Arbonia wächst weniger stark als erhofft
21.01.2020

Arbonia wächst weniger stark als erhofft

Die Arbonia mit Hauptsitz in Arbon ist 2019 zwar gewachsen, aber weniger stark als prognostiziert. Grund war ein Umsatzrückgang bei der Division Fenster sowie der Fachkräftemangel: Gewisse Aufträge wurden dadurch nicht realisiert oder ins nächste Jahr verschoben. 

Die Arbonia erzielte laut einer Mitteilung im Jahr 2019 einen im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent höheren Nettoumsatz von 1416 Millionen Franken. Währungs- und akquisitionsbereinigt stieg der Umsatz im Gesamtjahr 2019 um zwei Prozent und lag damit unter den Erwartungen.

In dem für die Arbonia wichtigsten Markt Deutschland legte der Wohnungsbau um 3,5 Prozent gegenüber Vorjahr zu, obwohl das Umfeld weiterhin durch den Mangel an Fachkräften gehemmt und der grosse Bedarf an Wohnungsbau (Neubau und Renovation) noch nicht gedeckt ist, schreibt Arbonia.

Positiv auf die Arbonia auswirken dürfte sich das Ende des Jahres durch die deutsche Bundesregierung initiierte Gesetzespaket zum Klimaschutz, welches erheblichen Einfluss auf den Neubau und Renovationen in Deutschland haben wird, so Arbonia. «Es ist davon auszugehen, dass dadurch der Trend zur verstärkten Isolation und Wärmedämmung, Wohnraumlüftungen und effizienten Heizsystemen auch im Renovationsbereich zunehmen wird», so Arbonia weiter.

In dem heimischen Baumarkt Schweiz führte die unsichere Konjunkturlage laut Arbonia auch bereits zu einer Abschwächung der Bautätigkeit, die allerdings regional ausgeprägt ist. In den Städten sind Wohnungen weiter stark nachgefragt, während der übrige Hochbau durch einige wenige Grossprojekte (wie bspw. «The Circle») weiter wächst. Auf die gesamte Schweiz gesehen ist das Umsatzwachstum im Wohnungsbau aufgrund relativ hoher Leerstandsquoten in peripheren Lagen rückläufig (−2,5 Prozent), dieser bleibt wegen der niedrigen Zinsen aber weiter attraktiv. Der Leerstand hemmt auch den Renovationsmarkt für Wohnungen, der ebenfalls rückläufig ist (−0,9 Prozent), so Arbonia.

In Osteuropa entwickelten sich die Märkte unterschiedlich, schreibt Arbonia weiter: Polen sei weiterhin das Land mit dem höchsten erwarteten Wirtschaftswachstum in Europa und weise deshalb auch eine dynamisch-wachsende Bauwirtschaft aus, die inzwischen aber auch von einem Mangel an Fachkräften, steigenden Personalkosten und Immobilienpreisen gebremst werde. In der Slowakei konnte im Jahr 2019 der Wohnungsbau signifikant wachsen, ebenso in Tschechien. 

Umsatzentwicklung in den Divisionen
Die Division HLK erzielte im Berichtsjahr einen Umsatz von 554,7 Millionen Franken, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 9,7 Prozent entspricht, teilt Arbonia mit. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte steigerte sie ihren Umsatz trotz einer sich regional unterschiedlich entwickelnden Wirtschaft um 2,5 Prozent. Die Division ist in Europa organisch über drei Prozent gewachsen, insbesondere die Wachstumsprodukte Fussbodenheizung, Wärmepumpe und Wohnraumlüftung trugen massgeblich dazu bei.

Die mangelnde Verfügbarkeit von Fachkräften im Handwerk bremste ein mögliches, noch stärkeres Wachstum sowohl im Neubau als auch insbesondere in der Renovation. Darüber hinaus sorgten einerseits wirtschaftliche Unsicherheiten durch internationale Handelsstreitigkeiten sowie andererseits länderbezogen politische Faktoren für eine erkennbare Zurückhaltung im Bereich gewerblicher und industrieller Investitionen, schreibt Arbonia weiter.

Die Division Sanitär erzielte gemäss Arbonia im Berichtsjahr einen Umsatz von CHF 143,8 Millionen Franken, was einem Umsatzrückgang von 0,7 Prozent gegenüber Vorjahr entspricht. Währungsbereinigt resultierte jedoch ein Umsatzwachstum von 2,2 Prozent. Getragen wurde dieses Ergebnis vor allem von einem erfolgreichen Schweiz-Geschäft und einer leicht positiven Entwicklung in Deutschland, auf Basis einer stabilen Baukonjunktur und einer unverändert hohen Nachfrage nach individuellen Duschlösungen. Die weiterhin zu geringen Installateurkapazitäten wirkten sich hingegen hemmend auf die Umsatzmöglichkeiten der Division aus, schreibt Arbonia. 

Die Division Fenster erzielte laut Arbonia im Berichtsjahr einen Umsatz von CHF 358,2 Millionen Franken, was einem Rückgang von 2,2 Prozent entspricht. Währungsbereinigt resultierte ein Rückgang von 0,5 Prozent. Die sehr starke Nachfrage nach Holz/Aluminium-Fenstern in der Schweiz führte dazu, dass die Produktion schon zu Beginn der «Hochsaison» an der Kapazitätsgrenze arbeitete, was zu längeren Lieferzeiten führte. Im Gegenzug fiel die Nachfrage nach Kunststoff-Fenstern in der Schweiz tiefer aus als erwartet.  

Die Division Türen erzielte im Berichtsjahr einen Umsatz von CHF 359,4 Millionen Franken, was einem Wachstum von 0,5 Prozent entspricht, so Arbonia. Währungsbereinigt steigerte die Division ihren Umsatz um 3,7 Prozent. Die Division konnte 2019 in Deutschland ein starkes Wachstum verzeichnen und ihren Marktanteil in Stückzahlen auf über 20 Prozent ausbauen, getrieben durch die Wohnungsknappheit in den deutschen Grossstädten und das weiterhin sehr attraktive Zinsumfeld.

Neben dem Wohnungsbau bearbeitet die Division auch den Hotelmarkt. In diesem neuen Zielsegment konnte der noch geringe Marktanteil weiter ausgebaut werden, teilt Arbonia mit. In der Schweiz führten fehlende Ressourcen in der Baubranche gegen Jahresende dazu, dass es bei sehr vielen sich in Umsetzung befindenden Grossprojekten zu Bauverzögerungen kam und diese sich in das Jahr 2020 verschieben.  

Die Arbonia sieht das EBITDA für das Jahr 2019 nach wie vor in der Bandbreite von 128 Millionen bis 136 Millionen Franken und bestätigt damit die im Februar 2019 veröffentlichte Guidance, schreibt Arbonia.