Fischer erklärt sich nach Covid-Affäre
Text: stz.
Der Schweizer Eishockeyverband hatte Fischer im April 2026 freigestellt, nachdem bekannt geworden war, dass der damalige Nationaltrainer für die Olympischen Spiele 2022 in Peking ein gefälschtes Covid-Zertifikat verwendet hatte. Fischer räumt im Interview ein, dass er sich damals entschieden habe, «mir ein Zertifikat zu kaufen». Aus Sicht als Nationaltrainer sei dieser Entscheid falsch gewesen. «Damals als Nationalcoach hätte ich nicht mit gefälschtem Zertifikat einreisen dürfen», sagt Fischer.
Auslöser sei seine ablehnende Haltung gegenüber der Covid-Impfung gewesen. Fischer erklärt, er habe stark auf sein Bauchgefühl gehört und für sich entschieden, sich nicht impfen zu lassen. Gleichzeitig sei ihm bewusst gewesen, dass er als Nationaltrainer vor den Olympischen Spielen in Peking in eine schwierige Situation geraten werde.
Besonders ausführlich spricht Fischer über den Druck des Verbands. Dieser habe ihm im Herbst 2021 einen Vertrag vorgelegt, in dem festgelegt worden sei, an welchen Einsätzen er teilnehmen müsse. Dazu hätten unter anderem die U20-WM in Peking und die WM 2022 in Helsinki gehört. Falls er dort gefehlt hätte, seien Sanktionen von über 500’000 Franken vorgesehen gewesen. Fischer sagt, dieser Vertrag habe zusätzlichen Druck erzeugt. Rückblickend wäre es aus seiner Sicht der bessere Entscheid gewesen, den Vertrag nicht zu unterschreiben und die Konsequenzen zu tragen.
Das gesundheitliche Risiko während der Olympischen Spiele habe er damals als begrenzt eingeschätzt. Fischer verweist im Interview auf das Covid-Protokoll: Vor der Abreise, bei der Einreise und im Olympischen Dorf sei täglich getestet worden. Positive Fälle seien sofort isoliert worden. Deshalb habe er sich nicht als grösseres Risiko für die Mannschaft gesehen.
Ein zentraler Teil des Gesprächs betrifft die Rolle des SRF
Fischer schildert, weshalb er einem SRF-Journalisten beim Mittagessen von dem Zertifikat erzählt habe. Er habe das Gespräch als privat und vertraulich verstanden. Nach zehn Jahren enger Zusammenarbeit mit dem SRF habe er ein grosses Vertrauensverhältnis gehabt. Die Gespräche während des Mittagessens seien ohne Kamera geführt worden.
Fischer sagt, sein Medienchef habe deutlich gemacht, dass das Gespräch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Dies sei vom SRF-Journalisten bestätigt worden. Als Beleg verweist Fischer auf eine E-Mail des Journalisten an den Medienchef des Schweizer Eishockeyverbands. Darin sei ausdrücklich von einem «Off-the-Record-Gespräch» am Mittagstisch die Rede gewesen. «Mir ist die Bedeutung einer Off-the-Record-Vereinbarung sehr bewusst und ich nehme dies ernst», zitiert Fischer aus dieser E-Mail.
Umso mehr irritiert ihn die spätere Darstellung des SRF, wonach es kein Off-the-Record-Gespräch gegeben habe. Fischer sagt im Interview, das stimme so nicht. Auf die Frage, ob damit eine Vereinbarung gebrochen worden sei, antwortet er: «Ja, definitiv.»
Den Tag, an dem die Sache wieder aktuell wurde, beschreibt Fischer als Chaos-Tag. Er sei mit seinen Kindern beschäftigt gewesen, mit seinem Vater unterwegs, zudem seien Gäste zu Hause gewesen. Er habe «zwischen den Stühlen» gesessen. Im Rückblick sagt Fischer, er und sein Umfeld hätten überreagiert und zu stark proaktiv kommunizieren wollen. Dadurch sei er als Lügner dagestanden. «Ich habe da definitiv falsch reagiert», sagt Fischer.
Über den Verband äussert sich Fischer differenziert. Er habe gewusst, dass SIHF-Präsident Urs Kessler ihn unterstützen wollte. Dann seien aber andere Dynamiken entstanden. Es sei Druck von Sponsoren thematisiert worden, später habe man gehört, dass dies nicht so gewesen sei. Insgesamt überwiege bei ihm gegenüber dem Schweizer Hockeyverband dennoch die Dankbarkeit. Er habe als Spieler und Trainer viele schöne Momente erlebt und die Nationalmannschaft immer geliebt.
Sportlich blickt Fischer auf eine aussergewöhnliche Ära zurück. Die Schweizer Nationalmannschaft erreichte unter seiner Führung drei WM-Finals in Folge und stand zeitweise auf Platz eins der Weltrangliste. Fischer sagt, das sei nicht zufällig passiert. Dahinter steckten harte Arbeit, Vertrauen und eine aussergewöhnliche Mannschaft.
Besonders bewegt zeigt er sich von der Unterstützung durch Familie, Freunde, Fans und Menschen aus der internationalen Hockey-Welt. Die Solidarität habe ihm und seiner Familie gutgetan. Gleichzeitig sagt Fischer, das Härteste an der Freistellung sei gewesen, die Mannschaft, die Spieler und den Staff verlassen zu müssen.
Für die Zukunft will Fischer die Erfahrungen aus Spitzensport, Führung, Kommunikation und Mentaltraining weitergeben. Dazu passt auch sein nächster öffentlicher Auftritt: Am 30. Juni 2026 ist Patrick Fischer am Liechtensteiner Unternehmertag in der Spoerry-Halle in Vaduz zu Gast. Dort spricht er unter dem Titel «Resilienz im Sturm» über Leadership, Widerstandskraft und den Umgang mit schwierigen Situationen.
Produziert wurde das Interview von Riccardo und Dayana Signorell von der Signorell GmbH. Sie arbeiten seit sechs Jahren am Dokumentarfilm «Spirit of Hockey» mit Roman Josi, Nico Hischier, Nino Niederreiter, Patrick Fischer, Mark Streit und Timo Meier. Der Film soll ab Oktober in die Schweizer Kinos kommen.
