«Wir sollten die Risikokompetenz stärken»
07.01.2019

«Wir sollten die Risikokompetenz stärken»

Joachim Gauck ist ein redegewandter Freigeist und war der elfte Bundespräsident Deutschlands. Vor allem aber ist Gauck gesellschaftlich und politisch immer noch höchst aktiv. Und am 18. Januar am Rheintaler Wirtschaftsforum in Widnau. Nun hat Gauck im November den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in der Frankfurter Paulskirche erhalten.

Mit dieser Ehrung, die vor zwei Jahren auch an den ehemaligen Schweizer Bundespräsidenten Kaspar Villiger ging, werden liberale Impulsgeber ausgezeichnet, die «besonders zur Fortentwicklung freiheitlicher Ziele und Werte in der ganzen Welt beitragen und beigetragen haben», so die Stiftung. Joachim Gauck hielt eine bewegende Rede an dieser Feier, in der er daran erinnerte, dass man das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit ernst nehmen müsse. Zugleich müsse man aber auch die Risikokompetenz der Menschen stärken – etwa in den Debatten über Migration, Globalisierung oder Digitalisierung. Kaum einer stehe so sehr für Freiheit wie Joachim Gauck, so die Friedrich-Naumann-Stiftung. Das unermüdliche Engagement für die Freiheit präge sein öffentliches Wirken bis heute.

Engagement für freiheitliche Gesellschaft
Ludwig Theodor Heuss, der Laudator der Preisverleihung, hob besonders Gaucks Verdienste um eine freiheitliche Gesellschaft hervor: «Sie haben sie gefühlt, als sie fehlte, Sie haben sie gelebt, als es gefährlich war, Sie haben sie verteidigt, als sie umstritten war.» In einer Zeit, in der die äussere Freiheit fehlte, habe Gauck Menschen Mut gemacht, sie bestärkt in der Gewissheit, dass es eine Sphäre persönlicher Freiheit gebe, in der die innere Freiheit der Entscheidung jedem Einzelnen erhalten bleibt. Das Erwachen von Bürgersinn und Zivilcourage sei das grosse Geschenk und Vermächtnis, das die Bürger der ehemaligen DDR der deutschen Freiheitsgeschichte gemacht hätten. Die ganze Laudatio kann nachgelesen werden unter https://www.freiheit.org

Gauck signiert Bücher am Wifo
Zweifellos macht das Rheintaler Wirtschaftsforum mit der Verpflichtung von Joachim Gauck als Referenten sich selbst ein Geschenk zum 25-Jahr-Jubiläum. Ein Geschenk, das diejenigen Teilnehmenden freuen wird, denen Freiheit, Mut und liberales Gedankengut wichtig sind. Gaucks Reden und Bücher sind nämlich brillant und – so die Friedrich-Naumann-Stiftung – sein unermüdliches Eintreten für eine liberale Gesellschaft, die freiheitliche Politik mit Moral und der stete Dialog zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen wegweisend für Politiker, Unternehmer und gesellschaftlich engagierte Personen. Joachim Gauck wird am Forum seine Bücher wie «Freiheit», «Nicht den Ängsten folgen, den Mut wählen» oder seine eigene Biografie «Winter im Sommer – Frühling im Herbst» persönlich allen Teilnehmenden signieren.

Joachim Gauck
Für sein Wirken wurde Joachim Gauck (*1940) mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet, darunter die Theodor-Heuss-Medaille, der Geschwister-Scholl-Preis, der Europäische Menschenrechtspreis, der Ludwig-Börne-Preis und der Open Society Prize der Central European University (CEU) in Budapest. Er ist Ehrendoktor der Universitäten Rostock, Jena, Augsburg und Münster, der National University of Ireland Galway, der Hebrew University of Jerusalem, der Université Paris-Sorbonne sowie der Maastricht University. Er ist Ehrenbürger unter anderem von Berlin und seiner Heimatstadt Rostock. Joachim Gauck lebt seit 2000 mit Daniela Schadt zusammen. Er hat vier Kinder, zwölf Enkel- und acht Urenkelkinder.