Zusammenarbeit in der Ostschweiz verbessern
04.02.2020

Zusammenarbeit in der Ostschweiz verbessern

Noch in diesem Monat wird eine Charta zur Ausrufung des Metropolitanraums Bodensee unterzeichnet. Die Ostschweiz versucht damit, sich im Rest der Schweiz mehr Gehör zu verschaffen. Letztlich sollen mehr Bundesgelder in unsere Region fliessen. Auch wenn die Verwendung des Begriffs Metropole in der dezentralen Ostschweiz mit der Realität wenig zu tun hat: Der Metropolitanraum Bodensee kann helfen – vor allem im Selbstbild der Ostschweiz.

«Die Schweiz endet in Winterthur», ein in der Ostschweiz gern zitierter Satz. Es bleibt jedoch unklar, ob er auch im Rest der Schweiz Anwendung findet, oder ob er nur ein Beispiel dafür ist, wie wir uns selbst unterschätzen. Doch bald soll damit endgültig Schluss sein: Die Ostschweiz unternimmt einen neuen Versuch, in Bundesbern als Metropolitanraum akzeptiert zu werden. Erhofft werden mehr Bundesgelder und eine bessere Sichtbarkeit, beides Ziele der Wahrnehmung von aussen.

Silberstreifen am Horizont
Genauso wichtig für die Ostschweiz dürfte allerdings der Einfluss auf die Innensicht sein. Nach wie vor mangelt es in der Region rund um den Säntis am Verständnis, ein eigenständiger Wirtschaftsraum zu sein und auch politisch die Zusammenarbeit suchen zu müssen. Die kürzlichen Signale, die Spitalplanung endlich über die Kantonsgrenzen hinweg zu koordinieren, sind zwar ein Silberstreifen am Horizont, aber letztlich noch nicht mehr als eine Absichtserklärung.

Ein Metropolitanraum kann durchaus helfen, die kantonalen Gräben zuzuschütten und in der Bodenseeregion besser zusammenzuarbeiten. Angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Vorarlberg, dem Fürstentum Liechtenstein oder auch der Region Konstanz ist auch der Einbezug der Grenzregionen unserer Nachbarländer in den Metropolitanraum zu begrüssen.

Regionale Vielfalt als Stärke
Doch sind wir eine Metropole? Nicht wirklich. St.Gallen ist zwar als grösste Stadt der Ostschweiz durchaus wichtig. Trotzdem dürften viele Ostschweizer ihre liebe Mühe haben, unsere Hauptstadt als Metropole zu bezeichnen. Diese zentrale Bedeutung hat St.Gallen trotz seiner Rolle als Bildungs- und Verwaltungszentrum zumindest seit der Krise der Textilindustrie vor rund 100 Jahren eingebüsst. Das Fehlen einer Metropole stellt jedoch keine Schwäche der Ostschweiz dar.

Der Aufschwung der Industrie in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte sehr dezentral, und nach wie vor stellt die Industrie in den meisten Regionen eine wichtige Stütze der regionalen Wirtschaft dar. Dieses dezentrale Ostschweizer Gen floss nun auch in die Konzeption des Metropolitanraums Bodensee mit ein, was sicherlich zu begrüssen ist. Die Vielfalt und die Stärke der Regionen sind zentrale Stärken der Ostschweiz. Es muss uns einfach besser gelingen, mehr miteinander statt gegeneinander zu erreichen. Denn die Verbindung starker Regionen hat das Potenzial, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch einen starken Raum zu bilden – selbst wenn der Begriff «Metropolitanraum» etwas irreführend ist.

Text: Robert Stadler, Leiter Standort- und Wirtschaftsorganisation WirtschaftsPortalOst WPO