Handelskammern fordern gemeinsame Verkehrsstrategie OST
29.08.2019

Handelskammern fordern gemeinsame Verkehrsstrategie OST

Die Ostschweiz ist in den letzten 20 Jahren bei den Investitionen in das Nationalstrassennetz auf dem letzten Platz gelandet. Auch in naher Zukunft zeichnet sich für die Region keine deutliche Steigerung gegenüber dem Rest der Schweiz ab. Diese Ausgangslage veranlasste die beiden Industrie- und Handelskammern Thurgau und St.Gallen-Appenzell dazu, das Mobilitätsthema zum Schwerpunkt der diesjährigen EcoOst Arena zu machen. Die gemeinsame Politdiskussion fand bereits zum 3. Mal statt.

Der Event startete mit einem Input von Patrik Soltic, Leiter Antriebstechnologien der Empa, zu Antriebsformen der Zukunft. Deutlich wurde dabei, dass für eine emissionsfreie, strombasierte Fortbewegung noch einige Hindernisse überwunden werden müssen. In der Transportlogistik sieht Markus Egger, Geschäftsleitungsmitglied Emil Egger AG, viele Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei stehen vor allem die Reduktion der Lärmemissionen und eine effiziente Verteilung der Güter im Fokus. Einen Lösungsansatz für diese Problematik lieferte Dominik Hasler, Geschäftsführer Hasler Transporte, in der von Sabine Bianchi moderierten Arena-Diskussion. Die Lockerung des Nachtfahrverbotes für den Gütertransport auf gewissen Strecken könnte zu einer Entlastung der Hauptverkehrsachsen führen. Deutlich wurde bei allen Voten, dass ein Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik für die Lösungsfindung eminent ist.

Kapazitätsengpässe bewältigen
Eine Entlastung der Spitzen steht auf Strasse und Schiene gleichermassen im Fokus. So befördern die SBB gemäss Daria Martinoni, Regionenleiterin Personenverkehr Ost bei den SBB, rund die Hälfte der Bahnreisenden in rund fünf Stunden pro Tag. Gerade deshalb sei ein modernes Gesamtmobilitätskonzept so zentral, führte Claudia Bossert, Geschäftsführerin THURBO, in der Arena-Diskussion aus. Dabei hinke man der Digitalisierung und den künftigen Herausforderungen immer hinterher. Eine lösungsorientierte Zusammenarbeit über alle Verkehrsträger hinweg sei deswegen unabdingbar.

Automatisierte Fortbewegung
Einigkeit herrschte unter den Referenten bei der Digitalisierung in der Mobilität – sowohl auf Strasse wie auch auf der Schiene ist die autonome Fahrweise auf dem Vormarsch. Bei der Bahn bieten sich ausgewählte Streckenabschnitte für erste Automatisierungen an, wie Thomas Ahlburg, Group CEO der Stadler Rail AG, ausführte. Bei der Strasse hingegen könnte eine Vermischung von autonomen und personengesteuerten Fahrzeugen zu kurzzeitigen Kapazitätseinbussen führen, erklärt Marcel John, Kantonsingenieur St. Gallen.

Gemeinsame Strategie in der Ostschweiz
Die Regierungsräte Walter Schönholzer (Thurgau), Dölf Biasotto (Appenzell Ausserrhoden), Bruno Damann (St. Gallen) und Ruedi Ulmann (Appenzell Innerrhoden) betonten von politischer Seite her die Wichtigkeit einer gemeinsamen Vorgehensweise bei der Zukunft der Mobilität. In ihren Schlussvoten spiegelte sich jedoch vorwiegend die Nähe zum eigenen Kanton wider.

Die IHK St.Gallen-Appenzell und die IHK Thurgau stellen deshalb die Forderung nach einer gemeinsamen Verkehrsstrategie der Kernregion Ostschweiz, welche alle Verkehrsträger adäquat berücksichtigt. Dabei soll ein temporärer «Verkehrsrat OST», zusammengesetzt aus den Volkswirtschafts- und Baudirektoren der vier Kantone, das einheitliche Auftreten auf Bundesebene unterstützen und für mehr Durchsetzungskraft sorgen.