«Graue Nashörner»: Hinter dem KI-Boom lauert die Börsenfalle
Text: pd/stz.
Die grössten Gefahren sind manchmal jene, die jeder sieht und trotzdem verdrängt. «Graue Nashörner» nennt die Risikoforschung solche Bedrohungen. Ihnen widmet sich das neue Cronberg-Anlagebulletin: Es beleuchtet, wie sich KI-Euphorie, steigende Zinsen, hohe US-Staatsschulden und ein wachsender Schattenbankensektor gegenseitig verstärken können.
Noch stehen die Aktienmärkte nahe ihren Höchstständen. Die Hoffnung auf hohe Gewinne aus künstlicher Intelligenz treibt die Kurse. Doch das Geld, das diesen Boom finanziert, ist teurer geworden. Cronberg verweist auf eine Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von inzwischen über fünf Prozent. Für hoch bewertete Technologieunternehmen ist das besonders heikel: Ein erheblicher Teil ihres Börsenwerts beruht auf Gewinnen, die erst in Zukunft erwartet werden. Steigende Zinsen drücken deren heutigen Wert.
Gleichzeitig verschlingt der Ausbau der KI-Infrastruktur enorme Summen. Allein die fünf grössten US-Technologiekonzerne dürften laut Cronberg 2025 und 2026 zusammen mehr als eine Billion US-Dollar investieren. Aus der Technologiegeschichte wird damit zunehmend eine Finanzierungsgeschichte. Ein Teil spielt sich ausserhalb der Konzernbilanzen ab: Zweckgesellschaften bauen beispielsweise Rechenzentren, welche die Technologiekonzerne anschliessend langfristig mieten.
«Je teurer Kapital wird, desto stärker zählt nicht nur, wie viel investiert wird, sondern wer das Risiko trägt und wie lange die Finanzierung gesichert ist», sagt Alessandro Sgro, Anlagechef der Cronberg AG.
Besonders aufmerksam verfolgt Cronberg die Entwicklung sogenannter semiliquider Private-Credit-Fonds. Diese investieren in langfristige, kaum gehandelte Kredite, ermöglichen ihren Anlegern aber regelmässige Rückgaben. Ihr Vermögen ist gemäss der Analyse von knapp neun Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf rund 238 Milliarden Ende 2025 gewachsen.
Im ersten Quartal 2026 registrierten die 14 grössten dieser Fonds erstmals mehr Abflüsse als Zuflüsse:
Anleger zogen 8,4 Milliarden US-Dollar ab, während 6,3 Milliarden neu hinzukamen. Das Problem: Wollen zu viele Anleger gleichzeitig ihr Geld zurück, könnten Fonds zu Verkäufen gezwungen werden. Sinkende Bewertungen und weitere Rückgaben könnten folgen. «Das ist ein Bankrun ohne Bank», sagt Sgro.
Hinter den einzelnen Risiken steht dieselbe Entwicklung: Jahrelang haben tiefe Zinsen und reichlich Liquidität hohe Bewertungen, wachsende Schulden und komplexe Finanzierungsmodelle begünstigt. Dieses Sicherheitsnetz ist nach Einschätzung von Cronberg weniger verlässlich geworden. Solange Inflation und neue Angebotsschocks drohen, können die Notenbanken die Geldpolitik nicht beliebig lockern. Hohe Staatsdefizite und steigende Zinskosten verschärfen den Druck.
Trotzdem plädiert Cronberg dafür, investiert zu bleiben. Künstliche Intelligenz sei weiterhin ein langfristiger Strukturtrend. «Nicht investiert zu sein, wäre ein ebenso grosser Fehler wie blindes Mitlaufen», sagt Sgro. Entscheidend sei die Auswahl der Unternehmen und die Verteilung der Risiken.
Cronberg investiert deshalb entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette: in Halbleiter und Netzwerkinfrastruktur ebenso wie in Stromnetze und Kühlung. Im Fokus stehen Unternehmen mit Preissetzungsmacht und bereits heute robusten Erträgen. Finanzwerte in Regionen mit steigenden Zinsen sowie Basiskonsumgüter sollen zusätzliche wirtschaftliche Treiber ins Portfolio bringen.
«So bleiben wir an den Gewinnern des technologischen Wandels beteiligt, ohne das Portfolio von wenigen Unternehmen oder einem einzigen Zins- und Konjunkturszenario abhängig zu machen», erklärt Samuel Dürr, Analyst bei Cronberg.
Die vollständige Analyse erscheint im neuen Cronberg-Anlagebulletin 1/26 «Graue Nashörner». Die Cronberg AG berät seit über 30 Jahren Privat- und Firmenkunden, Familien sowie Pensionskassen. Sie beschäftigt 14 Mitarbeiter in den Bereichen Treuhand, Family Office und Vermögensverwaltung. Neben Privatvermögen verwaltet sie kollektive Kapitalanlagen und Vermögenswerte von Vorsorgeeinrichtungen. 2021 erhielt Cronberg als einer der ersten unabhängigen Vermögensverwalter der Schweiz die Finma-Bewilligung zur Verwaltung von Kollektivanlagen. Die Cronberg-Fonds wurden mehrfach mit einem Lipper Fund Award ausgezeichnet.