Gast-Kommentar

China hat einen Plan

China hat einen Plan
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Während Amerika just jene globale Ordnung zertrümmert, die seinen Status als Weltmacht gefestigt hatte, baut China unbeirrt an seiner Zukunft weiter.

Viel unterscheidet China von Amerika. Etwas aber sticht heraus. China hat einen Plan oder – besser noch – eine langfristige Strategie. Amerika nicht. Die Folgen davon zeigen sich dieser Tage besonders klar.

Mit dem kopflosen Angriff auf den Iran haben die USA nicht nur die Lunte am Pulverfass Naher Osten gezündet, sondern auch langfristig für Unsicherheit gesorgt und die eigene Soft Power beschädigt. China hat sich im Gegensatz dazu seit mehr als drei Dekaden auf solch eine Situation vorbereitet. Auf eine Situation, in welcher Rohstoffe knapp werden respektive als Druckmittel oder gar als Waffen Einsatz finden.

War China nach dem zweiten Golfkrieg Anfang der Neunzigerjahre wegen seiner hohen Abhängigkeit von Erdöl noch äusserst verletzlich, sieht die Lage heute anders aus. Investitionen in Kohlekraftwerke, Atommeiler und erneuerbare Energiequellen haben die Abhängigkeit reduziert. Der Ausbau von Raffineriekapazität von Rohstoffen wie «Seltenen Erden» und die Fokussierung auf Technologien wie Batterien, Elektroautos und Photovoltaikanlagen haben marktdominierende Stellungen geschaffen.

Verkürzt gesagt setzt China mit der Elektrifizierung auf die Zukunft, Amerika mit «Drill, baby, drill!» auf die Vergangenheit.

Derweil ist auch die wichtigste Bastion von Amerika unter Druck. Zwar liegen US-Unternehmen im Technologiebereich im Allgemeinen und in der Künstlichen Intelligenz im Speziellen noch an der Spitze – auch weil China die neuesten Chips verwehrt werden. Das wird sich aber bald ändern, denn unterdessen zählt kein Land mehr Forscherinnen und Forscher im Bereich von KI als China. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das auch in den jüngsten KI-Modellen zeigt.

Will Amerika den Anschluss an die Zukunft nicht verpassen, braucht es spätestens jetzt einen Plan oder – besser noch – eine langfristige Strategie.

Text: Martin Lüscher, Chefökonom acrevis Bank

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