Prachtstück vom Fuss des Säntis
22.11.2019

Prachtstück vom Fuss des Säntis

An einer richtigen Naturschönheit von einem Brunnen können sich die 120 besten Schwinger am 30. August 2020 in Appenzell während des Eidgenössischen Jubiläums-Schwingfestes (EJSF) sammeln und erfrischen: Anfang November wurde am Fuss des Säntis ein 2.7 Tonnen schwerer Fichtenstamm aus unwegsamem Gelände geborgen.

«Ein Jahr lang habe ich nach dem perfekten Baum für den EJSF-Brunnen Ausschau gehalten», sagt Walter Koller. Der 51-Jährige ist nicht nur Revierförster in Appenzell, sondern auch ehemaliger Aktivschwinger und Ehrenmitglied des Schwingklubs Appenzell. Es ist für Koller deshalb Ehrensache, dass er zusammen mit seinem Bruder Sepp, ebenfalls ehemaliger Schwinger, sowie mit Holzfachmann Thomas Fässler und Kunsthandwerker Martin Fuchs für den EJSF-Brunnen verantwortlich zeichnet.

Originelle Astgabelung
Gefragt nach den Kriterien, die ein idealer Brunnen-Baum erfüllen muss, nennt Walter Koller Fichtenholz, weil es in einem gefälligen Farbton regelmässig nachdunkelt. «Zudem sollte der Brustdurchmesser des Stammes idealerweise zwischen fünfzig und sechzig Zentimeter sein.» Dies alleine hätte noch keine einjährige Suchaktion in den Appenzeller Wäldern vorausgesetzt. Koller war es aber wichtig, dass der auserkorene Fichtenstamm eine spezielle Astgabelung hat, aus der sich ein Röhrenstock fertigen lässt. Zwischen Kronberg und Säntis, bei der Alp Gross Berndli, wurde der Förster schliesslich fündig.

Die Holzbau Oberholzer GmbH in Eschenbach stellt dem EJSF-2020-OK als Besitzerin des besagten Waldstückes die prächtige Fichte kostenlos zur Verfügung. Als Dank an die Besitzerin und an die Natur wird Walter Koller in diesem Gebiet im Frühling 2020 50 junge Fichten pflanzen. Zudem sorgen je fünf Ahorne, Douglasien, Weisstannen und Lärchen für mehr Artenvielfalt.

Optimale Mondphase
Wie bei der Auswahl wurde auch beim Fällen des Brunnen-Stammes nichts dem Zufall überlassen: Ende Oktober 2019, während der Mond im optimalen Zeichen stand, wurde besagte Fichte gefällt und ruhte im Steilhang einige Tage vor sich hin. Wegen des plötzlichen Wintereinbruchs musste dann aber bei deren Bergung plötzlich alles sehr schnell gehen: Die Rotex Helicopter AG aus Balzers hat am Morgen des 11. Novembers in drei kostenlosen Flügen den Baum aus dem unwegsamen Gelände geflogen und zur nächsten Waldstrasse transportiert. Von dort gelangte der Fichtenstamm mittels Lastwagen zu einer Zimmerei in Eggerstanden AI, wo er geschält wurde und überwintern wird.

Schräg durch den Ast
Im Frühling steht dann die eigentliche Arbeit am Brunnen an. Aussergewöhnlich wird dabei sein, dass der EJSF-Brunnen nur aus einem einzigen Stück Holz gefertigt wird. «Martin Fuchs, unser Tüftler im Team, hat eigens dafür eine spezielle Bohrvorrichtung entwickelt, mit der wir schräg durch die Astgabelung – dem späteren Röhrenstock – bohren können», so Walter Koller. Der Brunnen wird am Ende 4.2 Meter lang und eine natürliche Schönheit sein: «Wir werden ihn weder mit Schnitzereien verzieren noch mit Farbe oder Lack bearbeiten.»