21.03.2017

Neue Computerkurse für Primarschüler

Noch erhalten Primarschüler kaum Informatikunterricht. Der neue Lehrplan 21 für Primarschulen soll hier Verbesserungen bringen. Um die zeitliche Lücke bis zu seiner Einführung zu schliessen, lanciert der Verein DOdigital Goldach zusammen mit Codillion.org Schmerikon digitale Kurse mit altersgerechtem Programmieren.

Berufswelt und Gesellschaft werden sich durch die Digitalisierung massgeblich verändern. Verständnis für Technik und Grundkenntnisse im Programmieren helfen, diesbezügliche Chancen nutzen zu können und den Umgang mit den Neuen Medien zu verbessern. Die Ostschweiz soll gemäss den beiden Organisationen diesbezüglich eine Vorreiterrolle einnehmen.

Weg vom passiven Medienkonsum
Kinder wachsen heute mit Handys, Tablets und Spielkonsolen auf und gehören zur Generation der "Digital Natives". Aber ist die Art und Weise, wie sie mit den digitalen Medien umgehen, wirklich "native"? Die Kids von heute lernen zwar schnell, die Geräte zu bedienen, jedoch braucht es mehr, um ein sinnvolles Umgehen mit Computern zu verstehen. Ein neues Kursangebot nimmt dies auf und bietet Kindern Gelegenheit, das Informatikverständnis und die Freude an der Technik frühzeitig vor der Berufswahl zu wecken.

Die ersten beiden Kurse werden in den Frühlingsferien in St.Gallen und Rorschach angeboten. In diesen Kursen lernen Kinder, was ein Computer eigentlich ist, was es zum Herstellen von Programmen (programmieren) braucht, wie man ein Spiel entwickelt und wie man die Neuen Medien verantwortungsvoll nutzt.

Kinderleicht eine Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts erwerben
Marloes Caduff gründete Codillion mit dem Ziel, Kindern bereits in der Primarschulstufe einen spielerischen Zugang zur Informatik zu ermöglichen. "Denn wer weiss, wie Computer funktionieren, verfügt über eine Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts." Sie hat im September 2016 mit dieser Idee die 6. Ausgabe des Jungunternehmer-Wettbewerbs „Angels for Ladies“ (www.angelsforladies.ch) gewonnen. Zurecht, denn gemäss dem WEF (World Economic Forum) ist die Entwicklung der "Digitalen Intelligenz" unserer Kinder die Voraussetzung für einen späteren verantwortungsvollen und vernünftigen Umgang mit den Neuen Medien.

Spielerisches, lustvolles Entdecken der digitalen Welt
In den Kursen werden nicht Computer-Freaks und Programmier-Nerds herangezüchtet. "Die Kinder sollen Freude entwickeln am Ausprobieren und Probleme lösen", sagt Caduff. Sie ist Ingenieurin und selbst Mutter zweier Töchter. "Wichtig ist es, den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien beizubringen."

Anstatt wie oft üblich Videos und Spiele lediglich passiv zu konsumieren, schreiben Kinder in den Kursen in einer lockeren Atmosphäre erste Programme, erteilen kleinen Robotern Befehle und entwickeln einfache Spiele. In allen Kursen bleibt viel Raum zum Basteln und für Bewegung. Die Bildschirmzeit ist begrenzt. Die Kursinhalte decken einen Teil des Fachs Informatik und Medienkompetenz des neuen Lehrplans 21 ab und unterstützen somit Kinder in der heute so wichtigen frühkindlichen, digitalen Bildung.

Ein Codillion-Kurs dauert jeweils vier bis fünf Halbtage und findet in einer Kleingruppe mit individueller Betreuung statt. Anmeldungen für die St.Galler Ferienkurse sind direkt auf der Codillion-Homepage möglich: www.codillion.org. In den Sommer- und Herbstferien werden weitere und neue Durchführungsorte in der Ostschweiz dazu kommen.

Ostschweiz soll dank Unterstützung von Stiftungen und Firmen führend sein

2018 soll in der gesamten Ostschweiz Pilotjahr sein und damit diese ohnehin in der IT starke Region zum schweizerischen Vorreiter machen. Marcel Kurz und Beat Ulrich, beide auch Familienväter, möchten im Rahmen ihres Zusatzstudiums in digitaler Transformation an der HTW Chur mit ihrer Initiative DOdigital.ch eine rasche Etablierung des Angebots in der Ostschweiz - zusammen mit Codillion.org - vorantreiben. Bei Erfolg soll das Angebot zukünftig in der ganzen Schweiz verfügbar sein. Dazu laufen erste Gespräche auch mit der nationalen Organisation Digital Switzerland.

Mit Unterstützung von Firmen, Stiftungen und Partnern wird das Angebot auch finanziell möglichst für alle zugänglich gemacht. Zudem trägt der IT-Cluster "IT St.Gallen rockt" das Angebot ideell mit. Die Ostschweiz soll so zum Benchmark werden. "Grundsätzlich geht es jedoch nicht darum, welche Region erste oder zweite ist – auch nicht darum, wer das "perfekte" Angebot zusammenstellt, sondern dass dieses Angebot überhaupt jetzt und zeitnah entsteht und Kinder die Möglichkeit erhalten, sinnvolle digitale Kompetenzen in einem gerechten Umfeld zu erlernen", führt Marloes Caduff aus. "Wirklich bemerkenswert ist jedoch, dass im Raum St.Gallen-Bodensee so schnell und so unkompliziert Aufbauarbeit geleistet werden kann."

Zusatzmodule für Eltern in Prüfung
Die Einsicht, dass Kinder im Zusammenhang mit den Neuen Medien rasch mehr Wissen als ihre Eltern haben, hat sich wohl schon lange durchgesetzt. Auch hier tut sich dementsprechend eine Lücke auf. Codillion.org und DOdigital.ch streben darum zusätzlich Ergänzungsmodule zur Sensibilisierung für die Eltern an.

"Toll wäre natürlich, wenn das Angebot in der gesamten Schweiz multipliziert wird und positive Ausstrahlung erzielt. Vor allem aber, dass viele Kinder Zugang erhalten." Dies meinen die beiden Mitinitianten Marcel Kurz und Beat Ulrich und freuen sich, wenn ihr im Rahmen des Studiums entstandenes Projekt konkrete Wirkung entfaltet.

Weitere Informationen zum Kursangebot auf www.codillion.org.

Zusatzinfo: Der Lehrplan 21
Die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz beauftragte 2014 im Rahmen des "Lehrplans 21" die Schweizer Primarschulen unter anderem mit der Ausweitung des Medien- und Informatikunterrichtes. Bereits ab der 1. Klasse sollen Kinder digitale Bildung, Medienkompetenz und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Neuen Medien erlernen. Der Lehrplan 21 wurde den Kantonen zur Abstimmung vorgelegt und bis anhin von 92 % der Kantone angenommen. Die stufenweise Einführung ist ab 2018 geplant.