Bauwerk blickt optimistisch in die Zukunft
25.09.2019

Bauwerk blickt optimistisch in die Zukunft

Mitte der 1930er-Jahre begann Gründer Ernst Göhner mit der Produktion eines neuen Holzfussbodens. Heute vor 75 Jahren, am 25. September 1944, wurde der in der Schweiz auch als Klötzliparkett bekannte Bodenbelag erstmals und mit eigens entwickelten Maschinen in St.Margrethen industriell hergestellt. Kein Zufall also, dass die Bauwerk Parkett AG die zuversichtlich stimmenden Zahlen des 1. Halbjahres 2019 genau heute vorgestellt hat.

Seit 1944 hat sich am Hauptsitz viel verändert und das Unternehmen hat sich zu einem der grössten Parketthersteller europaweit entwickelt. In den vergangenen Monaten wurden am Standort St.Margrethen bauliche Veränderungen sichtbar. Im westlichen Bereich des Geländes, wo vorher Holz gelagert wurde, entsteht zukünftig eine Parkanlage mit Baumlehrpfad. Eine Idee der Mitarbeiter, die auch aktiv an der Umsetzung des Projektes beteiligt sind. Ökologisches Bewusstsein und Nachhaltigkeit liegen dem Schweizer Traditionsunternehmen seit jeher am Herzen und äussern sich unter anderem in der Cradle-to-Cradle-Zertifizierung aller Bauwerk-Produkte, die das Werk in St.Margrethen verlassen. Auch deshalb arbeitet das Projektteam zum Baumlehrpfad eng mit dem Verein «Pro Riet Rheintal» zusammen, der sich für eine naturnahe Kulturlandschaft mit vielfältigen Lebensräumen engagiert.

Stark im St.Galler Rheintal verankert
Aufgrund der starken regionalen Verankerung und des grossen Engagements für nachhaltige Produkte und die Kreislaufwirtschaft, wurde Bauwerk vor Kurzem informiert, dass das Unternehmen mit dem «Preis der Rheintaler Wirtschaft 2020» ausgezeichnet wird. Die öffentliche Verleihung des Preises findet am Rheintaler Wirtschaftsforum am 17. Januar 2020 in Widnau statt. Damit werden nicht nur Leistung und Erfolge des Unternehmens honoriert, sondern auch die hohe Qualität dieses Schweizer Produkts.

Mit der Eröffnung des Sägewerks in Kroatien im vergangenen Jahr konnte die Rohstoffbeschaffung gesichert und rohstofforientierte Arbeitsschritte, wie die Trocknung und der Zuschnitt von Lamellen im Ursprungsland des Holzes angesiedelt werden. Durch die Vorfertigung im kroatischen Sägewerk leistet Bauwerk einen Beitrag zur Entlastung des Güterverkehrs auf den Strassen und hat somit einen deutlich geringeren CO2 Ausstoss.

Am Schweizer Standort in St.Margrethen sind aus diesem Grund äusserliche Veränderungen sichtbar. Erste Holzlagerflächen wurden freigeräumt und die Freilufthallen, die bis anhin zur Lagerung und Trocknung des Holzes gedient haben, sollen bis 2022 zurückgebaut werden. Neben einer Parkanlage mit einem Baumlernpfad entsteht auch eine neue Lagerhalle. Die Baubewilligung hierfür wurde bereits eingeholt, der Bau im südlichen Teil des Geländes wird im 2021 beginnen und fertiggestellt werden. Einen Teil des gesamten Geländes hat Bauwerk 2017 an die Eidgenössische Zollverwaltung verkauft. Ab 2022/23 betreibt diese dort in neuen Gebäuden einen Hightech-Scanner zum Durchleuchten von Fahrzeugen. Ein mobiles Scann-Gerät ist bereits in der bestehenden Halle installiert und in Betrieb.

Neue Park- und Grünanlage
Im westlichen Geländeabschnitt entsteht auf einer Fläche von rund 2500 qm eine Park- und Grünanlage. Ein Rundweg mit einem Baumlehrpfad, eine Idee der Bauwerk Mitarbeiter, wird nun mit tatkräftiger Unterstützung dieser Mitarbeiter ins Leben gerufen. Ausserdem werden Sitzplätze geschaffen und es entsteht ein Pavillon für Events. Ziel ist es, die Anlage so naturnah wie möglich zu gestalten. Um dieses Vorhaben umzusetzen, ist das Projektteam eine Partnerschaft mit «Pro Riet» eingegangen. Der Verein schafft neue, naturnahe Lebensräume auf ehemals intensiv genutzten Parzellen. Mit dieser ökologischen Aufwertung leistet Bauwerk einen Beitrag zum Erhalt der Natur, wie es das Unternehmen auch schon mit seinem Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft und der «Cradle to Cradle»-Produktzertifizierung tut. Die Modellierung des Geländes und die Planung des Rundwegs sollen bis Ende dieses Jahres fertiggestellt werden, Aussaat und Bepflanzung erfolgen im Frühling 2020.

Die Umgestaltung des Geländes geht einher mit Investitionen in die Produktion am Standort im St.Galler Rheintal, wo 61 % der Produkte von Bauwerk hergestellt, bzw. veredelt werden. Hierzu gehören wesentliche Prozessschritte, wie das Verleimen und Verpressen, die Oberflächenbehandlung (Bürsten, Ölen/Lackieren) sowie die Profilierung und die Endkontrolle.

11,6 Millionen in den Produktionsstandort St.Margrethen investiert
Seit 2014 hat Bauwerk 11,6 Millionen Franken in den Produktionsstandort St.Margrethen investiert. Neben Investitionen in die Abteilung Forschung und Entwicklung ist ein grosser Betrag in die Produktion und den Kauf neuer Maschinen geflossen. So ermöglicht der neue Trockner zusätzliche Optionen in der Oberflächenbehandlung: Es kann schnell mit mehreren Oberflächenschichten gearbeitet werden. Dadurch wird eine Vielzahl an weiteren Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen. Die vor knapp einem Jahr aufgestellte Endbearbeitungslinie (EB 6) ist bis zur Verpackung automatisiert und zeichnet sich durch eine effizientere Endverarbeitung als die vorherige Lösung aus. Mit dieser Investition wurde jedoch nicht nur die Effizienz gesteigert, sondern es ergeben sich auch hier zusätzliche Möglichkeiten in der Produktion.

Des Weiteren investierte das Schweizer Traditionsunternehmen in einen Kittautomaten, der Astlöcher automatisch und qualitativ hochwertig ausfüllt. Der Trend zu rustikalen Landhausdielen mit vielen Astlöchern ist seit einiger Zeit stark ausgeprägt und ungebrochen. Mit der neuen Anschaffung kann bei der Verarbeitung viel Zeit eingespart und eine noch bessere Qualität erzielt werden.

2019: Massnahmen beginnen zu greifen
Der währungsbereinigte Umsatz der Bauwerk Boen Group lag im ersten Halbjahr 2019 knapp unter der Vorjahresperiode, legte im Vergleich zum 2. Halbjahr 2018 jedoch um 3.5 % zu. Mengenmässig entwickelten sich die wichtigen Absatzmärkte Norwegen und Deutschland unterschiedlich. In Norwegen setzte sich der Rückgang im Parkettabsatz wegen der Lagerbereinigung bei einem Grosskunden mit -17 % weiter fort, während sich in Deutschland die Marktsituation stabilisierte und die abgesetzten Volumen sich auch aufgrund von Marktanteilsgewinnen mit 10 % positiv entwickelten. Obwohl die insbesondere in den Bereichen Materialeffizienz und Produktivität getroffenen Massnahmen zu greifen beginnen, ergab sich im Vergleich zum sehr starken 1. Semester 2018 ein Margenrückgang auf Stufe EBITDA auf 9.8 % und auf Stufe EBIT auf 5.5 %. Das Unternehmensergebnis betrug CHF 5.4 Mio. Die Bauwerk Boen Group ist zuversichtlich, mit den eingeleiteten Massnahmen im laufenden Geschäftsjahr – stabile Volumen vorausgesetzt – den Umsatz halten und die Ertragszahlen wieder verbessern zu können.

Der konsolidierte Nettoumsatz der Bauwerk Boen Group belief sich im ersten Halbjahr 2019 auf CHF 146.2 Mio. und lag damit um 3 % unter Vorjahr (CHF 150.7 Mio.). Bereinigt um Währungsdifferenzen bei Anwendung des Vorjahreswechselkurses betrug die Reduktion 1.6 %. Im Vergleich zur starken Leistung der Vorjahresperiode lagen die Ertragskennzahlen im 1. Halbjahr 2019 deutlich unter den Ergebnissen des 1. Halbjahrs 2018. So betrug das betriebliche Ergebnis EBITDA CHF 14.4 Mio., gegenüber CHF 17.2 Mio., ein Rückgang um 16.4 %. Die daraus resultierende EBITDA-Marge lag bei 9.8 % (11.4 % in der Vorjahresperiode).

Leicht rückläufige Volumen
Das Volumen der unter den beiden Marken Bauwerk Parkett und Boen verkauften Parkette lag im 1. Semester 2019 bei 4.5 Millionen Quadratmetern, 2 % unter dem Volumen der Vorjahresperiode. Während sich der deutsche Markt nach dem schwachen Parkettabsatz in 2018 in der Berichtsperiode leicht erholt zeigt, entwickeln sich Norwegen und Dänemark weiterhin rückläufig.

In der Schweiz normalisiert sich die Bautätigkeit mit damit einhergehenden leicht abnehmenden Gesamtvolumen. Das Vereinigte Königreich weist eine schwache Verbrauchsentwicklung auf Basis der Unsicherheiten in Zusammenhang mit der Brexit-Debatte auf, während China erste negative Konsequenzen des Handelskrieges mit den USA zeigt. In den USA gelang, wenn auch auf noch tiefem Niveau, eine erfreuliche Umsatzausweitung. Insgesamt tragen die Exportmärkte ausserhalb Europas rund 8 % zum Gesamtumsatz bei, wobei Asien immer noch der Hauptanteil zufällt.

Effizienzverbesserung dank Stabilisierung im kroatischen Parkettwerk
Die im letzten Jahr in Kroatien eingeleiteten Massnahmen zur Sicherstellung der anspruchsvollen und nachhaltigen Materialversorgung sowie der Verbesserung der Herstellkosten beginnen zu greifen. Ebenso haben die im Werk Litauen getätigten Investitionen in die weitere Effizienzsteigerung zur Verbesserung der Produktivität beigetragen. So konnte die Materialquote im Vergleich zur Vorjahresperiode insgesamt leicht, um 60 Basispunkte, im Vergleich zum stark belasteten 2. Halbjahr 2018 aber deutlich, um 200 Basispunkte, verbessert werden.

Belastend wirkten die insbesondere in Litauen und Kroatien anfallenden Lohnkostensteigerungen sowie die höheren übrigen Betriebsaufwände. Insgesamt reduzierte sich das betriebliche Ergebnis EBITDA auf CHF 14.4 Mio., gegenüber CHF 17.2 Mio. in der sehr guten Vorjahresperiode (-16.4 %). Die daraus resultierende EBITDA-Marge lag bei 9.8 % (11.4 % im Vorjahr). Adjustiert um Einmaleffekte, im wesentlichen Kosten im Zusammenhang mit den Effizienzsteigerungsprogrammen in Litauen und Kroatien, dem Aufbau des Werkes in Kroatien sowie positiver Währungseffekte, belief sich das bereinigte Bruttoergebnis auf CHF 15.2 Mio., entsprechend einer EBITDA-Marge von 10.3 % (Vorjahresperiode 12.0 %).

Das Betriebsergebnis nach Abschreibungen EBIT betrug CHF 8.1 Mio. oder 5.5 % vom Nettoumsatz, im Vergleich zu CHF 11.3 Mio. oder 7.5 % EBIT-Marge im Vorjahr (-28.8 %). Adjustiert um die erwähnten Sonder- und Währungseffekte betrug das EBIT CHF 8.8 Mio. oder 6.0 % vom Nettoumsatz (Vorjahr 8.0 %). Im Vergleich zum von hohen Materialkosten stark belasteten 2. Halbjahr 2018 zeichnete sich aber auf Stufe EBITDA eine erfreuliche Margenverbesserung um 170 Basispunkte und auf Stufe EBIT um 150 Basispunkte ab. Das Unternehmensergebnis des 1. Semesters 2019 betrug CHF 4.6 Mio. und lag damit deutlich unter dem guten Ergebnis der Vorjahresperiode (CHF 7.0 Mio., minus 34.3 %).

Solide Finanzierung
Die Bilanz- und Finanzkennzahlen der Bauwerk Boen Group per 30. Juni 2019 sind nach wie vor solide. Die Eigenkapitalquote per Stichtag lag, unter Einrechnung der nachrangigen Aktionärsdarlehen, bei 42.9 % (42.3 % per 30.06.2018). Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Finanzverbindlichkeiten um rund CHF 7 Mio. reduziert werden.

Die Obligationenanleihe der Bauwerk Parkett AG im Betrag von CHF 80 Mio. wurde per 22. Mai 2018 mit den Syndikatsbanken, Helvetische Bank AG, Zürich, und der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft, St.Gallen, zu 100 % mittels einer 5-jährigen Anleihe von Bauwerk Boen AG refinanziert. Somit blieben die guten Bilanzkennzahlen nach der Anleihensemission unverändert.

Ausblick 2019
Obwohl die Situation an den Rohstoffmärkten sich langsam stabilisiert, übersteigt die weltweite Nachfrage nach Eichenholz und insbesondere den daraus gefertigten, feinen Sortierungen an grossformatigen Parkettdielen das Angebot nach wie vor. Aufgrund des anhaltend anspruchsvollen Umfeldes ist es zudem schwierig, die hohen Materialkosten auf den Markt umzulegen.

Die Bauwerk Boen Group ist aber dennoch zuversichtlich, mit den eingeleiteten Massnahmen im laufenden Geschäftsjahr – stabile Volumen vorausgesetzt – den Umsatz zu halten und dank den getroffenen Effizienzmassnahmen die Ertragszahlen für das Jahr 2019 und insbesondere in der 2. Jahreshälfte weiter verbessern zu können.

Nachdem die wesentlichen Investitionen in den Auf- und Ausbaus des Werkes und der Infrastruktur in Đurđevac/Kroatien sowie für Automatisierungslösungen zur weiteren Steigerung der Produktivität in Kietaviškės /Litauen im Jahr 2018 getätigt wurden, gehen die Investitionen für das Gesamtjahr 2019 auf ein normales Niveau von rund CHF 10-12 Mio. zurück.