St.Gallen

Grosses Motorsport-Kino im Toggenburg

Grosses Motorsport-Kino im Toggenburg
Christian Schmid
Lesezeit: 5 Minuten

Am 8. und 9. Juni findet das 11. Bergrennen Hemberg statt. OK-Präsident Christian Schmid ist stolz, «das schönste Bergrennen der Schweiz» mit gegen 10’000 Besuchern auch heuer durchführen zu können.

Christian Schmid, 1990 fand das vorerst letzte Bergrennen am Hemberg statt; 2008 wurde dann der Verein Bergrennen Hemberg gegründet und 2012 das erste «neue» Bergrennen Hemberg durchgeführt. Wie kam es zu «Stillstand» und «Wiederbelebung»?
Was genau den Ausschlag gab, weiss niemand mehr so genau. Da waren Landbesitzer, die ihren Boden nicht mehr zur Verfügung stellten, Veranstalterfehler, die zur Schmälerung der Lokalgunst führten, aber auch Konflikte innerhalb der Organisation. Gleichzeitig führte das auf breiter Ebene diskutierte Thema Waldsterben dazu, die Sinnhaftigkeit von Motorsportveranstaltungen zu hinterfragen. Letztlich war es kein einzelner Faktor, der zur Einstellung des Bergrennens führte, sondern eine Kumulation aller, die den damaligen Zeitgeist widerspiegelten.

Die Neuauflage des Bergrennens fand 2005 ihren Anfang.
Theoretisch ja: Nach der Organisation diverser Silvesterpartys und anderer Veranstaltungen in Wattwil und Unterwasser suchten Patrick Rutz und ich nach einer grösseren Herausforderung. Wir fanden diese 2005 im Bergrennen Hemberg. Bis zum Moment, wo die Bewilligung der St.Galler Regierung auf dem Tisch lag, vergingen jedoch Jahre – 2011 war es soweit.

Was motiviert Sie und die OK-Mitglieder (Max Schrepfer, Janick Lieberherr, Tamara Schrepfer, Werner Knaus, Reto Fischer, Manuela Rohner, Carina Lieberherr, Sabrina Berdi, Rolf Brunner, Patrick Weder und Andy Scherrer), sich für das Bergrennen Hemberg zu engagieren?
Unsere Motivation ist es, Erlebnisse zu schaffen, Freude zu bereiten und gemeinsam Spass zu haben. Denn genau wie für die Rennfahrer sind für das Kern-OK sowohl Aufwand als auch Risiko riesig. Aber die unbeschreibliche Atmosphäre, dieses besondere Kribbeln in der Luft und die strahlenden Gesichter von grossen und kleinen «Buben und Mädchen», entschädigen uns für die Anstrengungen. Denn egal ob Helfer, Fahrer, Mechaniker oder Einwohner – in Hemberg, Bächli und St.Peterzell werden alle zu einer grossen Motorsportfamilie. Viele Freundschaften überdauern seit Jahren quer durch die Schweiz und werden jedes Jahr gepflegt.

  

«Ab dem Moment, wo die Fahrer am Freitag eintrudeln, herrscht Volksfeststimmung.»

Da sollte man schon Benzin im Blut haben, nicht?
Ganz im Gegenteil. Ich behaupte sogar, dass der grösste Teil unserer Besucher Autos zwar mögen, aber keine eingefleischten Motorsportfans sind. Am Bergrennen findet man alle – Familien, Jung und Alt, Autofreaks, Edelweisshemden-Träger, Motorradfahrer. Egal, ob reich oder arm, alle verbindet die Freude an diesem Anlass. Dabei sind Motorsportveranstaltungen nicht nur multikulturell, sondern absolut gewaltfrei. Es herrscht eine einzigartige Toleranz und Akzeptanz, erwachsen aus einer gemeinsamen Leidenschaft.

Was macht denn das Bergrennen Hemberg so einzigartig?
Zunächst ist der Rennbetrieb keine wilde Raserveranstaltung, sondern einer von acht offiziellen Läufen zur Schweizer Bergmeisterschaft von lizenzierten Rennfahrern. Jedes Fahrzeug durchläuft eine minutiöse Überprüfung durch technische Kommissare, jeder Streckenposten verfügt über die notwendige Lizenz, und die Rennstrecke muss alle fünf Jahre durch Experten des Verbands freigegeben werden.

Was das Rennen auch ausmacht, sind die atemberaubende Umgebung mit Aussicht auf den Säntis, der Zusammenhalt und das Ambiente.
Absolut! Die Fahrerlager sind auf Hemberg, Bächli und St.Peterzell verteilt. Jeder Vorplatz, jede Garage wird freigeräumt und mit einem Rennauto belegt. Alle Bewohner sind auf die eine oder andere Art involviert – und ab dem Moment, wo die Fahrer am Freitag eintrudeln, herrscht Volksfeststimmung. Für viele Fahrer ist Hemberg das schönste Bergrennen der Schweiz, für die Besucher eine einmalige Gelegenheit, hautnah am Geschehen zu sein.

«Wir generieren jeden Franken aus der Privatwirtschaft.»

Der grösste Poker liegt wohl aber bei der Finanzierung, nehme ich an?
Leider ja. Diese ist schwierig, da Motorsport weder Sportförderung noch Fördergelder aus anderen Töpfen erhält. Im Gegensatz zur «gemeinnützigen» Organisation FIFA sind wir nicht steuerbefreit; auch gibt es keinerlei Defizitgarantien. Wir generieren jeden Franken aus der Privatwirtschaft und sind deshalb auf die Unterstützung von Sympathisanten angewiesen, die mit uns die Freude an diesem schönen Anlass teilen. Ohne Sponsoren und Gönnern wäre er nicht durchführbar.

Eine weitere Herausforderung könnte die Lage sein.
Tja, Hemberg würde wohl bei einer objektiven Überprüfung der Eignung für eine Grossveranstaltung in puncto Parkkapazitäten, ÖV-Erschliessung und Zugänglichkeit des Geländes bereits zu Beginn ausscheiden. Deshalb gehören die Organisation des Verkehrs, der Parkplätze und des Besuchertransports mittels Shuttlebussen und die Logistik zu unseren grössten Herausforderungen – zumal während des Rennbetriebs kein Nachschub möglich ist.

Was war Ihr bisheriges Highlight?
Ein extrem emotionaler Moment war, 2012 neben dem Eröffnungsfahrer an der Startlinie zu stehen. Fredy Amweg fuhr als Letzter 1990 in seinem Rennwagen nach Hemberg und 2012 wieder als Erster. Das überforderte mich psychisch komplett … denn hinter uns lagen sieben Jahre Vorarbeit mit allein 1200 Arbeitsstunden meinerseits. Dass wir es allen Besserwissern und Unkenrufen zum Trotz geschafft hatten, ein neues Bergrennen auf die Beine zu stellen, war einfach unbeschreiblich.

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«Das Bergrennen Hemberg ist ein bunter Zirkus, der die ganze Region während drei Tagen in seinen Bann schlägt.»

Das Thema Nachhaltigkeit war bereits bei Ihren ersten Konzepten vor 15 Jahren von zentraler Wichtigkeit. Heute wohl noch mehr?
Ja. Uns war immer bewusst, dass eine Motorsportveranstaltung mit anderen Ellen gemessen würde als eine aus Sport oder Kultur. Deshalb waren wir die erste und sind meines Wissens nach wie vor die einzige Motorsportveranstaltung, die das Label «Eco Sport» von Swissolympic (heute «Saubere Veranstaltung») tragen darf.

Was können Sie Fans und Teilnehmern 2024 in Aussicht stellen?
Das Bergrennen Hemberg ist ein bunter Zirkus, der die ganze Region während drei Tagen in seinen Bann schlägt. Dabei bieten wir für alle etwas: eine grossartige Landschaft, schnelle Boliden und Rennfahrer, die man hautnah erleben kann, Verpflegung, Getränke sowie Spass und Unterhaltung im Familienbereich. Wer Lust hat, einen schönen, friedlichen und doch komplett anderen Anlass zu erleben, soll vorbeikommen und die einmalige Atmosphäre am Samstag während der Trainings und am Sonntag während des Rennens geniessen.

Und wie können Wirtschaft und Politik das Bergrennen Hemberg unterstützen?
Politik, Behörden und Gemeinde helfen uns bereits sehr. Dafür sind wir unglaublich dankbar. Die Wirtschaft kann uns mit dem Kauf von Werbeflächen und Sponsoring-Engagements, Kundenanlässen oder Sach- und Dienstleistungen unterstützen, damit der Anlass weiter bestehen kann. Wir freuen uns über jede Zusammenarbeit mit Unternehmern, die Freude am Automobil haben, ihren Kunden etwas anderes bieten und ihre Leidenschaft mit uns teilen wollen.

Dann wünschen wir Ihnen viele Interessierte und ebenso viel Erfolg im Juni.
Danke. Ich bin meinen grossartigen OK-Kollegen und den vielen Helfern und Unterstützern vor und hinter den Kulissen unendlich dankbar für ihre Beiträge, damit dieser Anlass erneut stattfinden kann. Das OK, das beste Team der Welt und ich freuen uns, euch am 8. und 9. Juni zu treffen, wenn echte Helden in ihren heissen Boliden wieder nach Hemberg flitzen und ich mein Lebensmotto von Friedrich Nietzsche feiere: «Im echten Manne ist ein Kind versteckt, das spielen will.»

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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