Management muss traditionelle Wege verlassen
07.11.2019

Management muss traditionelle Wege verlassen

Ohne den K-Faktor ist kein Erfolg möglich, ist Leonhard Fopp, Gründer der SCG St.Gallen Consulting Group sowie der Continuum AG, ebenfalls in St.Gallen, überzeugt. Darum dreht sich sein neustes Buch auch um «Doppelte Unternehmensführung».

Der klassische finanziell-analytische Managementstil (das alte Rezept) ist heute ungenügend. Er muss ergänzt werden durch eine essenziell-emotionale Führung. Weil Profil vor Profit kommt. Essenz, Gestalt, Symbolik und Stories prägen den neuen Führungsstil. Das Erfolgsrezept der Doppelten Unternehmensführung setzt auf Kreativität, Kraft, Kunst und Kommunikation als Erfolgsfaktoren.

Die 50 Beiträge von CEO’s, Professoren, Beratern und Künstlern zeigen, wie primär in Unternehmen die Kunst des Erfolges von den für den Wandelprozess zuständigen Personen erlebt und verantwortet wurde. Und der Erfolg gibt dieser zeitgerechten Führung Recht.

Michael Hilti, Rudi Bindella, Familie Richterich (Ricola), Michael Pieper, Familie des Fürsten von und zu Liechtenstein, Reinhold Würth, ROCHE und Michael Ringier sind u. a. Beweise einer erfolgreichen Synthese von Unternehmensführung und Kunst.

Wir alle wissen, dass im 21. Jahrhundert anders zu führen ist. „Tektonische Veränderungen“ greifen überall: Industrie 4.0, 3D-Drucker, Planet Erde, Generation Y, etc. etc. Out ist der einseitig rational geprägte „homo oeconomicus“-Ansatz, welcher sich am Modell des menschlichen Nutzenmaximierens ausrichtet. Die finanzlastige BWL hat ausgedient. 08.15-Betriebe mit Fokus auf Kostenmanagement werden nicht überleben.

Von Firmen werden immer mehr eine echte Authentizität und damit indirekt auch eine entsprechende Legitimation verlangt. Zukunft braucht Herkunft. Benötigt wird mehr verantwortungsvolle Unternehmensführung. Diese Forderung ist nicht neu. Erstmalig ist die Rückbesinnung auf das Essentielle im Unternehmen. Firmen haben ihren eigenen Ursprung, ihre DNA und ihre „Seele“ aktiver zu gestalten. Und in der Kommunikation ihre Einzigartigkeit mit Symbolen und Archetypen zu verkünden.

Gefragt sind somit eine neue Denkhaltung und damit eine Erweiterung des zahlengeprägten Managementstils um eine kreativ-innovative-emotionale Dimension. Kurz: mehr Magie in der Führung.

Deshalb die Forderung nach einer Doppelten Unternehmensführung (Finanzen und Essentielles), welche auf zwei gleichberechtigten, sich gegenseitig ergänzenden Ansätzen beruht (wie im Sport die Pflicht und die Kür). Dies entspricht einem neuen Management-Paradigma. Dies ist das K-Credo.

Die 4K-Erfolgstreiber:

Kunst:
Die bildende Kunst ist ein wesentlicher betrieblicher Erfolgstreiber. Die ureigene Bedeutung, die Kunst als K-Faktor prädestiniert, ist das Schöpferische sowie die proaktive Auseinandersetzung mit der Umwelt, die mit verschiedenen Ausdrucksmitteln geschieht. Kunst entspricht dem Mehrwert, der über das Alltägliche hinausgeht, das bloss Nützliche übersteigt und als Sinnbild für Menschsein überhaupt steht. Unternehmen, die sich nicht auf das rein Zahlenmässige, Utilitäre und Materielle beschränken, sondern ihren wirtschaftlichen Aktivitäten in freier Urteilskraft und freier Sinngebung ein solches kulturelles „Plus“ verschaffen, bringen dieses „Mehr“ und damit Sinnstiftendes hervor. Die so verstandene Kunst wird zum Ideenträger, zum Botschafter und zur Identifikationsikone, die sämtliche „Shareholder“ und „Stakeholder“ adressiert.

Kreativität:
Führungskräfte und Mitarbeitende können nur Erfolg haben, wenn sie die ideellen und die natürlichen Ressourcen von Unternehmen gemeinschaftlich im Hinblick auf die betrieblichen Zwecke transformieren und sie entsprechend effizient einsetzen. Der Mensch ist in diesem Sinne ein „Schöpfer“ und ein Innovator, der es versteht, aus verschiedensten Grundstoffen etwas Brauchbares zu gestalten, um damit seine Bedürfnisse zu befriedigen. Auch Unternehmen sind insofern darauf verpflichtet, ständig innovativ zu sein, um im Wettbewerb stets Vorsprünge zu gewinnen und zu verteidigen, ohne dabei der Natur zu schaden. Betriebe sind gehalten, mit dem zweiten Erfolgsfaktor Erfindungen zu machen. In diesem Sinne ist Kreativität der eigentliche Auftrag von Unternehmen.

Kraft:
Um etwas zu bewegen, braucht es einen Anstoss. Die Einwirkung der Kraft (des dritten K-Erfolgstreibers) ermöglicht es, eine Arbeit zu verrichten. Dies gilt nicht nur für einfache Fragen wie die physische Fortbewegung, sondern auch im übertragenen Sinne. Hier steht die emotionale Energie im Zentrum der Betrachtung. Wer Ziele setzt und sie erreichen will, braucht einen inneren Antrieb, muss seine mentale Trägheit überwinden und Kräfte mobilisieren, sodass Kreativität entsteht, die über das Nötigste hinausgeht.

Kommunikation:
Menschen sind, was sie sind, durch die Sprache. Ohne Sprache hätten wir die Tücken der Natur nicht überlebt. Jeder, der etwas mitteilt und jeder, der das Mitgeteilte empfängt, ist nach diesem Akt durch die Vermittlung anders als zuvor. Dabei löst Kommunikation in unserer Gedankenwelt stets Ideen und Gefühle aus. Übertragungen von Botschaften sind auch für Unternehmen elementar: Insofern dient der vierte Erfolgsfaktor wesentlich dazu, Unternehmen mit ihrem eigenen, gewollten Erkennungswert in der Wahrnehmung Dritter zu verankern. Dafür setzen die sprachlichen Kenntnisse der jeweiligen Zielgruppen das Mass.

Künstler als Querdenker und Musterbrecher
Sie können als Antrieb wirken, damit Mitarbeitende innovative Beiträge einbringen und die Firma eine bessere Leistung erlangt. Das Ziel ist, mit Innovation (Kreativität) und Kunst die Firma konkurrenzfähiger zu machen.

Peter Regenass-Bucher, Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident der schweizerischen Motorex-Gruppe, eines traditionellen Familienunternehmens, hat sein Führungsverständnis im Laufe der Zeit immer wieder von einem Cartoonisten zeichnen lassen, wobei diese Bilder stets in der Hausfarbe seiner Firmengruppe gehalten waren. Das neue Denken auf der Metaebene und das Handeln auf der operativen Ebene müssen sich konsequent an der betrieblichen Essenz ausrichten. Dies bedingt eine neue Business-Logik sowie entsprechende Business-Modelle und Geschäftspraktiken.

Zurück zum Ursprung ist gefragt: in Richtung „mehr Seele“, bevorzugt kommuniziert über Urbilder und Ur-Symbole, Stammes- Zeichen, Archetypen und Artefakte. Verschiedene Unternehmen haben dies hervorragend geschafft. Mammut, Ricola, Mercedes, Nike, Nestlé, Swiss und Apple sind alles beispielhafte Unternehmen mit stark symbolischer Ausrichtung, und einem einprägsamen „Stammes- Zeichen“.

Wandel frühzeitig einleiten
Operativ notwendig ist eine Stärkung des kommunikativen Auftritts in verschiedenen Zielgruppen durch eine emotionale und empathisch geprägte Marke, die Zulassung von mehr Kreativität in der Firma, die Stärkung der eigenen Innovationskraft sowie die gezielte Ermächtigung („empowerment“) der Mitarbeitenden in Richtung mehr Eigenverantwortung und mehr Selbstständigkeit. Für mich als BWLer ist nicht „l’art pour l’art“ die Maxime. Vielmehr sind die vier K-Erfolgstreiber gezielt als Ressource einzusetzen.

Diese sind alle im Buch mit Erfolgsstories beschrieben. Nike, Victorinox, Mammut, Knorr, LGT, etc. machen erfolgreich was ich fordere. Dadurch entsteht eine positive Unternehmensdynamik (Corporate Dynamics), welche der Firma auch übermorgen den Erfolg sichert. Dies funktioniert nur mit mehr Leadership. Magie und Geschichten sollen Regeln und Vorschriften ablösen. Firmen sollten vermehrt auf Künstler zugehen. Denn das Ziel ist, mit Kreation und Innovation die Firma konkurrenzfähiger zu machen.

Ich sehe was, was du nicht siehst
Im Vergleich zum Fähigkeitsprofil vieler Führungskräfte sind Künstlerinnen und Künstler Andersdenkende par excellence. Sie sind nicht an Zahlen und Fakten interessiert, sondern an Kreativität. Sie arbeiten instinktiv, hinterfragen gesellschaftliche Entwicklungen, suchen nach Herausforderungen und gestalten ihre Werke nach ihren eigenen, oft stark sozial geprägten Wertvorstellungen.

Fopp, Leonhard, Giger, Andreas (Hrsg)., Doppelte Unternehmensführung: Erfolg im Wandel: Münster Verlag, Basel, ISBN 978-3-907146-03-3. Zu bestellen in jeder Buchhaltung oder hier.