St.Gallen

Ex-EPFL-Chef jagt die nächsten Tech-Stars

Ex-EPFL-Chef jagt die nächsten Tech-Stars
Martin Vetterli
Lesezeit: 3 Minuten

Er führte die ETH Lausanne, jetzt nimmt er für St.Galler Investoren die Technologieunternehmen von morgen ins Visier: Martin Vetterli wird Venture Partner bei b2venture. Der Spitzenforscher soll vielversprechende Firmen früh entdecken und begleiten. Europas grosse Chance sieht er dort, wo künstliche Intelligenz auf industrielle Stärke trifft.

Text: pd/stz.

Mit Investitionen in junge Unternehmen ist Vetterli bereits vertraut

Als privater Investor unterstützte er rund zwei Dutzend seiner ehemaligen Doktoranden und Postdoktoranden, die Unternehmen gründeten. Im begleitenden Gespräch mit Schweitzer beschreibt er seine Motivation so: «Es war in erster Linie eine Frage der Loyalität, keine Altersvorsorge.» Mit seinem finanziellen Engagement habe er zeigen wollen, dass er an die jungen Unternehmer glaube.

Dabei zieht Vetterli klare Grenzen: Professoren sollten weder übermässig grosse Beteiligungen beanspruchen noch versuchen, Unternehmen aus ihren Laboren zu kontrollieren. Wer Forscher zur Selbstständigkeit führe, müsse ihnen diese Unabhängigkeit auch als Unternehmer zugestehen.

Europas Potenzial verortet Vetterli besonders in der Verbindung von Software und industrieller Erfahrung. «Die vielversprechendere Chance liegt dort, wo KI auf die physische Welt trifft: Robotik, fortschrittliche Fertigung und Präzisionstechnik.» Der Alpenraum von Lausanne und Zürich bis München verfüge über gewachsenes Maschinenbauwissen, leistungsfähige Zulieferer und eine starke Berufslehre. Diese Fähigkeiten liessen sich andernorts nicht kurzfristig nachbilden.

Damit passt Vetterlis Engagement zur Ausrichtung des fünften b2venture-Fonds. Der im Januar 2026 mit 150 Millionen Euro geschlossene Fonds konzentriert sich unter anderem auf künstliche Intelligenz, Robotik, Fertigung, Automatisierung und Infrastruktur.

Damit aus wissenschaftlichen Ideen mehr erfolgreiche Unternehmen entstehen, braucht es aus Vetterlis Sicht auch Veränderungen an den Hochschulen. Er plädiert für kleine Förderbeiträge, flexible Bildungswege und mehr Raum zum Experimentieren. Europa könne vom Silicon Valley lernen, ohne es zu kopieren. «Die Zutaten sind vorhanden; was noch fehlt, ist eine grössere Risikobereitschaft.»

b2venture verbindet Fondsinvestments mit direkten Beteiligungen und einem Netzwerk von mehr als 350 privaten Investoren, Unternehmern und Branchenexperten. Zu den von der Gesellschaft begleiteten Unternehmen zählen DeepL, 1KOMMA5°, Raisin, SumUp, Nelly und Urban Sports Club sowie Araris Biotech und Neura Robotics.

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