Wirtschaftsraum Thurgau

«Wir wollten keine halben Sachen»

«Wir wollten keine halben Sachen»
Heinz Schadegg
Lesezeit: 4 Minuten

Die Thurgauer Messe WEGA ist der Höhepunkt im Herbst für eine ganze Region. Doch zum zweiten Mal in Folge konnte die beliebte Publikumsmesse Ende September nicht stattfinden. Verwaltungsratspräsident Heinz Schadegg erklärt, weshalb Zutrittskontrollen an der WEGA nicht möglich sind und wie gross der wirtschaftliche Schaden ist.

 

Heinz Schadegg, wie schwer ist es Ihnen gefallen, die WEGA erneut abzusagen?
Als wir sahen, wie gross der Aufwand wäre, um eine WEGA mit Covid-Zertifikationspflicht durchzuführen, mussten wir erkennen: Es geht einfach nicht. Das hat weh getan. Wir hatten im Vorfeld sehr viele Gespräche geführt und Abklärungen getroffen. Der Entscheid ist uns keinesfalls leichtgefallen. Für uns war immer wichtig, dass es eine «richtige» Messe sein muss, wenn wir die WEGA organisieren. Wir wollten keine halben Sachen. Dort, wo WEGA draufsteht, muss auch WEGA drin sein.

 

«Mit 400 Ausstellern und 100 000 Besuchern brauchen wir eine bestimme Vorlaufszeit.»

Wie gross war die Enttäuschung bei den Ausstellern und in der Bevölkerung?
Die Enttäuschung war rund um sehr gross. Die Menschen wollen wieder nach draussen, wollen wieder zusammenkommen und feiern, aber für uns war die Planungsunsicherheit zu gross. Zudem gab es keine finanzielle Absicherung. Weder die Organisatoren noch die Aussteller hätten eine Entschädigung bekommen, wenn die Messe kurz vor Beginn wieder hätte abgesagt werden müssen. Trotz aller Enttäuschung stiess der Entscheid auch auf viel Verständnis. Wir bekamen von verschiedenen Seiten Zuspruch, aufgrund der aktuellen Lage richtig entschieden zu haben.

Der Entscheid fiel bereits Ende Juli. Weshalb so früh?
Das war nicht früh, sondern verhältnismässig spät: 2020 hatten wir die WEGA bereits im April abgesagt. Dieses Jahr verlief die Planung etwas anders: Wir schrieben im Januar/Februar alle Aussteller an und informierten sie darüber, dass wir ein neues Konzept mit kürzeren Anmeldungs- und Zahlungsfristen erarbeitet hatten. Wir wussten, dass jene Partner, die kommen wollen, auch bei kürzeren Fristen dabei sind. Trotzdem hätten wir mit dem Entscheid nicht länger als Ende Juli warten können. Bei einer Messe mit über 400 Ausstellern und rund 100 000 Besuchern brauchen gewisse Arbeiten wie etwa der Aufbau eine bestimme Vorlaufszeit. In weniger als zwei Monaten wäre das nicht zu schaffen gewesen.

Warum konnte die OLMA stattfinden und die WEGA nicht?
Bei der OLMA sind die Voraussetzungen ganz anders: Sie findet auf einem eingezäunten Messegelände statt und es gibt Eingangskontrollen. Die WEGA hingegen ist eine Messe ohne Eintritt und findet zwischen den Häusern, in Zelten und auf den Plätzen mitten in Weinfelden statt. Wir hätten um das ganze Dorf einen Zaun ziehen sowie Zutrittskontrollen und Testcenter organisieren müssen, um die vorgeschriebenen 3G-Regeln erfüllen zu können … Das war weder logistisch noch finanziell machbar. Wir hatten diesbezüglich auch sehr gute Gespräche mit der Regierung. Wir diskutierten das Für und Wider mehrmals und kamen gemeinsam zum Schluss, dass eine WEGA in diesem Jahr nicht drin liegt.

 

Wie gross ist der finanzielle Schaden, der durch die zweite Absage entstanden ist?
Dieser hält sich in diesem Jahr im Rahmen, zum Glück. Dies, weil wir die kürzeren Fristen für Aussteller einführten und sehr vorsichtig planten. Im vergangenen Jahr war das anders; vieles war im April, als wir die Messe absagen mussten, bereits aufgegleist. Da betrug der Schaden rund 130 000 Franken. Wir wussten, dass die WEGA einen solchen Ausfall kein zweites Mal verkraften würde.

Was bedeutet ein weiteres, messeloses Jahr für den Messeplatz Weinfelden?
Es ist natürlich sehr schade, dass die Messe nicht stattfinden kann. Aber ich glaube nicht, dass Weinfelden dadurch als Messeplatz in Vergessenheit gerät. Vielen in der Bevölkerung fehlt die WEGA als gesellschaftlicher Anlass. Das spüre und höre ich immer wieder, wenn ich durch die Strassen und Gassen gehe. Ich werde deswegen oft angesprochen. Vielen Gastro- und Handwerksbetrieben, Ausstellern und Zulieferern fehlt jedoch viel Geld in der Kasse – und das bereits zum zweiten Mal in Folge. Dieser wirtschaftliche Schaden ist nicht zu unterschätzen: Es gibt Berechnungen, die sagen, dass bei einem Aufwand von 1,5 Millionen Franken, den wir für die WEGA betreiben, rund 7,5 Millionen Franken innerhalb der fünf WEGA-Tage umgesetzt werden. Dieses Geld fehlt nun definitiv.

Wie gross ist die Chance, dass es nächstes Jahr im September wieder eine WEGA geben wird?
Ich bin überzeugt, dass aus heutiger Sicht und mit dem gewissen Impfdruck, den es momentan gibt, die WEGA nächstes Jahr durchgeführt werden kann. Es wäre dann meine letzte Messe als WEGA-Präsident. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich zehn Jahre bleiben werde. Einen Nachfolger gibt es schon. Er ist bereit, möchte aber, dass ich zur Unterstützung noch etwas im Verwaltungsrat bleibe. Das werde ich tun und mache ich auch gerne. Als Weinfeldner liegt mir die WEGA sehr am Herzen.

 

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