital versiert seien. «Meine bisherigen Erfahrungen zeichnen ein anderes Bild», betont sie. Im Arbeitsalltag habe sie ältere Mitarbeiter im Team noch nie als Nachteil erlebt, ganz im Gegenteil. «Viele ältere Kollegen zeigen ein hohes Engagement und eine grosse Bereitschaft, sich einzubringen und weiterzuentwickeln.»

Auch beim Thema Digitalisierung sieht sie keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen den Generationen. «Digitale Kompetenz ist weniger eine Frage des Alters als vielmehr der persönlichen Neugier und Offenheit. Tatsächlich kenne ich mehrere Kollegen über 55, die in digitalen Themenbereichen sogar einen Schritt voraus sind.»

Nennenswerte Nachteile bei der Rekrutierung älterer Mitarbeiter gibt es für Selina Gemperli darum nicht: «Entscheidend sind die Kompetenzen, die Motivation und die Passung zur Rolle, nicht das Geburtsdatum.»

Text: Philipp Landmark

Bild: zVg

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