Diese Trends sollten Industrieunternehmen 2020 nicht verpassen
04.02.2020

Diese Trends sollten Industrieunternehmen 2020 nicht verpassen

Welche Entwicklungen und Technologien werden dieses Jahr für Industrieunternehmen entscheidend? Die Fullservice-Digitalagentur Namics aus St.Gallen hat vier Kern-Trends identifiziert. Maximilian Hummel, Industrie-Experte und Principal Business Consultant bei Namics, weiss, wie die Branche mit diesen umgehen soll und was Unternehmen bei der Umsetzung beachten müssen.

Trend 1: Self-Service-Plattformen
Aus dem B2C-Bereich sind Kundenportale mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Nun erkennen auch B2B-Unternehmen das Potenzial und investieren verstärkt in Self-Service-Plattformen. Das hat vor allem zwei Gründe:
- 24/7 Verfügbarkeit bei gleichzeitiger Kostensenkung: Web-Interfaces sind nicht nur rund um die Uhr für die Kunden verfügbar, sondern bieten Einsparpotenzial bei Support und Sales.
- Umsatzgenerierung: Mit einer zentralen digitalen Anlaufstelle bündeln Industrieunternehmen den Kundenkontakt und alle Funktionalitäten, wie etwa Dashboards, Bestellübersichten, Loyalitätsprogramme oder personalisierte Angebote, an einem Ort. Das dient dazu, gezieltes Marketing zu betreiben und den Umsatz des Kerngeschäfts (Re-, Up- & Cross-Selling) zu optimieren. 

„Wichtig ist es, die Self-Service-Plattform integriert zu betrachten und als echten Single-Point-of-Contact zu verstehen”, rät Hummel. Ein durchdachtes Konzept, das alle integrierten Systeme und deren Schnittstellen berücksichtigt, ist daher unumgänglich. Die Architektur muss zudem allen funktionalen Anforderungen, wie Features, Usability, Daten und Schnittstellen, wie auch non-funktionalen Voraussetzungen, etwa der Stabilität, Last und Sicherheit gerecht werden.

Trend 2: Business Innovation und Business Modelling
Neue Technologien, wie IoT-Konnektivität, Analytics und eine höhere Bandbreite, ermöglichen neue Umsatzmodelle. Unternehmen müssen diese gezielt identifizieren, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und neue Märkte zu erschliessen. Ein beliebter Trend ist dabei „Anything-as-a-service” (XaaS), also aus den eigenen Produkten und deren Nutzen ein Serviceangebot zu entwickeln. Für Digital-Business-Innovation-Projekte rät Hummel, diese drei Aspekte zu berücksichtigen:
- Interdisziplinarität: Verschiedene Ebenen und Fachbereiche – von der Geschäftsführung über die IT bis hin zu den Experten für UX (User Experience) – müssen eng zusammenarbeiten und eine gemeinsame umfassende Lösung entwickeln. Starre Strukturen und Prozess sind hier eher kontraproduktiv.
- Pragmatik: Warum das Rad neu erfinden, wenn man auf vorhandene Bausteine setzen kann? Pragmatische Lösungen bedürfen allerdings auch einer präzisen, nicht zu breit gefassten Aufgabenstellung und Zielsetzung.
- Fokus auf die Markteinführung: Für den Geschäftserfolg ist es entscheidend, sich nicht in der Konzeptionsphase zu verlieren. Durch einen schnellen Go-to-Market-Ansatz können sie mit ihren Angeboten früh den Markteintritt erproben und gesammelte Erkenntnisse wiederum in den Produktentstehungsprozess einfliessen lassen. 

Trend 3: Serviceorientierte Architekturen und Microservices
Eine erfolgreiche serviceorientierte Architektur folgt dem Baukastenprinzip: Komplexe Fragen werden über einzelne Teilprobleme erfasst und gelöst. Dabei helfen Microservices, also Dienste, die jeweils eine kleine Aufgabe erfüllen. Verschiedene Prozesse lassen sich dabei wie Module zu einer komplexen Software verbinden. Das ermöglicht es, Systeme beliebig zu erweitern, individuell zu verändern sowie in Umsysteme zu integrieren.

Das Aufsetzen einer serviceorientierten Architektur erfordert jedoch Zeit. Hier sollten Unternehmen vor allem in die Konzeptionsphase investieren. „Besonders wichtig ist ein interdisziplinäres Team aus verschiedenen Fachleuten”, so Hummel. „Auf diese Weise erkennt man von Anfang an alle wichtigen Abhängigkeiten. Denn zu jeder visuellen Aktion gehört meist auch eine technische Interaktion sowie eine entsprechende Infrastrukturkomponente.” Die Zielarchitektur sollte zudem die jeweilige Branche und den Industriesektor berücksichtigen. Prototyping kann hierbei unterstützen.

Trend 4: Clouds
Die heutigen anspruchsvollen Anforderungen an Online-Anwendungen lassen sich auf eigener Infrastruktur kaum mehr umsetzen. Cloud-Angebote haben sich bewährt und etabliert. Sowohl im Bereich der Bandbreite als auch bei der Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit sind sie Inhouse-Lösungen überlegen. Selbst die stark regulierte Finanz- oder Pharmabranche setzen auf die Technologie und unterstreichen damit deren Seriosität.

Um cloud-basierte Dienste zu nutzen und von deren State-of-the-Art-Funktionalitäten zu profitieren, benötigen Industrieunternehmen allerdings Spezialisten, die mit umfangreicher Cloud-Expertise von der Konzeption bis zur Entwicklung unterstützen können. „Eine reine Migration alter Systeme auf eine Cloud-Plattform ist wenig zielführend und funktioniert meist schlecht”, weiss Hummel. „Vielmehr müssen Unternehmen ihre Konzepte von Anfang an konsequent auf die Cloud ausrichten.”

Maximilian Hummel ist Industrie-Experte und Principal Business Consultant bei Namics.