Bühler liefert Technik für günstigere Autos
Text: stz.
Der Preiskampf auf dem Automarkt wird auch in den Fabriken entschieden. Chinesische Hersteller vereinfachen den Aufbau ihrer Fahrzeuge und reduzieren damit Materialbedarf, Gewicht und Montageaufwand. Europas Autobauer ziehen nach. Wie «Blick» unter Berufung auf die «Wirtschaftswoche» berichtet, hat Volkswagen Druckgiessanlagen mit 9000 Tonnen Schliesskraft bei Bühler bestellt. Die «Wirtschaftswoche» verweist dabei auf den Sanierungsplan des deutschen Konzerns.
Ein zentraler Ansatz zur Kostensenkung ist Cell-to-Chassis. Dabei werden Batterie und Fahrzeugboden konstruktiv miteinander verbunden: Das Batteriesystem übernimmt Aufgaben der tragenden Fahrzeugstruktur. So lassen sich zusätzliche Gehäuse- und Bodenelemente einsparen. Die Integration schafft zudem Platz und kann die Steifigkeit des Fahrzeugs erhöhen. Leapmotor setzt diese Technologie beispielsweise beim C10 ein.
Das Sparpotenzial ist erheblich: Laut dem «Blick»-Bericht rechnen von der «Wirtschaftswoche» angeführte Experten bei Cell-to-Chassis mit 1200 bis 1800 Dollar weniger Produktionskosten pro Fahrzeug. Dabei handelt es sich um Schätzungen, deren Höhe von der jeweiligen Fahrzeugkonstruktion abhängt.
Bühler setzt bei einem weiteren Baustein der effizienteren Autoproduktion an: dem Mega- oder Gigacasting. Grosse Strukturteile werden dabei in einem Stück aus Aluminium gegossen. Nach Angaben des Uzwiler Konzerns kann ein solches Bauteil die Montage von 50 bis 100 Einzelteilen ersetzen. Entsprechend sinkt der Aufwand für Transport, Lagerung und Verbindung der Komponenten. Zugleich lassen sich Gewicht und Materialabfall reduzieren.
Wie sich die Ansätze ergänzen, zeigt der neue Volvo EX60: Seine Plattform integriert die Batterie als tragendes Element in die Fahrzeugstruktur. Gleichzeitig fertigen im schwedischen Werk Torslanda zwei Bühler-Anlagen den hinteren Unterboden als einzelnes Aluminiumbauteil. Dieses ersetzt rund 100 konventionell gefertigte und montierte Komponenten. Die beiden Druckgiessanlagen verfügen über je 8400 Tonnen Schliesskraft.
Auch in China ist Bühler mit seiner Technologie vertreten: Bereits Anfang 2024 bestellte der Automobilzulieferer Duoli Technology vier zusätzliche Anlagen des Typs Carat 920. Die Zusammenarbeit begann 2021. Das Ostschweizer Unternehmen liefert damit einen Teil der Produktionstechnik, mit der Hersteller auf beiden Seiten des Wettbewerbs ihre Kosten senken wollen.