St.Galler Finanzspritze für Westschweizer Startups
15.05.2020

St.Galler Finanzspritze für Westschweizer Startups

Das Venture-Kick-Programm der Venturelab AG aus St.Gallen spricht je 150’000 Franken für neuartige Scantechnologien aus Genf und eine Roboter-Orthese aus Lausanne.

Adiposs und Emovo Care, zwei Unternehmen mit Sitz in Genf bzw. Lausanne, wurden letzte Woche in der Schlussphase des ersten „Life Sciences Special Tracks“ mit je CHF 150'000 ausgezeichnet. Die Jury von Venture Kick unterstützt die beiden Westschweizer Startups in der Entwicklung ihrer Innovationen: neuartige Scan- und Nanotechnologien, die die Überlebensraten von Millionen von Krebspatienten erhöhen sollen, sowie eine Roboter-Orthese, die Menschen unterstützt, die Schwierigkeiten haben, ihre Hände zu benutzen.

Adiposs: Kachexie früher erkennen
Krebskachexie ist ein schwerwiegendes, durch unfreiwilligen Körpergewichtsverlust gekennzeichnetes Syndrom der krankhaften Abmagerung. Sie betrifft mehr als die Hälfte aller Krebspatienten und ist die Todesursache für ein Fünftel aller Krebspatienten. Adiposs, ein Spin-off der Universität Genf, das von Andrej Babic und Justyna Plewka gegründet wurde, entwickelt mit ImageBAT ein bahnbrechendes Kontrastmittel für die Computertomografie (CT), das in der Lage ist, Veränderungen im Körperfett zu erkennen. ImageBAT ist für die Kachexie-Erkennung und -Diagnose von entscheidender Bedeutung: Es wird für die 9 Millionen neuen Krebspatienten pro Jahr – einem ersten Markt, der auf 1,6 Milliarden CHF geschätzt wird – ein weitaus besseres und schnelleres Ergebnis liefern als die heutige Standardbehandlung.

Adiposs verwendete das anfängliche nicht rückzahlbare Darlehen von Venture Kick in Höhe von 10’000 CHF zur Unterstützung von Reisen zu mehr als 60 Treffen mit wichtigen Meinungsführern und Interessenvertretern in Europa und Asien. Diese Treffen waren für die Gründer von entscheidender Bedeutung, um den klinischen Bedarf zu überprüfen und zukünftige Märkte zu identifizieren. Die beiden Mitbegründer Gründer streben an, bis zum vierten Quartal dieses Jahres 1 Million CHF aufzubringen und dann ihr medizinisches Netzwerk miteinzubeziehen, um Anfang 2021 mit klinischen Studien zu beginnen. „Die Erfahrung von Venture Kick mit über 700 finanzierten Startups bedeutet, dass das Kicker’s Camp einfach grossartig ist. Die ‚Kicker’ sehen, wo es einem fehlt und was man braucht“, sagte Babic. „Wenn man während des Camps mit anderen Startups zusammenarbeitet, denkt man auch über sein eigenes Geschäft nach und versteht es besser. Wir wissen das Netzwerk und die Reichweite wirklich zu schätzen“, so Babic.

Emovo Care [ehemals Yago]: helfende Hand
Der Roboterhandschuh von Emovo hilft Menschen mit Schwierigkeiten, ihre Hände zu benutzen – insbesondere in Situationen nach einem Schlaganfall. Basierend auf der Doktorarbeit des Gründers Luca Randazzo im Brain-Machine-Interface-Labor der EPFL, besteht die Kerntechnologie von Emovo Care aus patentgeschützten künstlichen Sehnen. Diese ermöglichen es, ein einzigartiges Gerät zu entwickeln, welches die Hand durch leichte, tragbare und modulare Komponenten aktiv öffnen und schliessen kann. Die Lösung von Emovo, ein motorisiertes Exoskelett, wird für Millionen von unterversorgten Schlaganfallpatienten das erste verknüpfte Gerät für funktionelle Handbewegungen für den Einsatz zu Hause darstellen.

Randazzo hofft, dass die zum Patent angemeldete Technologie die Unabhängigkeit und Autonomie der Anwender im täglichen Leben wiederherstellen wird. Das System wurde durch mehr als 150 Interviews und Tests mit Klinikern und Patienten entwickelt. Emovo wird die Unterstützung von Venture Kick für die Entwicklung seines MVP (Minimum Viable Product) nutzen und den Verkauf vorbereiten. Das Team sammelt derzeit 1 Million CHF, um sein erstes Produkt im Jahr 2021 auf dem Schweizer Markt einzuführen. „Venture Kick war ein echtes Abenteuer!“, sagte Randazzo. „Es hat uns wirklich gezwungen, unsere Komfortzone zu verlassen und unsere Annahmen durch kontinuierliche Interaktionen mit echten Kunden und Interessenvertretern auf dem Markt umzugestalten. Es hat uns von einem Universitätsprojekt in einen potenziellen Business Case verwandelt: extrem empfehlenswert für jedes Unternehmen da draussen.“