Finanzierung

Liquiditätschonendes Investieren als Wettbewerbsvorteil

Liquiditätschonendes Investieren als Wettbewerbsvorteil
Willi Rodriguez und Mathias Keller: Frühzeitige Beratung
Lesezeit: 4 Minuten

Mathias Keller ist Leiter Firmenkunden Ostschweiz bei Raiffeisen Schweiz. Zusammen mit Firmenkundenberater Willi Rodriguez, der auf Leasing spezialisiert ist, skizziert er die Vorteile, wenn man Betriebsmittel leasen möchte – verschweigt dabei aber die Nachteile nicht.

 

Mathias Keller, Willi Rodriguez, warum liegt das Leasen anstelle des Kaufs von Investitionsgütern im Trend?
MK: Gerade die Corona-Krise hat vielen Unternehmern aufgezeigt, dass ein schonender Umgang mit der Liquidität essenziell sein kann. Mittels Investitionsgüterleasing können topmoderne Maschinen angeschafft und über die Nutzungsdauer resp. über die generierten Cashflows beglichen werden. Damit können Unternehmer auf Trends oder Technologiesprünge reagieren, ohne dass die unternehmerische Flexibilität beeinträchtigt wird.

WR: Die Pandemie hat die Vorteile von Leasing somit untermauert: Auch bei angespannter Liquidität kann ein Unternehmen investieren. Dabei sind nicht zwingend Eigenmittel oder weitere Sicherheiten nötig, da das rechtliche Eigentum am Objekt dem Leasinggeber als Sicherheit dient. Zudem gibt es durch die fix vereinbarten Raten keine Zinsänderungsrisiken. So verbessert Leasing zusätzlich die Planungssicherheit.

In vielen Branchen sind neue Technologien der Schlüssel zu Wettbewerbsvorteilen, etwa in der Medizintechnik. Warum hat der Schweizer Leasingmarkt in den letzten Jahren gerade hier das stärkste Wachstum verzeichnet?
WR: Der technische Fortschritt in diesem Bereich ist so rasant, dass sich ein Kauf in vielen Fällen nicht lohnt. Die Systeme sind vielfach längst überholt, bis sie sich amortisiert haben. Deshalb leasen auch Spitäler und Ärzte ihre Infrastruktur vermehrt. In der Medizin setzen sich gegenwärtig neue Leasingmodelle durch: Statt pauschalen Leasingraten werden bei medizinischen Geräten immer öfter die tatsächlich bezogenen Leistungen verrechnet. Möglich machen dies Technologien wie das Internet of Things (IoT): Vernetzte Geräte erlauben eine transparente Kostenabrechnung bei geteilter Nutzung. So kann zum Beispiel eine Gruppenpraxis gemeinsam einen MRI-Scanner anschaffen und jedem Arzt die entsprechende Anzahl Scans individuell verrechnen. Solche Pay-per-use-Modelle werden sich in Zukunft auch für Industriemaschinen etablieren.

 MK: Individuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf Rückzahlungsdauer/-art, Saisonalität oder Progressivität ermöglichen es der Bank also, eins zu eins auf die Bedürfnisse der Kunden Rücksicht zu nehmen. Zudem sind die Finanzierungskonditionen meist niedriger als bei einem Investitionskredit. Nachteilhaft kann aber sein, dass der Leasingnehmer nicht Eigentümer des Investitionsguts ist, dieses bleibt bis zum Vertragsablauf bei der Leasinggesellschaft. Zudem weisen die Verträge eine fixe Vertragslaufzeit auf; eine vorzeitige Vertragskündigung oder ausserordentliche Amortisationen sind nicht vorgesehen.

Für wen eignet sich Leasing von Betriebsmitteln also am meisten?
MK: Leasing eignet sich überall dort, wo liquiditätsschonend investiert werden soll – und das bereits ab 15 000 Franken. Preisliche Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Investitionskredit ergeben sich insbesondere bei Gütern, die vergleichsweise einfach wiederverkäuflich sind. Aufgrund des Eigentums am Leasingobjekt steht Leasing oftmals auch jüngeren Unternehmen offen, denen bei der Bank ein Investitionskredit verwehrt bleibt. Wem es aber wichtig ist, Eigentümer des Objekts zu sein, und wer keine fixe Vertragslaufzeit eingehen will, für den kann auch eine Finanzierung mittels Investitionskredit sinnvoll sein.

WR: Investitionen in Technologie sind heute in vielen Branchen ja eine Notwendigkeit, um konkurrenzfähig zu bleiben. Eine moderne Produktionsanlage für die Lebensmittelverarbeitung oder die Metallbearbeitung ist mit Eigenmitteln allein aber kaum zu stemmen: Die Kosten liegen schnell im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Leasing ermöglicht eine massgeschneiderte Finanzierung von grösseren Investitionen in die Infrastruktur. Die Leasingraten lassen sich auf die Umsatzerwartungen abstimmen. So kann zum Beispiel ein Unternehmen eine neue Produktionsanlage anschaffen und zunächst tiefe Raten bezahlen. Sobald die Maschinen eingespielt sind, steigen die Raten an. Das gibt dem Betrieb Zeit, um die Anlage in Betrieb zu nehmen und das Produktionsvolumen auszubauen.

 

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«Nach der Inbetriebnahme gibt es keine Leasingmöglichkeit mehr.»

Wie gehe ich am besten vor, wenn ich Betriebsmittel leasen möchte?
MK: Ganz wichtig ist: Nehmen Sie sich nicht nur für Zeit für die Maschinenevalution, sondern lassen Sie sich frühzeitig von der Bank, aber auch vom Treuhänder bezüglich steuerlicher Aspekte und Tragbarkeiten bei Zusatzinvestitionen beraten. Es kommt immer wieder vor, dass Investitionsgüter zuerst mit eigenen Mitteln gekauft werden und aufgrund unvorhergesehener Kosten nach ein paar Monaten eine Refinanzierung dafür gesucht wird. Nach Inbetriebnahme gibt es aber keine Leasingmöglichkeit mehr.

WR: Bei Raiffeisen etwa erhalten Sie auf Basis einer Offerte oder Auftragsbestätigung für die Maschine einen unverbindlichen Finanzierungsvorschlag. Wir prüfen die Anträge dann klassisch mit Jahresabschlüssen und weiteren Firmenauskünften; je nach Objekt und Volumen gibt es aber auch ein vereinfachtes Verfahren, bei dem eine Bonitätsauskunft eine schnelle Abwicklung ermöglicht.

Empfehlen Sie noch eine andere Form der Liquiditätssicherung?
WR: Zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen eignet sich nach wie vor der Kontokorrentkredit bestens. Zudem können Wachstumsinvestitionen auch über kurzfristige Festkredite refinanziert werden, wo die Banken je nach Kundenrating aufgrund des tiefen Zinsniveaus attraktive Finanzierungskonditionen anbieten.

MK: Bankfinanzierungen stellen heute für etablierte Unternehmen die günstigste Refinanzierungsmöglichkeit dar. Junge Unternehmen und Start-ups mit einem spannenden Businessplan finden aber auch auf Crowdfinanzierungs-Plattformen interessante Möglichkeiten, um an Investitionsmittel zu kommen.

 

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