SGKB rechnet vorerst mit höheren Langfristzinsen
Text: pd/stz.
Zur Jahresmitte lag der zehnjährige Franken-Swapsatz noch bei 0,53 Prozent. Inzwischen ist der für langfristige Finanzierungen wichtige Richtsatz um rund 15 Basispunkte auf 0,68 Prozent gestiegen. Wer daraus auf eine bevorstehende Straffung der Schweizer Geldpolitik schliesst, greift nach Einschätzung der St.Galler Kantonalbank allerdings zu kurz.
Denn die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen wird nicht allein von der aktuellen und erwarteten Geldpolitik der SNB bestimmt. Auch die internationalen Kapitalmärkte, die Inflationserwartungen und geopolitische Entwicklungen spielen eine wichtige Rolle.
Ausland treibt Zinserwartungen
Während sich die Teuerung in der Schweiz zuletzt weiter abgeschwächt hat, präsentiert sich das Bild im Ausland anders. Die Schweizer Inflationsrate lag im Juli 2026 mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat weiterhin in der unteren Hälfte des SNB-Zielbands von null bis zwei Prozent.
In den USA und der Eurozone haben dagegen insbesondere die gestiegenen Energiepreise den Inflationsdruck erhöht. Die SGKB verweist dabei auf die Folgen des Iran-Kriegs und der Schliessung der Strasse von Hormus. Die Europäische Zentralbank hat bereits mit einer ersten Leitzinserhöhung reagiert. Auch in den USA wird über eine restriktivere Geldpolitik diskutiert. Zusätzlich sorgen Sorgen um die hohe amerikanische Staatsverschuldung für Aufwärtsdruck auf die längerfristigen US-Zinsen.
Diese Entwicklung wirkt auch auf die Schweiz. Zwar orientieren sich die hiesigen Kapitalmarktzinsen in erster Linie an den schweizerischen Inflations- und Zinserwartungen. Wegen der engen Verflechtung der internationalen Finanzmärkte können steigende Renditen im Ausland die Franken-Zinsen jedoch zumindest vorübergehend mit nach oben ziehen.
SNB muss laut SGKB nicht reagieren
Für die SNB sieht die St.Galler Kantonalbank derzeit dennoch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Der vergleichsweise geringe Inflationsdruck in der Schweiz spreche gegen eine baldige Leitzinserhöhung.
Die leicht erhöhten Kapitalmarktzinsen dürften nach Einschätzung der SGKB aber noch einige Monate anhalten. Beim zehnjährigen Franken-Swap erwartet das Investment Center in drei Monaten eine Spanne zwischen 0,55 und 0,75 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Prognose zwischen 0,60 und 0,80 Prozent.
Beim fünfjährigen Swap rechnet die Bank in drei Monaten mit 0,30 bis 0,50 Prozent und in zwölf Monaten mit 0,35 bis 0,55 Prozent. Für den SARON geht sie sowohl auf drei als auch auf zwölf Monate von einer Bandbreite zwischen minus 0,10 und null Prozent aus.