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Die Tofu-Revolution aus dem Thurgau

Die Tofu-Revolution aus dem Thurgau
Luka Rösch, Ensoy-Geschäftsführer
Lesezeit: 4 Minuten

Geschmacklos, gummig, langweilig: Vorurteile gegen Tofu gibt es viele. Damit möchte das Start-up Ensoy aus Amriswil aufräumen. Es will nichts weniger, als den Tofu-Genuss in der Schweiz zu revolutionieren. Im Gespräch erklärt Inhaber und Geschäftsführer Lukas Rösch, was es noch braucht, um den Bio-Tofu aus dem Thurgau salonfähig zu machen.

Alles begann in einer Küche: Simone Reinhart suchte nach Alternativen zu Fleisch und blieb bei Tofu hängen. Doch kein Tofu-Produkt überzeugte sie so richtig – weder vom Geschmack noch von der Konsistenz. «Also begann sie, in der Küche ihrer Eltern selbst Tofu herzustellen», erzählt Ensoy-Geschäftsführer Lukas Rösch. Sie merkte rasch, dass sich durch die Zubereitung von Hand die Konsistenz und die Beschaffenheit ihres Produktes verfeinerte und sich vom industriell hergestellten Tofu abhob. «Die Herstellung aus Sojamilch ähnelt etwas der von Käse – die Soja-Milch wird erhitzt, dann mit Gerinnungsmittel das Protein ausgeflockt und dieses schlussendlich in Form gepresst», erklärt Rösch.

Vom Küchen-Projekt zum Start-up
So kam Simone Reinhart ihrem Vorbild, dem Tofu aus dem asiatischen Raum, immer näher. Sie schaffte die ersten Gerätschaften an und weitete die Produktion aus. Ihre Eltern, die den Weiherhof in Amriswil bewirtschaften, boten ihr ein Stück Land für den Sojaanbau an. 2019 produzierte die studierte Umweltingenieurin bereits 400 Kilogramm eigenen Tofu, den sie unter dem Namen «Soja-Atelier Weiherhof» an Wochenmärkten in umliegenden Läden und später an mehrere Läden im Thurgau verkaufte. Bald wurde die Produktion in eine stillgelegte Käserei in Amriswil verlegt.
Trotzdem wurde Reinharts Tofu-Produktion oft als Nebenerwerb abgetan. Dies änderte sich, als Lukas Rösch, ein ehemaliger Schulkollege, ins Tofu-Geschäft einstieg. Rösch, der Wirtschaft studierte, hatte zuvor bereits bei einem Bündner Start-up, das vegane Produkte vertreibt, unternehmerische Erfahrungen gesammelt.

Tofu als Marke etablieren
«Mich überzeugen die Swissness und der Nachhaltigkeitsgedanke», erklärt Ensoy-Geschäftsführer Lukas Rösch. Sein Ziel: Tofu aus dem Thurgau als Marke im Heimmarkt zu etablieren. Tofu gibt es seit über 3000 Jahren, in der Schweiz ist er seit den 80er-Jahren bekannt. «Bisher schaffte es aber niemand, Tofu als eine starke Marke aufzubauen wie etwa Appenzeller Käse.» Hier setzt Rösch an: «Tofu ist ein perfektes Produkt des 21. Jahrhunderts – nachhaltig, gesund und vegan.» Im Juli 2021 wurde aus dem Soja Atelier Weiherhof das Start-up «Ensoy» (enjoy soy) gegründet, seit diesem Jahr wird für den Tofu ausschliesslich Bio-Soja aus dem Thurgau verwendet. Ensoy produziert in Amriswil pro Woche inzwischen zwischen 200 - 250 Kilogramm Tofu.
Für Lukas Rösch ist klar: Ein gutes Produkt braucht auch ein gutes Marketing. «Social Media ist ein wichtiger Kanal, um News zu verbreiten.» Ebenso wichtig ist ein gutes Netzwerk – so wird Ensoy beispielsweise die nächsten drei Jahre von Genisuisse Zürich-Ostschweiz gecoacht, einer Förderorganisation für Start-up-Unternehmen. Einige Genisuisse-Experten degustierten die Ensoy-Produkte an einem Anlass von Startnetzwerk Thurgau – und waren begeistert.

«Man muss zu 100 Prozent hinter seinem Produkt stehen.»

Tofu auch für Fleischfans
Lukas Rösch, der sich selbst als «Flexitarier» bezeichnet, möchte die Begeisterung für Bio-Tofu auch bei Leuten wecken, die Fleisch bevorzugen. «Es geht um das Mundgefühl», erklärt Rösch. «Wir beweisen, dass Tofu nicht nur gesund, sondern auch von weicher und geschmeidiger Konsistenz – und sehr schmackhaft ist.» Nebst Nature-Tofu gibt es verschiedene marinierte Varianten. Mittlerweile beziehen über 70 Geschäftskunden zwischen dem Rheintal und Zürich Bio-Tofu aus dem Thurgau, darunter viele Läden und einige Gastrobetriebe. Das Unternehmen produziert Tofu im oberen Preissegment. Das Kilogramm kostet zwischen 27 und 30 Franken. Neben dem Online-Verkauf, der bereits einen Drittel ausmacht – Tendenz steigend – beliefert Rösch mit seinen 3 Mitarbeitern eine grosse Anzahl Detaillisten, Feinkostläden, Bio- und Hofläden zwischen St.Gallen, Frauenfeld, Zürich und Kreuzlingen. Zudem sind ihre Produkte an verschiedenen Wochenmärkten anzutreffen.
Rösch freut sich, dass vermehrt die Gastronomie wie beispielsweise das Hotel Hof Weissbad oder das Restaurant Trauben in Weinfelden ihren Tofu serviert. Dass es Ensoy gelungen ist, biologisch produzierte Sojabohnen aus der Thurgauer Landwirtschaft zu beziehen, macht ihn stolz. «Damit bleibt die ganze Wertschöpfung im Thurgau – ein Verkaufsargument, das immer wichtiger wird.»
Seit einigen Monaten hat auch eine Metzgerei nahe Biel Ensoy-Produkte im Sortiment: «Immer öfters gibt es in einem Haushalt ja mindestens eine Person, die auf tierische Produkte verzichtet», so Rösch. In diesem Fall können in der Metzgerei beide Bedürfnisse abgedeckt werden. «Unser Ziel ist es, Ernährungsgewohnheiten sanft zu revolutionieren.»
Noch befindet sich Ensoy mit vier Angestellten in der Aufbauphase. Die beiden Corona-Jahre hat das Start-up gut überstanden. So waren Läden und die Gastronomie für sie als Lieferant die ganze Zeit über offen. Grösstes Risiko war ein möglicher Ausfall des Personals, was insbesondere die Produktion betroffen hätte. Lukas Rösch seinerseits erkrankte gleich zweimal an Corona. «Wir hatten hier aber Glück», meint er. Klar ist: «Heute können wir noch nicht vom Betrieb leben», erklärt Rösch. Investoren hat das Start-up nicht, aber Erspartes auf der Seite. Rösch ist überzeugt, dass Ensoy auf dem richtigen Weg ist. «Man muss zu 100 Prozent hinter seinem Produkt stehen und die Begeisterung aller Beteiligten spüren — nur so kann eine Revolution gelingen», betont Lukas Rösch. Denn die eigene Begeisterung trage man auch nach aussen.

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