Ostschweiz

Nüesch will die Schweiz für Robotaxis rüsten

Nüesch will die Schweiz für Robotaxis rüsten
Klauspeter Nüesch arbeitet heute in Zürich, Hongkong und Shanghai
Lesezeit: 2 Minuten

Der in St.Gallen und Teufen aufgewachsene Immobilienentwickler Klauspeter Nüesch erwartet einen tiefgreifenden Wandel der Mobilität. In der «Neuen Zürcher Zeitung» fordert er, die Schweizer Verkehrs- und Städteplanung auf autonome Fahrzeuge auszurichten. Eine Schlüsselrolle sollen neue Verkehrsdrehscheiben spielen. Als Beispiel nennt er St.Fiden.

Text: stz.

Für Klauspeter Nüesch ist die Frage nicht, ob Robotaxis den Verkehr verändern werden, sondern wie gut die Schweiz darauf vorbereitet ist. Spätestens ab 2035 rechnet der Architekt und Stadtplaner mit einer starken Verbreitung autonomer Fahrzeuge. Weil grosse Infrastrukturprojekte lange Vorlaufzeiten haben, drängt er auf rasches Handeln.

«Verkehrs- und Städtebauprojekte dauern fünfzehn bis zwanzig Jahre bis zur Umsetzung. Es ist also höchste Zeit, dass wir damit beginnen», sagt Nüesch gegenüber der NZZ. Für seine Vorstellungen wirbt er bereits bei Vertretern der Schweizer Verkehrspolitik. Laut dem Bericht hat er sich dazu auch mit Bundesrat Albert Rösti ausgetauscht.

Nüesch verbindet internationale Erfahrung mit Ostschweizer Wurzeln. Er wuchs in St.Gallen und Teufen auf, besuchte die Mittelschule in Trogen und studierte Architektur an der ETH Zürich. Sein Unternehmen Nüesch Development hat unter anderem das Westside in Bern und das Zürcher Stadtquartier Greencity entwickelt.

Ein konkretes Beispiel für seine Mobilitätsvision liegt in St.Gallen: das Areal beim Bahnhof St.Gallen-St.Fiden

Nüesch verweist auf frühere Überlegungen, das Bahngebiet zu überdecken und darüber einen neuen Stadtteil zu schaffen. Eine Machbarkeitsstudie von 2019, an der er beteiligt war, zeigte entsprechende Möglichkeiten auf.

Die Kosten für die Überdeckung veranschlagte Nüesch auf 250 bis 300 Millionen Franken. Nach seinem Modell sollten private Investoren dafür aufkommen. Die zusätzliche Bebauung müsste genügend Wert schaffen, um die Überdeckung und die darauf errichteten Gebäude zu finanzieren. Dafür wären nach seiner Einschätzung durchschnittlich sechs bis acht Geschosse nötig. Die Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt; laut NZZ entzogen die SBB dem Projekt später ihre Unterstützung.

Für Nüesch bleibt St.Fiden ein Beispiel dafür, wie sich Stadtentwicklung und Mobilität verbinden liessen. Schweizweit sieht er Bedarf für mindestens zwanzig sogenannte Mobility-Hubs. Diese sollen den Wechsel zwischen Robotaxi und Fernverkehr erleichtern. Die Investitionskosten schätzt er auf mehrere hundert Millionen Franken pro Standort.

 

OD  La Culina  

Dabei erwartet Nüesch durch autonome Fahrzeuge keineswegs automatisch weniger Verkehr

Günstige und bequeme Robotaxis könnten zusätzliche Fahrten auslösen und Menschen zum Umsteigen vom öffentlichen Verkehr oder vom Velo bewegen. Umso wichtiger sei es, die Bahn auf langen Strecken attraktiv zu halten und die Anschlüsse einfach zu gestalten.

Unter Druck geraten könnten seiner Einschätzung nach dagegen schlecht ausgelastete Buslinien und Regionalzüge. Der öffentliche Verkehr könnte sich stärker auf seine leistungsfähigen Verbindungen konzentrieren. Zugleich sieht Nüesch Chancen für Menschen, die nicht selbst fahren können, und für Städte, in denen ein kleinerer Fahrzeugbestand Platz freigeben könnte.

Seine Forderung richtet sich deshalb ebenso an die Verkehrsplanung wie an die Immobilienwirtschaft: Wer die Städte von morgen entwickle, müsse die Veränderungen der Mobilität bereits heute berücksichtigen.

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