St.Gallen legt bei Firmengründungen kräftig zu
Text: stz.
Die Schweizer Gründungsdynamik hält an. Von Januar bis September 2026 wurden landesweit 41’716 neue Firmen ins Handelsregister eingetragen. Das sind 849 beziehungsweise 2.1 Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum des bisherigen Rekordjahres 2025. Dies zeigt die aktuelle Analyse des IFJ Institut für Jungunternehmen, die auf den im Schweizerischen Handelsamtsblatt publizierten Neueintragungen basiert.
Besonders erfreulich fällt die Bilanz für St.Gallen aus. Gegenüber den ersten drei Quartalen 2025 stieg die Zahl der Neugründungen von 2044 auf 2234. Mit einem Plus von 9.3 Prozent liegt der Kanton deutlich über dem Schweizer Durchschnitt und zusammen mit dem Tessin an der Spitze des kantonalen Wachstumsvergleichs.
St.Gallen stärkt die Ostschweizer Bilanz
In der vom IFJ ausgewerteten Grossregion Ostschweiz entstanden insgesamt 4958 neue Firmen. Gegenüber den 4831 Neueintragungen der Vorjahresperiode entspricht dies einem Wachstum von 2.6 Prozent. St.Gallen trägt mit 190 zusätzlichen Gründungen wesentlich zu diesem Ergebnis bei.
Auch Graubünden, Glarus und Appenzell Ausserrhoden legen zu. Graubünden verzeichnet 887 Neugründungen und damit ein Plus von 5.8 Prozent. In Glarus steigt die Zahl um 6.5 Prozent auf 164, in Appenzell Ausserrhoden um 1.9 Prozent auf 216.
Anders präsentiert sich die Entwicklung im Thurgau: Dort sinkt die Zahl der Neueintragungen von 1143 auf 1055, was einem Rückgang von 7.7 Prozent entspricht. Schaffhausen weist mit 315 Gründungen ein Minus von 3.1 Prozent aus. In Appenzell Innerrhoden geht die Zahl von 115 auf 87 zurück. Das entspricht einem Rückgang von 24.3 Prozent. Gerade bei Kantonen mit kleinen absoluten Gründungszahlen können bereits vergleichsweise geringe Veränderungen zu starken prozentualen Ausschlägen führen.
19 Kantone verzeichnen ein Wachstum
Schweizweit liegt die Zahl der Neugründungen in 19 Kantonen über dem Vorjahreswert. Hinter St.Gallen und dem Tessin folgen beim prozentualen Wachstum Uri mit 7.8 Prozent, Jura mit 7.5 Prozent, Wallis mit 7.4 Prozent und Schwyz mit 7.3 Prozent.
Die meisten Firmen entstehen weiterhin im Kanton Zürich. Dort wurden in den ersten neun Monaten 7625 Unternehmen neu eingetragen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies allerdings einem leichten Rückgang von 0.3 Prozent.
Im längerfristigen Vergleich bleibt die Schweizer Gründungsaktivität hoch: Der Durchschnitt der ersten drei Quartale der Jahre 2022 bis 2026 liegt bei 39’434 Neueintragungen. Der aktuelle Wert übertrifft diesen um 5.8 Prozent. Rechnerisch entstehen damit derzeit rund 153 neue Firmen pro Kalendertag.
Beratung führt, IT legt stark zu
Am meisten neue Unternehmen entstehen schweizweit in der Beratung. Mit 4307 Neueintragungen entfällt auf diese Branche rund ein Zehntel aller Gründungen. Dahinter folgen das Handwerk mit 4041 und das Immobilienwesen mit 3683 neuen Firmen. Architektur und Ingenieurwesen kommen auf 3550, der Bereich IT und ICT auf 3508 Neueintragungen.
Besonders dynamisch entwickelt sich die IT- und ICT-Branche: Hier steigt die Zahl der Neugründungen laut IFJ gegenüber der Vorjahresperiode um mehr als 20 Prozent.
Bei den Rechtsformen bleibt die GmbH mit einem Anteil von 41.3 Prozent die häufigste Wahl. Zugleich weist sie mit einem Plus von 5.4 Prozent das stärkste Wachstum unter den ausgewiesenen Hauptrechtsformen auf. Auf Einzelfirmen entfallen 32.1 Prozent der Neueintragungen, auf Aktiengesellschaften 18.3 Prozent. Während die Zahl neu gegründeter AG um 2.1 Prozent zunimmt, gehen die Gründungen von Einzelfirmen um 1.6 Prozent und jene von Kollektivgesellschaften um 5.5 Prozent zurück.
Einstieg erfolgt oft neben Anstellung
Nach Einschätzung des IFJ spiegeln die hohen Gründungszahlen auch Veränderungen im Arbeitsmarkt. Der Handelsregistereintrag bedeutet demnach nicht zwingend den sofortigen Wechsel in eine vollzeitliche Selbständigkeit. Häufig beginnt die unternehmerische Tätigkeit parallel zu einer bestehenden Anstellung.
Simon May, Co-Geschäftsführer des IFJ, beobachtet, dass viele Gründer ihre eigene Firma schrittweise aufbauen. «Das ermöglicht einen flexiblen Einstieg ins unternehmerische Schaffen.»
Wie bedeutend die Selbständigkeit für den Schweizer Arbeitsmarkt ist, verdeutlichen die vom IFJ herangezogenen Zahlen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2025 des Bundesamts für Statistik: Rund 679’000 Menschen beziehungsweise 13.9 Prozent aller Erwerbstätigen sind selbständig erwerbend. Gleichzeitig arbeiten 38.7 Prozent in Teilzeit, und 8.1 Prozent gehen mehr als einer Beschäftigung nach.
Für das Gesamtjahr bleibt das Schlussquartal entscheidend. Setzt sich die bisherige Entwicklung fort, dürfte 2026 erneut zu den gründungsstärksten Jahren der Schweiz zählen. Aus Sicht des IFJ wird dabei wesentlich sein, wie sich die neu gestarteten Unternehmen wirtschaftlich entwickeln. Nicht jede nebenberufliche Gründung müsse zum Haupterwerb werden, um einen wertvollen Beitrag zum Lebensunterhalt zu leisten.