Ex-EPFL-Chef jagt die nächsten Tech-Stars
Text: pd/stz.
Spitzenforschung für die nächste Gründergeneration: Die im Jahr 2000 in St.Gallen gegründete b2venture AG mit Hauptsitz in der Gallusstadt erweitert ihr Team um Martin Vetterli. Als Venture Partner unterstützt er die Gesellschaft bei der technologischen Bewertung und Weiterentwicklung von Deep-Tech-Investments, also Beteiligungen an Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf anspruchsvollen wissenschaftlichen oder technischen Innovationen beruhen.
Vetterli bringt dafür Forschungserfahrung und ein internationales Netzwerk mit. Er präsidierte die ETH Lausanne EPFL von 2017 bis 2024 und leitete zuvor den Nationalen Forschungsrat des Schweizerischen Nationalfonds. Zu seinen akademischen Stationen zählen auch die Columbia University und die University of California in Berkeley. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Arbeiten zur digitalen Signalverarbeitung.
«Die besten Ideen aus der Forschung entfalten ihre Wirkung oft erst dann, wenn sie auf unternehmerisches Talent und das richtige Kapital treffen», sagt Vetterli. Bei b2venture will er Teams mit solchen Ideen früh erkennen und auf ihrem unternehmerischen Weg begleiten.
Für Gründungspartner Florian Schweitzer ist der Zugang zu dieser Expertise ein wichtiger Gewinn: «Sein tiefes technisches Verständnis und seine Erfahrung beim Aufbau weltweit führender Forschungseinrichtungen sind für uns und unsere Portfoliounternehmen von grossem Wert.»
Mit Investitionen in junge Unternehmen ist Vetterli bereits vertraut
Als privater Investor unterstützte er rund zwei Dutzend seiner ehemaligen Doktoranden und Postdoktoranden, die Unternehmen gründeten. Im begleitenden Gespräch mit Schweitzer beschreibt er seine Motivation so: «Es war in erster Linie eine Frage der Loyalität, keine Altersvorsorge.» Mit seinem finanziellen Engagement habe er zeigen wollen, dass er an die jungen Unternehmer glaube.
Dabei zieht Vetterli klare Grenzen: Professoren sollten weder übermässig grosse Beteiligungen beanspruchen noch versuchen, Unternehmen aus ihren Laboren zu kontrollieren. Wer Forscher zur Selbstständigkeit führe, müsse ihnen diese Unabhängigkeit auch als Unternehmer zugestehen.
Europas Potenzial verortet Vetterli besonders in der Verbindung von Software und industrieller Erfahrung. «Die vielversprechendere Chance liegt dort, wo KI auf die physische Welt trifft: Robotik, fortschrittliche Fertigung und Präzisionstechnik.» Der Alpenraum von Lausanne und Zürich bis München verfüge über gewachsenes Maschinenbauwissen, leistungsfähige Zulieferer und eine starke Berufslehre. Diese Fähigkeiten liessen sich andernorts nicht kurzfristig nachbilden.
Damit passt Vetterlis Engagement zur Ausrichtung des fünften b2venture-Fonds. Der im Januar 2026 mit 150 Millionen Euro geschlossene Fonds konzentriert sich unter anderem auf künstliche Intelligenz, Robotik, Fertigung, Automatisierung und Infrastruktur.
Damit aus wissenschaftlichen Ideen mehr erfolgreiche Unternehmen entstehen, braucht es aus Vetterlis Sicht auch Veränderungen an den Hochschulen. Er plädiert für kleine Förderbeiträge, flexible Bildungswege und mehr Raum zum Experimentieren. Europa könne vom Silicon Valley lernen, ohne es zu kopieren. «Die Zutaten sind vorhanden; was noch fehlt, ist eine grössere Risikobereitschaft.»
b2venture verbindet Fondsinvestments mit direkten Beteiligungen und einem Netzwerk von mehr als 350 privaten Investoren, Unternehmern und Branchenexperten. Zu den von der Gesellschaft begleiteten Unternehmen zählen DeepL, 1KOMMA5°, Raisin, SumUp, Nelly und Urban Sports Club sowie Araris Biotech und Neura Robotics.