Vorschau

«Digitale Souveränität heisst nicht Autarkie»

«Digitale Souveränität heisst nicht Autarkie»
Raphael Mettan, Franziska Ryser
Lesezeit: 2 Minuten

Digitale Souveränität ist eine technische, rechtliche und strategische Herausforderung. Raphael Mettan und Franziska Ryser von Abraxas erklären, warum es dabei nicht um vollständige Unabhängigkeit, sondern um Kontrolle und Handlungsfähigkeit geht.

Raphael Mettan, digitale Souveränität wird oft mit Unabhängigkeit gleichgesetzt.
Ein Missverständnis! Absolute Unabhängigkeit ist kaum erreichbar; Technologien sind immer vernetzt. Wir müssen Abhängigkeiten verstehen und bewusst gestalten. Wichtig ist, Handlungsfähigkeit unter veränderten Bedingungen zu bewahren.

Wo zeigen sich Abhängigkeiten besonders?
IT ist ein Ökosystem; Technologien, Prozesse und Know-how greifen ineinander. Man kann nicht einfach Elemente herauslösen und ersetzen. Deshalb braucht es Transparenz, Kontrolle über eigene Daten und Alternativen für kritische Systeme. Wer etwa alles bei einem Anbieter bündelt, schafft Abhängigkeiten. Wenn sich ein Markt verändert oder ein Akteur plötzlich eine dominante Position bekommt, muss man reagieren können.

Welche Rolle spielen geopolitische Entwicklungen?
Sie verstärken das Thema. Sobald Daten oder Services ausserhalb des Schweizer Rechtsraums liegen, gibt man Kontrolle ab: Fremde Behörden könnten Zugriff auf Daten verlangen.

Franziska: Mit KI entstehen zusätzliche Abhängigkeiten.
Ja, denn einerseits kommen die meisten grossen KI-Modelle von wenigen internationalen Unternehmen. Da entstehen neue Abhängigkeiten. Andererseits wird KI für die Vorbereitung von Entscheidungen genutzt. Solche KI-Systeme müssen nachvollzieh- und überprüfbar sein. 

Warum ist das für Verwaltungen besonders sensibel?
Sie haben viele personenbezogene Daten – etwa Steuerdaten. Wenn sie unkontrolliert in externe Systeme gelangen, verliert man die Kontrolle. Deshalb muss man genau überlegen, welches Modell wofür genutzt wird.

Was versteht Abraxas unter souveräner KI?
Daten, Betrieb und Verarbeitung bleiben unter Kontrolle. KI wird aus der Schweiz heraus betrieben, etwa aus unseren Rechenzentren. So bleiben die Daten in der Schweiz und fliessen nicht in andere Länder ab.

Mattes Films  

Was bedeuten die Entwicklungen für IT-Führungskräfte?
Mettan: Ihre Rolle wird strategischer. Früher waren funktionierende Systeme und Kosten zentral. Heute geht es auch um Resilienz, Compliance, Datenschutz und Nachvollziehbarkeit. Sie müssen Risiken einschätzen und Entscheidungen beurteilen. 

Und für den Nachwuchs?
Ryser: Technische Kompetenzen reichen nicht mehr. IT-Profis brauchen Weitsicht. Sie müssen kurzfristige Effizienzgewinne gegen langfristige Abhängigkeiten abwägen. Mettan: Zudem gestalten sie Veränderungen. Es geht nicht nur darum, wie Technologie funktioniert, sondern auch um deren Auswirkungen. Wir brauchen also verantwortungsvolle Fachkräfte. Die OST bildet die nächste Generation aus; deshalb engagieren wir uns am WTT Young Leader Award.

Auch interessant

KMU-Tag 2026 widmet sich dem Wahn(sinn)
Vorschau

KMU-Tag 2026 widmet sich dem Wahn(sinn)

VR-Symposium 2026 rückt KMU-Verwaltungsräte in den Fokus
Vorschau

VR-Symposium 2026 rückt KMU-Verwaltungsräte in den Fokus

Ideen, die bewegen
Vorschau

Ideen, die bewegen

Schwerpunkte