«Wirtschaftswunder» bringt drei unbequeme Köpfe nach Vaduz
Text: pd/stz.
Wer etwas bewegen will, muss gelegentlich anecken. Die drei Gäste des diesjährigen «Wirtschaftswunders» kennen das aus unterschiedlichen Perspektiven: aus der Verwaltung, aus Literatur und Politik sowie aus der Welt der Investitionen. In Vaduz treffen ihre Erfahrungen auf Fragen, die auch Unternehmer beschäftigen: Welche Regeln helfen weiter? Wo stehen eingespielte Denkmuster dem Fortschritt im Weg? Und welche Risiken lohnt es sich einzugehen?
Palmer nimmt Bürokratie ins Visier
Boris Palmer gehört zu den bekanntesten und umstrittensten Kommunalpolitikern Deutschlands. Seit 2007 führt er die Stadt Tübingen als Oberbürgermeister. 2022 bestätigten ihn die Stimmberechtigten mit 52,4 Prozent im Amt. Nach seinem Austritt bei den Grünen im Mai 2023 ist er parteilos.
Seit dem 1. September 2026 hat Palmer eine zusätzliche Aufgabe: Als unabhängiger Rat für Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung berät er die Landesregierung Baden-Württemberg. Das auf zwei Jahre angelegte Ehrenamt soll Reformbedarf aufzeigen und staatliche Abläufe auf ihre Wirksamkeit und Praxistauglichkeit prüfen.
Beim «Wirtschaftswunder» spricht Palmer über den «Sinn und Unsinn von Regeln». Damit greift der Anlass ein Thema auf, das Unternehmen unmittelbar betrifft: das Verhältnis zwischen notwendigen Vorgaben und einer Bürokratie, die Entscheidungen verzögert.
Berg wechselt Perspektive
Sibylle Berg beobachtet gesellschaftliche Widersprüche mit einem scharfen Blick. Für ihren Roman «GRM. Brainfuck» erhielt sie 2019 den Schweizer Buchpreis, 2020 folgte der Grand Prix Literatur für ihr Gesamtwerk. Ihre Arbeiten wurden inzwischen in 34 Sprachen übersetzt.
Seit 2024 erlebt Berg den Politikbetrieb auch von innen: Für «Die PARTEI» sitzt sie im Europäischen Parlament. In Vaduz steht damit eine Autorin auf der Bühne, die gesellschaftliche Machtverhältnisse literarisch hinterfragt und zugleich selbst parlamentarische Arbeit leistet. Das Gespräch verbindet ihre Rolle als kritische Beobachterin mit den Erfahrungen der politischen Praxis.
Angermayer setzt auf Zukunftsmärkte
Christian Angermayer sucht Geschäftschancen in Bereichen, deren Entwicklung noch offen ist. Der Seriengründer und Investor steht hinter der Apeiron Investment Group, die nach eigenen Angaben rund sieben Milliarden Dollar an eigenem und externem Kapital verwaltet. Zu ihren Schwerpunkten gehören Biotechnologie, Finanztechnologie, Krypto und weitere technologiegetriebene Geschäftsfelder.
Besondere Bekanntheit erlangte Angermayer mit der Gründung von atai Life Sciences und seinem Engagement für die Erforschung psychedelischer Wirkstoffe zur Behandlung psychischer Erkrankungen. Beim Fireside Chat in Vaduz stehen unternehmerisches Risiko, langfristige Visionen und die Frage im Mittelpunkt, wo Europas nächste grosse Chancen liegen.
Unterschiedliche Positionen, gemeinsame Fragen
Palmer, Berg und Angermayer vertreten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Veränderung entsteht. Genau daraus bezieht das diesjährige «Wirtschaftswunder» seinen Reiz: Der Anlass bietet Gelegenheit, vertraute Positionen zu überprüfen und neue Perspektiven für den eigenen unternehmerischen Alltag zu gewinnen.
Das «Wirtschaftswunder 2026»
- Datum: Montag, 2. November 2026
- Beginn: 17.30 Uhr
- Ort: Spoerry-Areal, Vaduz
- Veranstalter: Vaduzer Medienhaus AG
- Tickets: inklusive Flying Dinner
- Informationen und Buchung: wirtschaftswunder.li