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«Enterprise-Sicherheit ohne Enterprise-Preisschild»

«Enterprise-Sicherheit ohne Enterprise-Preisschild»
Andreas Kutter, Daniel Tucci
Lesezeit: 5 Minuten

KYOS übernimmt die Vermarktung von Symantec und Carbon Black für die Ostschweiz – gemeinsam mit dem globalen Distributor Arrow Electronics und dem Hersteller Broadcom. Sicherheitstechnologie, die weltweit bei Konzernen im Einsatz steht, soll damit auch für KMU in der Region nutzbar werden. Andreas Kutter (KYOS) und Daniel Tucci (Arrow) über die verschärfte Bedrohungslage, den Wildwuchs an Security-Tools – und darüber, warum es dafür einen Ansprechpartner vor Ort braucht.

Zehn Jahre St.Gallen

Der Genfer Cybersecurity-Spezialist KYOS ist seit zehn Jahren in St.Gallen präsent – ein Jubiläum, das in der Region kaum jemand bemerkt hat. «KYOS gibt es in der Schweiz seit über 25 Jahren – gegründet in Genf, wo sich bis heute unser Hauptsitz befindet», sagt Andreas Kutter, der den Standort St.Gallen führt. «Vor zehn Jahren haben wir den Standort St.Gallen eröffnet, um für die Unternehmen der Ostschweiz vor Ort präsent zu sein. Heute betreuen wir von hier aus rund 100 Kunden in der Region.»

Der Reiz des Modells liegt für ihn in der Mischung: «Wir arbeiten nicht nur für KMU, sondern auch für Grosskunden, die zu den Blue Chips an der Schweizer Börse gehören. Dieses Enterprise-Know-how – Prozesse, Technologien und Erfahrungen aus hochregulierten Umgebungen – stellen wir den KMU in der Ostschweiz zur Verfügung. Davon profitieren am Ende beide Seiten.»

«Für Enterprise-Security muss niemand mehr nach Zürich oder ins Ausland – die Kompetenz sitzt in St.Gallen.»

Andreas Kutter, KYOS

Der unbekannte Riese im Hintergrund

Neu steht hinter dem St. Galler Team ein Konzern, den die Öffentlichkeit kaum kennt. «Arrow Electronics ist ein globales Fortune-500-Technologieunternehmen mit über 90-jähriger Geschichte, mehr als 20'000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von rund 31 Milliarden US-Dollar», sagt Daniel Tucci von Arrow Enterprise Computing Solutions. Entschieden werde aber nicht in der Konzernzentrale: «Entscheidend für den Erfolg ist jedoch immer der Channel- Partner vor Ort, der die Technologie versteht und in messbaren Kundennutzen übersetzt.»

Kutter wiederum suchte bewusst mehr als einen Lieferanten: «Wir haben einen Partner gesucht, der mehr ist als eine Logistikdrehscheibe. Arrow investiert in Wissenstransfer, stellt uns technische Spezialisten zur Seite und gibt uns einen direkten Draht zum Hersteller Broadcom.» Für die Kunden heisse das: «Hinter dem lokalen Team von KYOS steht die Kompetenz eines globalen Technologiekonzerns – ohne dass der Kunde mit zusätzlicher Komplexität konfrontiert wird.»

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Warum gerade jetzt?

Dass ein Distributor dieser Grösse auf einen regional verankerten Partner statt auf einen nationalen Rollout setzt, begründet Tucci schlicht: «Cybersecurity ist Vertrauenssache und Vertrauen entsteht durch Nähe, Verfügbarkeit und langfristige Beziehungen.» Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

«Die Bedrohungslage hat sich massiv verschärft: Ransomware und KI-gestützte Angriffe treffen längst nicht mehr nur Konzerne, sondern gezielt KMU, weil dort die Verteidigung oft dünner ist», sagt Kutter. «Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen, etwa durch das revidierte Datenschutzgesetz oder – für Zulieferer in die EU – durch NIS2. Viele KMU spüren: Der bisherige Basisschutz reicht nicht mehr.»

Tucci ergänzt einen Faktor, der sich nicht mit Budget allein lösen lässt: «Selbst wenn Unternehmen in Cybersecurity investieren möchten, fehlt oft das spezialisierte Personal für Betrieb und Überwachung moderner Sicherheitslösungen.» Genau dort setze die Plattform an: «Mit Symantec CBX bündeln wir bewährten Endpoint-Schutz, moderne Threat Detection und zentrale Verwaltung in einer integrierten Plattform.»

«In Zeiten knapper Budgets und fehlender Fachkräfte ist genau diese Vereinfachung oft wertvoller als zusätzliche Funktionen.»

Daniel Tucci, Arrow Enterprise Computing Solutions

Zu wenig Zeit, zu viele Werkzeuge

Was das im Alltag bedeutet, erlebt Kutter in seinen Kundengesprächen immer wieder: «Drei Dinge sehen wir immer wieder: zu wenig Zeit, zu wenig Fachleute und eine über Jahre gewachsene, unübersichtliche IT-Landschaft. Viele KMU haben durchaus in Sicherheit investiert – aber in Einzellösungen, die niemand mehr ganzheitlich überblickt.» Sein Fazit ist unternehmerisch statt technisch: «Eine Geschäftsführerin oder ein Geschäftsführer will sich um das Kerngeschäft kümmern, nicht um Sicherheitswarnungen.»

Ein Schweizer Sonderfall sei das nicht, hält Tucci mit Blick auf Europa fest: «Die Schweiz ist da keine Insel – im Gegenteil: Als wohlhabender Wirtschaftsstandort ist sie ein besonders attraktives Ziel.» Entsprechend geht es beiden weniger um zusätzliche Funktionen als um Reduktion. «Viele Unternehmen betreiben heute fünf, sechs oder mehr Security-Tools verschiedener Hersteller – jedes mit eigener Konsole, eigenen Updates und eigenen Warnmeldungen», so Kutter. «Weniger Werkzeuge bedeuten weniger Lücken, weniger Aufwand und tiefere Gesamtkosten.»

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Was der Kunde davon merkt

Spürbar werde die Zusammenarbeit dort, wo es sonst harzt, sagt Kutter: «Wenn wir in einem Projekt Herstellerexpertise brauchen, ist der Weg über Arrow zu Broadcom kurz. Zudem setzen wir Projekte schneller um, weil Evaluation, Lizenzierung und technischer Support aus einer Hand kommen. Der Kunde merkt davon vor allem eines: Es geht vorwärts.» Am Gegenüber ändert sich dabei nichts: «Für den Kunden bleibt dabei KYOS der zentrale Ansprechpartner», betont Tucci.

Den Mehrwert für die Region formuliert Kutter ohne Umschweife: «Ostschweizer KMU erhalten denselben Schutz wie die Grosskunden, die wir seit Jahren betreuen. Wir wissen aus diesen Projekten, was in der Praxis funktioniert, und übersetzen es in Lösungen, die zu Budget und Organisation eines KMU passen. Enterprise-Sicherheit ohne Enterprise-Komplexität – und ohne Enterprise-Preisschild.»

Vom IT-Thema zur Chefsache

Beim Blick nach vorn verändert künstliche Intelligenz die Spielregeln auf beiden Seiten. «Angriffe werden automatisierter und überzeugender, gleichzeitig hilft KI der Verteidigung, Anomalien schneller zu erkennen», sagt Kutter. «Für KMU heisst das: Cybersecurity wird endgültig zur Daueraufgabe, die man nicht nebenbei erledigt. Wer heute Strukturen und Partnerschaften aufbaut, ist morgen im Vorteil.» Tucci zieht die strategische Linie: «Wer Sicherheit heute als Geschäftsrisiko versteht und nicht nur als IT-Thema betrachtet, wird langfristig erfolgreicher und widerstandsfähiger sein.»

Bleibt die Frage, was ein Ostschweizer Unternehmen morgen früh tun soll. Kutters Antwort fällt kurz aus: «Warten Sie nicht auf den Vorfall. Jedes Unternehmen in der Ostschweiz – ob mit zehn oder tausend Mitarbeitenden – ist heute ein potenzielles Ziel. Der erste Schritt kostet wenig: ein Gespräch, eine Standortbestimmung. Wir sind hier in der Region, und wir sprechen die Sprache der KMU.»

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